{"id":2027,"date":"2011-02-11T20:01:34","date_gmt":"2011-02-11T18:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/de.instergod.ru\/?p=2027"},"modified":"2025-03-26T14:19:28","modified_gmt":"2025-03-26T12:19:28","slug":"rekam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/rekam\/","title":{"rendered":"&quot;Fl\u00fcsse haben auch zu atmen&#8230;&quot;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ende Januar\u2014Anfang Februar arbeitete die hydrologischen Expedition der Moskauer Lomonosow-Staatsuniversit\u00e4t im Nordostpreu\u00dfischen. Hof gehalten wurde von den Jungewissenschaftlern in Insterburg, in den R\u00e4umen des Industriep\u00e4dagogikums. Zum Fortgang der Expedition und den vorl\u00e4ufigen Ergebnissen erz\u00e4hlte auf den Seiten des Lokalblattes &#8222;Pol\u00fcs+TV&#8220; ihr Leiter, Doktoranw\u00e4rter in geographischen Wissenschaften, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl f\u00fcr Festlandhydrologie Denis Ajbulatow. Das Interview f\u00fchrte Galina Kaschtanowa-Jerofejewa.<\/strong><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5655\" title=\"Rekam-1\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Rekam-1.gif\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"545\" \/><!--more--><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2014\u00a0Was bezwecken Sie mit Ihrer Expedition?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Jedes Jahr, winters wie sommers, entsendet unser Lehrstuhl seine Studenten und seine Lehrer auf Forschungsreisen. Die Studentisch-Wissenschaftliche Gesellschaft bietet daf\u00fcr den Rahmen. Hier sind wir 18 Mann: 6 Lehrer und 12 Studenten verschiedener Semester, vom 1. bis zum 10.; geb\u00fcrtige Moskowiter, dem Moskauer Umland, Barnaul, Saratow, Joschkar-Ola, der Region Krasnojarsk. Unser Hauptziel ist es, im Winter eine umfassende wasserkundliche Untersuchung nordostpreussischer Gew\u00e4sser durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>\u2014 Warum fiel Ihre Wahl ausgerechnet auf diese Region?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Wir entschieden uns f\u00fcr ein Gebiet, den wir noch nicht untersucht, wo unsere Expeditionen noch nie zugange waren. F\u00fcr uns war es also eine Art &#8222;blinder Fleck&#8220;. Wir wollten in die Schl\u00fcsselregione, wo Fl\u00fcsse aus dem Ausland, aus \u00a0Polen und Litauen kommend, in den Pregel m\u00fcnden. Wir wollten verstehen, wo die Quellen ihrer Verunreinigung seien, \u00a0das hydrologische Regime untersuchen, ferner den Flu\u00dfbett-Wandel, die Wasserqualit\u00e4t, die elektrische Leitf\u00e4higkeit, die chemische Zusammensetzung, den pH-Wert, den Sauerstoffgehalt, die Temperatur, die Tr\u00fcbung, die Art der Bodensedimente. Wir wollten den Wasserdurchgang bestimmen, die Tiefen und Breiten vermessen, eine Pegelstation einrichten. Ferner interessierten uns die Schneedichte und die M\u00e4chtigkeit der Wasserreserven in der Schneedecke.<\/p>\n<p><strong>\u2014 Welche Fl\u00fcsse zoget Ihr ein in die Untersuchung?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014\u00a0Im Osten der Region werden wir kaum eines \u00fcbersehen haben. Wir waren auf der Rominte, auf der Pissa, der Angerapp, der Inster, den Pregel hinunter bis nach Tapiau, die Alle, die Deime und anderen mehr.<\/p>\n<p><strong>\u2014 Mit welchem Ergebnis?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Noch ist es zu fr\u00fch, von Ergebnissen zu sprechen. Hydrologische Testreihen f\u00fchrten wir durch,  entnahmen Proben, von denen einige bereits hier im Expre\u00dflabor behandelt wurden. Weitere Arbeit an einem Teil dieser Proben wartet auf uns in Moskau, im hydrochemischen Laboratorium der  Universit\u00e4t: dort wird die Analyse eingehender sein. Auf dieser Grundlage werden Berichte vorbereitet, die an den j\u00e4hrlichen Lomonosow-Lesungen der Lomonosow-Universit\u00e4t pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5661\" title=\"Rekam-2\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Rekam-2.gif\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"642\" \/><\/p>\n<p><strong>\u2014 Was k\u00f6nnen Sie \u00fcber die Stadtgew\u00e4sser Insterburgs sagen?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Wir nahmen Proben vom Abwasser, welches im Stadtgebiet in die Angerapp geleitet wird. Was soll ich sagen, verunreinigt ist es. Die Quellen dessen wird die Probenanalyse liefern, doch es sind einfach zu viele und zu schmutzige, gar stinkende! Und all das flie\u00dft ungehindert in den Hauptlauf.<br \/>\nDie Ufern waren uns im Stadtgebiet ein besonderes Thema, sowohl auf der Augerapp wie auf der Inster: es gibt Untersp\u00fclungen, die gef\u00e4hrlich nah an die Geb\u00e4ude heranreichen. Das Risiko eines Absturzes ist gegeben. Erosionsgef\u00e4hrtdete Stellen haben wir kartiert.<\/p>\n<p><strong>\u2014 Wir haben nicht wenige Wasserbauten: wie bewerten Sie ihren Zustand?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Leider  sind die wassertechnischen Bauwerke allesamt verstopft, \u00fcber und \u00fcber mit M\u00fcll zugedeckt und verschlammt. Bis der Fr\u00fchling kommt, m\u00fcsse man sie reinigen, sonst droht Gefahr beim Fr\u00fchlingshochwasser. Besondere Werkzeuge und Vorrichtungen sind hierzu nicht vonn\u00f6ten: man r\u00e4ume einfach den M\u00fcll weg, der die Wasserbereitungsanlagen verstopft, und schon ist man der Flutgefahr entkommen. Von anderen L\u00e4ndern sollte man lernen; in Polen wie Deutschland wir der Gew\u00e4sserproblematik eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Rolle zugewiesen, und dennoch k\u00e4mpfen sie dort mir gewaltigen Problemen, gar Menschenleben seien zu beklagen.<br \/>\nGew\u00e4sser geh\u00f6ren \u00fcberwacht, sie m\u00fcssen atmen k\u00f6nnen, ganz so, wie die Menschen es tun. Die Gew\u00e4sserpflege soll eine hohe Priorit\u00e4t haben, und nicht zulassen, was an einem der oberen Tschernuppe-Teiche geschah: da hat einer den Auslauf aus deutscher Zeit einfach mit Beton verf\u00fcllt und einen unbefestigten Ersatzgraben ausgehoben \u2014\u00a0mit den vorhersehbaren Folden, es entwickelt sich dort eine gef\u00e4hrliche Untersp\u00fchlung.<br \/>\nBekanntlich hatte Ostpreu\u00dfen ein komplexes System von  Entw\u00e4sserungsanlagen: wir m\u00fcssen es nur richtig betreiben k\u00f6nnen. Vielleicht sollte ein Zweckprogramm zur Wiederherstellung und wirtschaftlicher Ausnutzung seiner ins Leben gerufen werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5662\" title=\"Rekam-3\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Rekam-3.gif\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"285\" \/><\/p>\n<p><strong>\u2014 Diesj\u00e4hrig hatten wir viel Schnee, was k\u00f6nnen nach Ihrer Sicht die Folgen sein?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Eine Hochwasservorhersage gibt ihnen das Wetterb\u00fcro. Daf\u00fcr brauchen sie aber eine Menge Daten: von der Wasserscheide, von den anderen \u00dcberschwemmungsgebieten (ob es da auch schon taue), von der allgemeinen Wetterlage. Dann erst mache man seine hydrologischen Berechnungen. Wir, anhand unserer Forschungen, k\u00f6nnen den Wassertechnikern Vorschl\u00e4ge bereiten. Diese werden sie f\u00fcr die Sicherheit ihrer wassertechnischen Anlagen nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u2014 2010 fand in der Stadt das erste &#8222;insterJAHR&#8220; statt, ein Projekt, &#8222;im Kulturerbe Insterburgs eine Entwicklungsgrundlage Tschernjachowsks&#8220; zu sehen. Unter anderem wurde dort vorgeschlagen, die Schlo\u00df- und Parkteiche wiederherzustellen: k\u00f6nnen Ihre Forschungen hierzu n\u00fctzlich sein?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Der Einsatz der Hydrologen wird in jedem Fall vom Nutzen sein. Um die Teiche anzugehen, wird man die Daten unserer  Messungen brauchen: die Teiche sind n\u00e4mlich voller Schlamm, die Schicht ist 30 bis 40 cm stark, darunter leiden die Fische und die Algen gedeihen umso mehr<em>&#8230;<\/em> N\u00fctzlich k\u00f6nnen auch unsere Berechnungen des Wasservolumens \u00a0werden, die Bestimmung des Wasserhaushaltes <em>(wieviel Wasser flie\u00dfe ein, wieviel flie\u00dfe wieder ab)<\/em>, die Absch\u00e4tzung des Verschlammungsgrades des Teichbodens, der schwankenden Wasserst\u00e4nde, der Verdr\u00e4ngungszeiten, der Natur des Wasserkreislaufs und der  Wasserqualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>\u2014 10 Tage waren Sie hier bei uns, was sind Ihre Erlebnisse?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Als wir hinfuhren, wu\u00dften wir nichteinmal im Geringsten, was alles Neue auf uns zukomme: es ist, als seien wir auf einem anderen Planeten! Die Natur ist der uns vertrauten gar nicht so anders, die Gew\u00e4sser hingegen schon. Man sp\u00fcrt die Menschenhand an ihr, doch wo war der Eingriff genau? ward der eine oder andere Flu\u00df geformt, oder formte er sich selbste?..<br \/>\nIhre Stadt atmet europ\u00e4ische Geschichte. Man kommt sich wie im alten Film der Gro\u00dfvaterszeiten vor. Ganz angetan waren wir von den Menschen im Ort: herzlich, freundlich, ansprechend und hilfsbereit. An unserem Werk waren sie sehr interessiert. Da gab es z.B. einen ehemaligen Schiffskapit\u00e4n in Tapiau, der sich nicht zu schade war, uns von den Tiefen, den Engp\u00e4ssen und anderen Besonderheiten der Deime und des Pregels zu berichten, wo er einst selbst die Schiffe lenkte. Die Insterburger Verwaltung begr\u00fc\u00dfte unser Kommen und war sehr freundlich; Rat und Anleitung kamen z.B. von der Abteilungsleiterin Architektur und St\u00e4dtebau, Frau G.W.Prokoptschuk, aber auch von den Fachleuten des Katastrophenschutzes oder von der Fachschule, die uns Unterkunft bot. Besonderer Dank gilt Eugen Welitschko, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik, und f\u00fcr das packende Kulturprogramm haben wir der Burgmannschaft zu danken \u2014\u00a0alles Leute, die ihre Stadt kennen und lieben.<\/p>\n<p><strong>\u2014 Plant Ihr Lehrstuhl weitere Expeditionen in der Region?<\/strong><\/p>\n<p>\u2014 Im Sommer, hoffe ich, wird unser Fach hier wieder zugange sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5663\" title=\"Rekam-4\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Rekam-4.gif\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"197\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Januar\u2014Anfang Februar arbeitete die hydrologischen Expedition der Moskauer Lomonosow-Staatsuniversit\u00e4t im Nordostpreu\u00dfischen. Hof gehalten wurde von den Jungewissenschaftlern in Insterburg, in den R\u00e4umen des Industriep\u00e4dagogikums. 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