{"id":1626,"date":"2010-09-28T02:21:29","date_gmt":"2010-09-28T00:21:29","guid":{"rendered":"http:\/\/de.instergod.ru\/?p=1626"},"modified":"2025-03-26T03:25:15","modified_gmt":"2025-03-26T01:25:15","slug":"workshop-sesam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/workshop-sesam\/","title":{"rendered":"SESAM010-Workshop in Insterburg"},"content":{"rendered":"<p>Auf den Seiten des Forschungsinstitutes f\u00fcr Geschichte und Theorie der Architektur und des St\u00e4dtebaues der russischen Bauakademie <a href=\"http:\/\/niitag.ru\/info\/doc\/?277\">erinnert sich<\/a> eine Mitarbeiterin, Frau Dr. Irina Belintzewa, an den August-2010-SESAM-Treffen zu Insterburg.<br \/>\nLeider ist auf den Institutsseiten die nicht korrigierte Textfassung zum Abdruck gekommen, wir hingegen zeigen eine Endfassung des Beitrages.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"http:\/\/niitag.ru\/files\/editor\/insterburg.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"324\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Hinter dem Namen SESAM verbirgt sich die kleinere Regionalversion der gro\u00dfen Versammlungen der Europ\u00e4ischen Vereinigung der Architektur-Studenten (European Architecture Students Assembly, EASA). Diese ist eine internationale, unabh\u00e4ngige und politikfreie Gr\u00fcndung der Architekturstudenten, seit 1981 in verschiedenen Teilen Europas abgehalten. SESAM seinerseits findet seit 1991 in verschiedenen L\u00e4ndern statt, zum Teil mehrfach im Jahr. Die Teilnehmerzahl schwankt zwichen 40 und 100 Studenten. Sie kommen zusammen zu den Fachexkursionen, Vortr\u00e4gen und Seminaren, zuvorderst aber, um eigene kreative Planungen aufzustellen, zu debattieren, und der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen &#8212; all dies fand Ende August und Anfang September 2010 beim Insterburger SESAM-Treffen statt. Eist eine der bedeutendsten Zentren Ostpreu\u00dfens, geh\u00f6rt die Stadt heute zur Region Kaliningrad der Russischen F\u00f6deration.<\/p>\n<p>Doch SESAM010 zu Insterburg war mehr als nur ein EASA-Projekt: die Veranstaltung war ein Teil des mehrj\u00e4hrigen internationalen Kulturprogramms &#8222;insterJAHR&#8220;, im Fr\u00fchjahr 2010 begonnen.<\/p>\n<p>Jenes &#8222;insterJAHR&#8220;ist acht <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/news\/upolnomochennyie-proekta.html\">Leute<\/a> Kind: der B\u00fcrgeraktiven, der Stadtbeamten und der externen Fachleute. Ihr Hauptziel ist die <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/colloquium\/poisk-novoy-russkoy-prussii.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Findung<\/a> der Prinzipien der Raumgestaltung, der Harmonisierung einzelner Vauten, wie sie seit Jahrhunderten angewandt und unserer Tage vergessen sind, sowie auch die <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/konzept\/gotovye-recepty.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausarbeitung<\/a> der Angehendweisen f\u00fcr diese zu findenden Grunds\u00e4tze.<\/p>\n<p>In den 20er Jahren arbeitete \u00fcber 20. Architekturb\u00fcros in Insterburg, es gab einen &#8222;Verein f\u00fcr anst\u00e4ndige Architektur&#8220;, hier begann der ber\u00fchmte deutsche Architekt Hans Scharoun seine sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit, ein Vertreter der &#8222;organhaften Architektur&#8220;. Die erhaltenen H\u00e4user der <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/biografiya-domov\/istoricheskaya-spravka-pyostryiy-ryad.html\">Bunten Reihe<\/a> wurden von ihm in den 1920-ern erbaut und stellen jetzt einen besonders Stolz auf lokaler Experten und Heimatforscher dar. Die angehenden Architekten aus Kasan (Lehrstuhl W. Chamitow), die ihr <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/news\/desant.html\">Praktikum<\/a> hier zugebracht, sind bereits Messungen durchgef\u00fchrt und die <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/news\/croquis.html\">Restaurierung<\/a> dieser Geb\u00e4ude vorbereitet.<\/p>\n<p>Heute stellt sich Insterburg, einen bedeutenden Teil seiner deutschen Aktbauten eingeb\u00fc\u00dft, als eine Kombination mehrerer Architektur- und Geschichts-Schichten dar: neben den Ruinen der mittelalterlichen Ordensburg und den zahlreichen Denkm\u00e4lern der Gr\u00fcnderzeit und des beginnenden 20. Jahrhunderts stehen die sowjetischen F\u00fcnfgeschosser und neben diesen &#8212; die nagelneuen Bauten der letzten Jahre. Die st\u00e4dtische Gesamtstruktur zerfalle in lose Fragmente, mitinander kaum verkn\u00fcpft, weder r\u00e4umlich noch historisch: Insterburg stehe als eine Sammlung loser Objekte da, darunter eigenwillige Villen und \u00f6ffentliche Bauten deutscher Zeit, daneben Typenwohnh\u00e4user und Typenl\u00e4den der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahhunderts, oder gar des angehenden 21. Jahrhunderts. Positiv anzumerken ist der Fortbestand der Planungsstruktur der Stadt, ihr Netz von kopfsteingepflasterten Stra\u00dfen hat seit dem Zweiten Weltkrieg keine wesentlichen Ver\u00e4nderungen erfahren. Dies kann f\u00fcr due Erneuerung der Stadt von Bedeutung werden.<\/p>\n<p>Das komplexe heterogene Gef\u00fcge der Stadt verlangt nach sorgf\u00e4ltigem Umgang &#8222;nicht von der Stange&#8220;, nach innovativen Vorschl\u00e4ge, wie dieses wieder vereint werden soll &#8212; und es war eben diese Aufgabe, die vor den Teilnehmern des SESAM010 stand, den Studenten und jungen Architekten aus mehreren St\u00e4dten Ru\u00dflands (Moskau, St. Petersburg, Nischni Nowgorod, Wladimir und Kasan waren darunter), aber auch aus Frankreich, Polen, Ungarn, Georgien, Armenien, usw. Die Zeit des Treffens wurden zum regen Austausch von Ideen zwischen jungen Architekten aus verschiedenen L\u00e4ndern benutzt. &#8222;insterJAHR&#8220; belebte die Zusammenarbeit auch interdisziplin\u00e4r, zwischen den Architekten, den Heimatkundlern, den Historikern, Kunsthistorikern und einfachen B\u00fcrgern: \u00fcber 50 von ihnen nahmen allein an der lebhaften SESAM010-Arbeit teil, auch als Mit-Organisatore, Co-Kuratore, Vortragende. Den G\u00e4sten standen die Gastgeber stets zur Seite, wobei die gemeinn\u00fctzige Stiftung &#8222;Dom-Samok&#8220; besonders zu erw\u00e4hnen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ferner ist die gro\u00dfe Aufbauleistung der Kuratoren zu unterstreichen, von Paul Prischin, Olga Maximowa und anderen. Sie erstellten eine wohldurchdachte Kette von Vorvereitungsschritten und Ablaufpunkten f\u00fcr die Seminare, darunter auch die Studienreise durch die polnischen St\u00e4dte West- und Ostpreu\u00dfens. Dort findet sich gleich wertvolles Bauerbe und auch die Probleme der Restaurierung der historischen Stadtumwelt sind mit jenen Insterburgs vergleichbar. So haben die Teilnehmer ber\u00fchmte St\u00e4dte und Festungen besucht, auf die die polnischen Restauratore ganz besonders stolz seien: Danzig, Marienburg, Heilsberg und andere. Einf\u00fchrungsvortr\u00e4ge wurden von Irina Belintzewa gehalten, Doktorin der Kunstwissenschaft, leitender Forscherin des NIITIAG der Architekturakademie.<\/p>\n<p>Besonderen Augenmerk legte man aufs Stadtzentrum von Elblag, Ende des 20. &#8211; Anfang des 21. Jahrhunderts auf den Grundmauern der im Zweiten Weltkrieges zerst\u00f6rten deutschen Stadt errichtet. Seine Bebauung wurde von den jungen Fachleuten kontrovers debattiert und bewertet. Ungeteilt romantisches Interesse der Teilnehmer wurde dem <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/biografiya-domov\/zemelnyiy-muzey.html\">Freilichtmuseum<\/a> am Hexenberg nahe der Kleinstadt  Hohenstein zuteil. Diese Bauernh\u00e4user der 18.-19. Jahrhunderts sind vom bekannten deutschen Denkmalpfleger des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, R. Dethleffsen, von 1909 im K\u00f6nigsberger Zoo gezeigt worden. In 1937 verbrachte man sie hierhin. Die vielen H\u00e4user sind bis heute erhalten, um neue Akquisitionen erg\u00e4nzt und bilden heute einen Parkmuseum der Volksarchitektur und Ethnographie. Entt\u00e4uschend hingegen die bald darauf gesehenen Ausl\u00e4ufer der Industriestadt Allenstein, des Geburtsortes des ber\u00fchmten Architekten E. Mendelsohn. Beim fr\u00f6hlichen Abendrundgang durch die geschichtliche Innenstadt, die ihren alten Charme bewahrt, hellte sich der erste unangenehme Eindruck etwas auf.<\/p>\n<p>Das Kennenlernen der Nchbarserfahrungen am selben Thema war sicherlich von Bedeutung f\u00fcr die nachmalige Arbeit des Seminars. Man war best\u00e4rkt im eigenen Optimismus und der M\u00f6glichkeit, mittels Architektur die verlorene oder besch\u00e4digte Stadtsubstanz Insterburgs wiederherzustellen.<\/p>\n<p>Die Arbeiten des SESAM010 fanden auf dem Gel\u00e4nde des Geschichts- und Kulturdenkmal ersten Ranges, der Insterburger Burg statt. Seit 13 Jahren schon dienen die Ruinen der deutschen Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert der Bildungs-, Geschichts- und Kunstarbeit einer Gruppe von Enthusiasten. In der gemeinn\u00fctzigen Stiftung &#8222;Dom-Samok&#8220; vereint, haben sie seit 2003 das Nutzungsrecht in der Denkmalsburg. Im Jahre 2006 wurde sie ins Bundesprogramm &#8222;Kultur Ru\u00dflands&#8220; aufgenommen, und 2008 erfolgten die ersten Sicherungsarbeiten.<\/p>\n<p>Heute finden auf dem Burghof verschiedene Schauen statt, meist der Ortsgeschichte gewidmet oder diese k\u00fcnstlerisch interpretierend &#8212; Ende August bis Anfang September 2010 bev\u00f6lkerten junge Architekten dies historische Terrain, die es unter dem Stichwort \u00ab<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/news\/sesam.html\">Gest\u00f6rte Stadt<\/a>\u00bb kritisch unter die Lupe nahmen. Die stimmungsvollen Ruinenmauern f\u00f6rderten den kreativen und pers\u00f6nlichen Umgang der Teilnehmer, untergebracht wurden sie in der von der Stadtverwaltung gestellten Aula des Jugendtreffs und im Studentenheim.<\/p>\n<p>Die Seminare sollten analytisch wie praktisch sein.<br \/>\nSo hatte z.B. der Kurator des Themas \u00ab<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/junge-architekten\/kontext.html\">Umwelt als Kontext<\/a>\u00bb Oscar Madera mit seinen Mitstreitern W. Gomosow, E. Maleewa, M. Wal\u00fcschenitsch, I. Saminskaja die Idee, die Autoren der jeweils n\u00e4chsten Bauschicht der Stadt stets die Arbeiten ihrer Vorg\u00e4nger mit ber\u00fccksichtigten und in ihren Bauten die eigene Haltung zu ihnen in verschiedenen Formen auspr\u00e4gten, ob als Ablehung, als Desintresse, als Dekonstruktion oder als Fortsetzung. In der Vorkriegszeit soll die letztere dominiert haben, w\u00e4hrend die Sowjetzeit bewu\u00dft den Mantel des Vergessens dar\u00fcber legte.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/junge-architekten\/5-8-mapstudio.html\">Theorieworkshop<\/a> von &#8222;\u0420\u045a\u0420\u0452\u0420\u00a0 Studio&#8220; (M. Polewa, S. Pomelow, V. Domnenko) ging es um die Stadterneuerung, und die Zeile, anders als beim Vorigen, waren klar und maximalistisch gesetzt: &#8222;Erstellen eines neuen Masterplans auf der Grundlage des erarbeiteten Szenarios des st\u00e4dtischen Lebens. Schaffung eines Netzes von \u00f6ffentlichen R\u00e4umen, eines einfachen und klaren Navigationssystems in der Stadt, von Verkehrs- und Fu\u00dfg\u00e4nger-Verkn\u00fcpfungen, Erneuerung der heruntergekommenen Stadtteile, Entwicklung von Bauregeln.&#8220; Das <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/junge-architekten\/5-1-mapstudio.html\">gezeigte Ergebnis<\/a> entsprach dem durchaus, ohne allerdings durch Neuheit zu brillieren.<\/p>\n<p>Im anderen <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/junge-architekten\/smile.html\">Praxis-Workshop<\/a> (O. Akimenko, A. Gritschschchenko, A. Serd\u00fck u.a.) sah man die Aufgabe darin, f\u00fcr Insterburg erkennbare Ortsmarken zu schaffen, Kleinarchitekturen, die Leben in einzelne Nachbarschaften einhauchen, positive Impulse in der auslaufenden Stadtlandshaft setzen. Die Teilnehmer schlugen inretessante L\u00f6sungen f\u00fcr zeichnerische Ortssymbole, Hinweisschilder und anderes vor. Eigenh\u00e4ndig bauten sie zwei Kinderspielpl\u00e4tze, den Leerraum zwischen den H\u00e4usern neuartig f\u00fcllend.<\/p>\n<p>Der interessierten B\u00fcrgerschaft und der Stadtverwaltung wurden die Entdeckungen, Forschung und Arbeiten von SESAM010 am 3. September 2010 im Konferenzsaal der Burg Insterburg pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><em>Dauerhaft sind die SESAM010-Arbeiten hier auf den Webseiten und in der Burg zu sehen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den Seiten des Forschungsinstitutes f\u00fcr Geschichte und Theorie der Architektur und des St\u00e4dtebaues der russischen Bauakademie erinnert sich eine Mitarbeiterin, Frau Dr. Irina Belintzewa, an den August-2010-SESAM-Treffen zu Insterburg. Leider ist auf den Institutsseiten die nicht korrigierte Textfassung zum Abdruck gekommen, wir hingegen zeigen eine Endfassung des Beitrages.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[351,340],"tags":[281,285,429,296,317,294,309,279],"project-category":[376,401],"class_list":["post-1626","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sesam","category-news","tag-architektur","tag-burg","tag-danzig","tag-kasan","tag-moskau","tag-scharoun-de","tag-petersburg","tag-studenten","project-category-reihe","project-category-lw"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1626"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22117,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626\/revisions\/22117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1626"},{"taxonomy":"project-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project-category?post=1626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}