{"id":2488,"date":"2011-07-15T23:20:26","date_gmt":"2011-07-15T20:20:26","guid":{"rendered":"http:\/\/de.instergod.ru\/?p=2488"},"modified":"2025-04-28T11:44:14","modified_gmt":"2025-04-28T09:44:14","slug":"nasledniki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/nasledniki\/","title":{"rendered":"Die Erben des Architekten Kaufman"},"content":{"rendered":"<p><em>Juri Schukin berichtet im Lokalblatt &#8222;Prawo snat&#8220; (\u211653-2011) von den Zwischenergebnissen des Landschaftsseminars:<\/em><\/p>\n<p><strong>Dem Kaleidoskop gleich kreisen am Bildschirm die bunten Dias: jeder Insterburger erkennt in ihnen seine Heimatstadt. Die einen zeigen die herausragenden Bauten der Vorkriegsstadt, von denen ein Teil uns noch heute erfreue, die Gassen durch die sich einst die gl\u00e4nzend blanken Stra\u00dfenbahngleise schl\u00e4ngelten\u00a0\u2014 darauf folgen die Bilder einer neuen Stadt, dem legend\u00e4ren Heerf\u00fchrer geweiht&#8230; was gehe in der Aula der Stadtbibliothek vor?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7206\" title=\"15-07-Nr53-1313\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/15-07-Nr53-1313.jpg\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"592\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Die versammelten Leiter der Kreis- und Stadtverwaltungen, die Vertreter der gebildeten B\u00fcrgerschaft, des Denkmal-Beirates, die Heimatkundler, sowie die werdenden Landschaftsarchitekten, Studenten der Universit\u00e4ten zu M\u00fcnchen, Berlin und Dorpat mitsamt ihren Lehrkr\u00e4ften lauschen aufmerksam der Vorpr\u00e4sentation des nachstehend beschriebenen Hauptereignisses:<br \/>\nhier finde die inzwischen tradizionelle Versammlung aller Beteiligten des &#8222;insterJAHR&#8220; statt.<br \/>\nDer bekannte st\u00e4dtischer Heimatgeschichtler Alexej Oglesnew ist der Koordinator des Dauerprogramms.<\/p>\n<p>Beim diesmaligen Treffen gehe es um die Arbeiten deutscher und estnischer Studenten der Landschaftsarchitektur. Wenn umgesetzt, machen sie unsere Stadt sch\u00f6ner f\u00fcr alle Bewohner und ansprechender f\u00fcr Touristen. Seit Jahren bereits erforschen unsere ausl\u00e4ndischen Freunde die Landschaften Insterburgs, wobei den Parkanlagen ihre besondere Aufmerksamkeit zukomme. Doch was mache unsere Stadt beruflich so interessant f\u00fcr sie?<\/p>\n<p>Um diese Frage zu beantworten, m\u00fcsse man sich in die Vergangenheit begeben: Insterburg war im vorvergangenen Jahrhundert die Entwurfs- und Wirkungsst\u00e4tte des weltbekannten deutschen Landschaftsarchitekten Kaufman. Heute sehen wir die Spuren seines Tuns im Stadtpark, hinterm Offizierskasino und bis kurz vor die Burg Insterburg. Jedem vertraut ist die Terrasse und Treppe zum ehemaligen E-Werk hinauf, die Treppe auf der gegen\u00fcberliegenden Talseite, der Parkbach unter einem mehrebenigen Aqu\u00e4dukt, die gro\u00dfen Teiche, von diesem Bach verbunden und von Promenaden umgeben. Den Alteingesessenen werden noch die eigent\u00fcmlichen Bogenbr\u00fccken in Erinnerung sein, die aus unklarem Grunde von den Pionieren abgebrochen werden m\u00fc\u00dften, um Platz zu machen f\u00fcr dasjenige, was wir heute erleben\u00a0\u2014 doch wer dachte damals ans deutsche Kulturerbe?<\/p>\n<p>Dies alles verdankten die Insterburger\u00a0\u2014 zum Teil auch die Tschernjachowskler\u00a0\u2014 dem Architekten Kaufmann. Es gab auch noch eine Menge weiterer Orte in unserer Stadt, an denen dieser talentierte Menschen seine Hand anlegte, doch die Kriegsjahre und das nachmalige Leben lie\u00dfen so manches verschwinden. Nun ist es an der Zeit, die Steine wieder zu sammeln; darin helfen uns beim &#8222;insterJAHRe&#8220; die G\u00e4ste aus Deutschland und Estland.<\/p>\n<p>\u2014\u00a0Vor Beginn der Forschungsarbeiten und vor dem ersten Entwurf, der sich nahtlos in die jetzige Stadt einf\u00fcgen und diese mit der Vergangenheit verbinden sollte, vertieften wir uns in die alten Geschichtsdokumente. So entstanden drei ungef\u00e4hr angegrenzten Bereiche, deren Landschaften drei Studentengruppen unter der Leitung Professor J\u00fcrgen Wenzels bearbeiteten, so der Student Markus aus Deutschland und fahre fort: \u2014\u00a0Man sollte sagen, diejenigen, die den Standort f\u00fcr die k\u00fcnftige Stadt bestimmten, kannten sich aus; Insterburg kam in einer landschaftlich wundersch\u00f6nen Gegend zu liegen, von allem gebe es hier reichlich. Umgeben ist die Stadt von H\u00fcgeln und T\u00e4lern, Fl\u00fcssen und Seen: f\u00fcr unsere Arbeit und andesichts der Geschichte dieser Region, ist sie bestens geeignet. Vieles gaben uns dar\u00fcber hinaus die Gespr\u00e4che mit den Bewohnern, vor allem mit den Altbewohnern, die noch die Stadt mit ihren Parks und G\u00e4rten unmittelbar nach dem Kriege sahen. Dies half, ein Konzept zu erarbeiten, welches der Zeitenfolge entspricht. Ob es uns gelang, sehen Sie an unseren Entw\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Eine Sechs-Studenten-Gruppe der M\u00fcnchner und Dorpater Studenten arbeitete an einem Entwurf, der die Parkanlage Kaufmans, die Burg Insterburg, die Betriebsst\u00e4tten am Ufer, den zentralen Stadtplatz, die Bleiche und den Sportpark zu einem organischen Ganzen verbinden sollte. Die Umsetzung dieses Vorhabens versetzte die Insterburger wie ihre G\u00e4ste in die Lage, in einer Sichtfolge alle landschaftlichen Anziehungspunkte der Stadt zu erleben und zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>\u2014\u00a0Einst war der Alte Markt eines der wichtigsten Drehpunkte der Bewohnerschaft, es ist ein st\u00e4dtebauliches Denkmal. Hier war der Stadtmarkt Insterburgs, rundet Professor J\u00fcrgen Wenzel die Sitzung ab. \u2014\u00a0Meines Erachtens sollte er wenigstens ein Teil der gewesenen architektonischen Gestalt wieder erlangen: heute ist sie nichts als eine chaotische Verkehrskreuzung. Ich habe ihnen kein Fertigprojekt vorzulegen, sondern meine \u00dcberlegungen auf Transparentpapier: n\u00f6tig sei es hier z.B. den Feierplatz, wo zuweilen sich Tausende von Menschen versammeln, vom Autostrom zu trennen. Dies kann ein Gr\u00fcnstreifen aus B\u00e4umen und Str\u00e4uchern bewerkstelligen. Ferner empfehle ich, Grabungen an der Stelle der alten Lutherkirche durchzuf\u00fchren: zwischen ihren Fundamenten und in der Krypta verbirgt sich sicherlich einiges.<\/p>\n<p>Der kommissarische Leiter der Stadtverwaltung Alexander Masalow dankte den Lehrkr\u00e4ften und den Studenten f\u00fcr die geleistete Arbeit, die der Stadt helfe, attraktiver zu werden. Waren in diesem Jahr 500 Tausend Rubel dem &#8222;insterJAHRe&#8220; bereitgestellt, werden es im n\u00e4chsten Jahr bestimmt mehr sein. Dies wird es erm\u00f6glichen, die Landschaftsforschung fortzusetzen und zu erweitern.<\/p>\n<p>An die Leiterin der Stadtkulturabteilung, Swetlana Koschewnikowa, richtete sich die Frage ausl\u00e4ndischer Studenten nach den materiellen Vorteilen, die den B\u00fcrgern ihr landschaftliches Tun verspreche. Sie meinte, eine Stadt, die durch Sch\u00f6nheit und architektonische Qualit\u00e4ten so viel als m\u00f6glich Touristen anziehe, durch diese bare Gewinne bekomme. Dies habe unmittelbare Auswirkungen auf den kommunalen Haushalt: von der Zusammenarbeit der Parteien profitieren also alle.<\/p>\n<p>&#8230;So ging eine neuerliche Arbeitssaison unserer deutschen und estnischen Freunde zu Insterburg zu Ende. Wieder haben wir beste Vorarbeiten daf\u00fcr, der Stadt zu einem attraktiven Antlitz zu verhelfen. Wie bei der Sitzung hingewiesen, verlange die Umsetzung der Entw\u00fcrfe keine gro\u00dfen Gelder und auch nicht allzuviel Zeit: das Ausgearbeitete habe demnach alle Chancen, Realit\u00e4t zu werden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Wie stets, ein Kommentar des &#8222;insterJAHRes&#8220;:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Juri Schukin schreibe vom &#8222;jeden Insterburger&#8220;, der seine Stadt anhand kleinster Details wiedererkenne\u00a0\u2014 und schreibe von den Stra\u00dfenbahngleisen in einer Stadt, die nie eine Stra\u00dfenbahn kannte. Wie komme es?<\/em><\/li>\n<li><em>Keinem Entwerfer, am wenigsten einem studentischen Entwerfer wird es gelingen, in wenigen 3-4 Tagen einen gut begr\u00fcndeten Vorschlag f\u00fcr ein Ort zu machen, an dem er nie gewesen. Dasjenige, was in der Stadtb\u00fccherei gezeigt, waren Stegreife\u00a0\u2014 nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ihre endg\u00fcltige Form bekommen die M\u00fcnchner Arbeiten in ein bis zwei Monaten, dann \u00fcbernehmen die St. Petersburger den Stafettenstab. Sie sollten zeitgleich in der Stadt sein, versp\u00e4ten sich aber. Es bleibt zu hoffen, da\u00df auch die k\u00fcnftigen Semester die Arbeit an den Insterburger Landschaften fortsetzen, die ersten Anmeldungen f\u00fcr den Sommer 2012 liegen bereits vor.<\/em><\/li>\n<li><em>Das Kommen der M\u00fcnchner Nechnischen Universit\u00e4t und der Dorpater Universit\u00e4t der Lebenswissenschaften ist der Verdienst einzig und allein Professor Wenzels. Es ist es auch, der seit mehreren Jahren die Landschaft Insterburgs erforsche; seine sind auch die <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/class\/gruenerbe.html\">Arbeiten<\/a> zu der zu Unrecht vergessenen Gestalt Hugo Kaufmanns. Den Weltruhm erlangte er nie, anders als so mancher seiner Namensvetter\u00a0\u2014 und auch seine T\u00e4tigkeit als Gartenstadtdirektor falle mitnichten ins &#8222;vorvergangene Jahrhundert&#8220;, sondern ins fr\u00fche 20. Jahrhundert.<\/em><\/li>\n<li><em>Dem &#8222;insterJAHRe&#8220; gehe es mitnichten darum, Touristen in die Stadt zu locken, Frau Abteilungsleiterin Koschewnikowa! Kaufmann lehre uns etwas ganz anderes. In den schwierigen Nachkriegsjahren hat er es vermocht, mit minimalem Eingriff der Stadt ihr <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/biografiya-domov\/park-gugo-kaufmanna.html\">R\u00fcckgrat<\/a> zur\u00fcckzugeben, den Stadtpark, den seine Vorg\u00e4nger verkommen lie\u00dfen. Mehr noch, er gab den Arbeitslosen daran zu arbeiten, den ungelernten Kr\u00e4ften gab er an ihm den Beruf. Der gewordene Park geno\u00df Zuspruch von seinen Sch\u00f6pfern, den B\u00fcrgern, und auch von den G\u00e4sten der Stadt\u00a0\u2014 <strong>Sch\u00f6nheit als Selbstzweck ist uns fremd!<\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juri Schukin berichtet im Lokalblatt &#8222;Prawo snat&#8220; (\u211653-2011) von den Zwischenergebnissen des Landschaftsseminars: Dem Kaleidoskop gleich kreisen am Bildschirm die bunten Dias: jeder Insterburger erkennt in ihnen seine Heimatstadt. Die einen zeigen die herausragenden Bauten der Vorkriegsstadt, von denen ein Teil uns noch heute erfreue, die Gassen durch die sich einst die gl\u00e4nzend blanken Stra\u00dfenbahngleise [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[339,340],"tags":[],"project-category":[401],"class_list":["post-2488","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-klasse","category-news","project-category-lw"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2488"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2488\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23156,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2488\/revisions\/23156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2488"},{"taxonomy":"project-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project-category?post=2488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}