Ostpreußen baut wieder auf: macht mit!
„…Die ostpreußische Stadt, geerbt und zu einer russischen Stadt geworden, verwandelte sich im Laufe der Jahre in einen ausufernden Stoff… wäre es nicht eine gute Idee, sie auf unsere Maße zuzuschneiden? Was ist ihr Maß? Wer sind die Schneider? Wer wird es tragen?„, schrieben wir Anfang 2010. Vorausgegangen waren seit 2005 mehrere Zusammenkünfte im Alten Schloß von Insterburg, stets mit dem selben Klagelied: hie wurde abgerissen, dort umpflugt, mit Glas auf Vordermann gebracht oder mit Klebe-Fachwerk antikisiert, mit Beton oder Asphalt zugegossen. Unbestritten daß der Nutzer und Bewohner das Recht auf bequemes, ja gemütliches Heim habe — doch muß dies so gegen die Historie sein?
Ach hätten wir doch einen neuen prussischen Baustil… Doch was nützt eine Vorschrift ohne Verständnis und nur mit Zwang?
Und dabei gäbe es ausgerechnet hier so einiges an Ansätzen zum Thema…
Unser Aufruf aus 2010 ähnelt den Worten, die 1919 erklangen. Damals tönte es, in Ablehnung von und Rettung vor dunklen Hinterhöfen und ausschweifenden Putz-Giebeln, nicht etwa hier sondern in Berlin: «An Stelle des schmutzig-grauen Hauses trete endlich wieder das blaue, rote,.. schwarze, weiße Haus in ungebrochener, leuchtender Tönung!». Sie tate es wirklich, Häuser des Gemeinschaftssinns und ohne Pickelhaube, des gesunden Wohnens und der Sparsamkeit. In der Reihenfolge ihrer Entstehung, die Bauvorhaben №№1, 3, 4, 5, unser heutiges Weltkulturerbe. Anders das Bauwerk №2, die „Bunte Reihe“ zu Insterburg: einmalig vom Erhaltungsstand, harrt sie einer Neubestimmung. Wer soll sie pflegen, sie ertüchtigen?
Ein Mißstand — der die Lösung des Problems in sich trägt? Oder gar — mehrerer Probleme?
Vor 100 Jahren begann an der Bunten Reihe eines Architekten Aufstieg zum Weltruhm. Sein Name: Hans Scharoun. Ostpreußens Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg — seine und seiner Weggefährten erste Prüfung. Erfolgreich gemeistert im Entwurf und Ausführung, die letztere zugegeben unfreiwillig: die «deutsche Wertarbeit» an den Baustellen Ostpreußens leisteten zumeist die Kriegsgefangenen. Bei den Schlachten an Masurischen Seen usw. eingeholt und für die Aufgabe besonders angelernt. Der beiden Parteien Einsatz darf weder von den heutigen Bewohnern negiert werden, noch von den Architekten, die sich auf die „1. Moderne“ berufen. Denn hier verdienten alle ihre Sporen, hier schuf man Heimat, keine bloßen Taktstraßen und Wohnflächen-Quadratkilometer.
Demselben Themenbündel widmete sich das ins Leben gerufene „insterJAHR“, mit seinen Sommerklassen, Konferenzen, Forschungen, Schriften und Baustellen. Die wesentlichen Vorhaben sind immer noch dieselben wie im ersten Jahr, die Bunte Reihe und das Neue Friedhof; die Inhalte und vor allem die Begleitprojekte wandelten sich dagegen mehrfach, auch die Organisation des „insterJahres“ selbst. Diese Seiten dokumentieren diesen Wandel vom allerersten bis zum aktuellsten Bericht, neu gegliedert nach Projekten und, wie bei der vorigen Homepage, nach Kategorien.
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Dimitri Suchin
Vorstand des Kamswyker Kreis e.V.
Beauftragter des „insterJAHRes“
Mai 2025