{"id":25488,"date":"2017-03-06T14:51:00","date_gmt":"2017-03-06T12:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/new.instergod.ru\/?p=25488"},"modified":"2025-07-23T15:26:05","modified_gmt":"2025-07-23T13:26:05","slug":"eine-insel-der-hoffnung-fuer-zweier-laender-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/eine-insel-der-hoffnung-fuer-zweier-laender-kultur\/","title":{"rendered":"Eine Insel der Hoffnung f\u00fcr zweier L\u00e4nder Kultur"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf <a href=\"http:\/\/archi.ru\/russia\/72633\/anklav-mezh-rossiiskim-i-germanskim-materikami-opora-dlya-stroitelnykh-kultur-obeikh-stran\">Archi.ru<\/a> ist eine bebilderte Erl\u00e4uterung des Patenschafts-Aufrufes erschienen. Da der Text dort nur auf Russisch, hier eine deutsche Entsprechung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Kamswyker Kreis e.V. bittet in die \u00ab2. Ostpreu\u00dfische Patenschaft\u00bb&nbsp;\u2014 zum Schutz und Pflege des Bauerbes sowie zur baulichen, bauk\u00fcnstlerischen und \u00fcberhaupt kulturellen Weiterentwicklung daran.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Technisch-Rationale voranstellend, verlernte die Moderne das Bauen der Heimat(h\u00e4user), in Deutschland und in der Welt. Das Wohnen begriff man auch \u00fcber die Maschine und wurde im Maschinellen recht gut \u2013 dass es nicht reicht, bewiesen wir unfreiwillig auf der letzten Venedig-Biennale. &#8222;Making Heimat&#8220; f\u00fcr die vielen Fl\u00fcchtlinge stellten die Unis, die Experten, die Verb\u00e4nde aus, sodass die Welt nur so staunte&nbsp;\u2014 den Willen erkennend, die Typung, das Technische eben, doch nie das eigentliche titelgebende Ziel Heimatbau. Als ob dem wortreichen Beitext das rechte Wort fehlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00e4re dieses Wort in Stein \u00fcberhaupt? Es schweigt der Macher und der Kritiker auch. War es den Gr\u00fcnderv\u00e4tern derselben Moderne nicht irgendwie m\u00f6glich, das Heimische mit dem Weltlichen, das Technische mit dem Sinnlichen zu vereinen, sie aneinander anzureichern? Sind nicht Finnland und Niederlande auch heute noch daf\u00fcr ein Beispiel? &#8230; Bei uns aber schieden sie sich. W\u00fcsste man blo\u00df, wo und woran!<\/p>\n\n\n\n<p>Man wei\u00df es. Die verh\u00e4ngnisvolle Gabelung ist nicht einmal weit, des Wissens Quell nicht versiegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_501\/239006.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Stablacken Kreis Insterburg \u00a9 Miko\u0142aj Troniewski\u200e<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Kenntnis und in Anpassung der Tradition, aus knappsten (Geld)Mitteln und selbst aus Mangel an gelernter Hand kann der modernen Heimat getreues Ebenbild entstehen, so gut, dass es ins Land gekommenen Fremden auch zur Heimat wird&nbsp;\u2014 der Beleg ist schon erbracht. Wir sprechen von Ostpreu\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land, im Ersten Weltkriege verw\u00fcstet, bauten alle deutschen Lande auf. Sp\u00fcrten gr\u00fcndlich vergessenes Wahres auf, \u00fcbersahen auch die Gr\u00fcnderzeit-Verwirrungen nicht, gaben neuestes Wissen dazu&nbsp;\u2014 Fantasien Scharouns und die Normalen Neuferts bl\u00fchten auf diesem Boden auf, kriegsgefangene Russen oder Franzosen arbeiten daran mit den Deutschen Seite an Seite in den neuartigen Handwerker-Genossenschaften. Mit Rat und Tat und manchem Zuschu\u00df standen ihnen zahllose Paten zur Hilfe. Einzig in diesem Verbund wurde Ostpreu\u00dfen, Deutschlands Vorkriegs-Schlusslicht, zum musterhaft modernen, traditions- und mutterlandverbundenen Freistaat. Dem \u201e<a href=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/die-beiden-wiederaufbauten-tub-de-web.pdf\">Geburtsort des neuen Deutschlands<\/a>\u201c und seiner vielen Architektursprachen. Waren denn nicht auch im ber\u00fchmten &#8222;Ring&#8220;-Bund moderner Architekten Mies van der Rohe genauso Mitglied wie Haering, Behrens und Tessonow?<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen k\u00f6nnen wir davon in den B\u00fcchern&nbsp;\u2014 besuchen, in der nordostpreu\u00dfischen russischen Provinz Kaliningrad.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_1184\/239008.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bauten Heinz Stoffregens in Gerdauen, aus &#8222;Der Baumeister&#8220;, Ausgabe August 1926<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_678\/239010.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_291\/239071.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Entw\u00fcrfe f\u00fcr Domnau von Paul Klein, aus &#8222;Deutsche Bauh\u00fctte&#8220;, Ausgabe 19-20 1916<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_414\/239011.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Markt in Allenburg, Entwurf von Max Sch\u00f6nwald, aus &#8222;Deutsche Bauh\u00fctte&#8220;, Ausgabe 35-36 1916<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_458\/239072.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_602\/239073.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dorfhaus mit Laden um Soldau, Entwurf von Richard Claa\u00dfen, aus &#8222;Deutsche Bauh\u00fctte&#8220;, Ausgabe 23-24 1918<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_501\/239007.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Plonsz\u00f6wen Kreis Pillkallen \u00a9 Miko\u0142aj Troniewski\u200e<\/p>\n\n\n\n<p>Auch heutzutage findet man Kinder aller Landen dort, russischer Landen vor allem, doch die bauliche Lage bessert diese Tatsache kaum. Bauen tut man, doch wie? Neue Gr\u00fcnderzeit ist wie die vorige nur aufs schnelle Geld hinaus, \u00f6ffentliche Kassen sind klamm wie zu allen Zeiten, und die Polonaise tritt sich selbst dauernd auf die F\u00fc\u00dfe: Ganz neu? Altneu? Neualt soll das Bauen hier sein? Sich aufs Erbe berufen, seinen Wert erkennen tuen inzwischen viele&nbsp;\u2014 doch wie reparieren, wie sich anschlie\u00dfen? Reicht eine Formkopie? Ein Kontrapunkt? Hilft Mittel X? Ruft man wom\u00f6glich irgendwelche b\u00f6se Geister hervor?<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Fachleuten aus den Hauptst\u00e4dten hat die Provinz selten Zutritt und von sich aus begeben sie sich selten dahin. Paten? Fehlanzeige&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_501\/239070.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Spandienen bei K\u00f6nigsberg \u00a9 Miko\u0142aj Troniewski\u200e<\/p>\n\n\n\n<p>Fehlanzeige muss nicht sein&nbsp;\u2014 Fortsetzung des letzten Erfolges hingegen schon. Wir schulden sie uns allen. Wie regelm\u00e4\u00dfig und trocken wurde ohne sie die deutsche Architektur! Wie himmelst\u00fcrmend-kippelig die russische! Gerade Ostpreu\u00dfens Bauerbe kann sie zueinander bringen, die zur Schablone verkommenen oder verk\u00fcmmerten Wege den Bauenden neu aufschlie\u00dfen, uns alle \u00fcber uns selbst weiter wachsen helfen&nbsp;\u2014 vielleicht sogar \u00fcber die Provinggrenzen und Anrainer hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorausgesetzt, dieses Erbe zerf\u00e4llt nicht davor schon vor Alter zu Staub&nbsp;\u2014 oder wird nicht vor \u00dcbereifer zum in Stahlbeton gegossenen Witz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_501\/239004.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Woynothen Kreis Insterburg \u00a9 Miko\u0142aj Troniewski\u200e<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere 2. Patenschaft sucht, einen jeden am Schutz des Geschichtserbes zu beteiligen, zwangsl\u00e4ufig und zwangsfrei. Jeder ist als Pate und Patenkind willkommen: ob K\u00f6nigsberger oder Kaliningrader, ob Architekt oder Bewohner. Jeder hat an Wissen oder Besitz, was jemand anderes erg\u00e4nzen kann oder womit er dem anderen die L\u00fccke schlie\u00dft. Auch die geringste Beteiligung z\u00e4hlt, von der einfachen Stimmen-Erhebung f\u00fcr die Idee der Wertigkeit des Gewesenen angefangen, von ihm als der Wachstumsquelle&nbsp;\u2014 auf dass im Fall des Falles ein mehrstimmiger Chor die Aussage best\u00e4tigt. Es kann aber auch ein Experten-Ratschlag sein zu einem bestimmten Bau oder einer ganzen Gattung, bis hin zur Frage-und-Antwort-Stunde, zum Fachbeitrag oder -auftrag. Schulklassen sind willkommen und eigene Ideen erst recht! Und sollte wer f\u00f6rdern wollen, wird auch dies gewiss nicht ausgeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht belehren&nbsp;\u2014 aufbl\u00fchen lassen, Eigensinn mit Gemeinwohl kreuzen, Bekanntes mit Nie-da-gewesenem: unter dem Titel &#8222;Revalorisierung&#8220; haben sich solche Konzepte in den letzten Jahren bereits bew\u00e4hrt. Umso erstaunlicher, dass die Zahl der neuen Paten bei sehr \u00fcberschaubar bleibt; zwar sind bekannte Namen darunter wie Volkwin Marg oder Florian Mausbach&nbsp;\u2014 doch ein Hans Stimmann etwa lehnte ab, &#8222;politische Implikationen&#8220; bef\u00fcrchtend. Ausreden auch bei den \u00c4mtern und Verb\u00e4nden; am Ende blieb uns deutscherseits nur noch der Werkbund, bei der ersten Patenschaft wesentlich am Erfolg mit beteiligt, nun sich noch Zeit zum \u00dcberlegen nehmend&nbsp;\u2014 doch wie erkl\u00e4ren, dass auch die Aktiven vor Ort so verhalten sind? Als ob sie nicht die ersten Nutznie\u00dfer w\u00e4ren, wenn die Patenschaft einmal kommt? Als ob sie jetzt nicht die ersten sind, die Unterst\u00fctzung einklagen, wenn wieder einmal irgendwo historische Stra\u00dfenpflasterung, Ruine oder Gr\u00fcnzug zugrunde gerichtet werden, wenn meterstarke Mauern unter sinnloser Watte zu verschimmeln drohen? Paten k\u00f6nnten hier und in hunderten anderen F\u00e4llen unterst\u00fctzend, aufkl\u00e4rend und verbindend eingreifen, f\u00fcr diese und jene, im Endeffekt&nbsp;\u2014 f\u00fcr Sie!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/pate.instergod.ru\/\">Pate werden<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_433\/239074.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_476\/239075.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ostpreu\u00dfische Wiederaufbaustadt von Heinz Spitzner, aus &#8222;Deutsche Bauh\u00fctte&#8220;, Ausgabe 19-20 1915<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_530\/239012.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ostpreu\u00dfische Wiederaufbaustadt von Heinz Spitzner, aus &#8222;Deutsche Bauh\u00fctte&#8220;, Sonderausgabe 1916<\/p>\n\n\n\n<p>Man sagt, es gab an der Ostsee einmal die Stadt Vineta: nirgends war ein Feinschmied feiner, ein Uhrmacher pr\u00e4ziser, ein Sternkundler weiser; aller Herren L\u00e4nder Waren f\u00fcllten ihre Kaufmannsh\u00e4user. Doch herrisch wurden sie \u00fcber alle Ma\u00dfen \u2013 und liegen nun auf dem Meeresgrund gest\u00fcrzt, samt Reichtum und allem Wissen. Nur einmal in hundert Jahren schwimmt Vineta im Dunklen der Nacht auf, hofft, es kommt auch nur ein Kunde vorbei. Kommt gibt auch nur den kleinsten Groschen f\u00fcr den dereinst eitlen Millionenwert \u2013 schon wird die Stadt vom neuerlichen Untertauchen erl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wildgansflieger Nils Holgersson liess aber seinen Groschen im Mondpfad fallen&nbsp;\u2014 auf dass dieses Vineta nun die Gestalt der Provinz Kaliningrad annahm. Ewig wird sie nicht auf uns warten k\u00f6nnen, von Jahr zu Jahr geringer ist ihr Bestand an Schinkel, Ziegelwelle oder Alleebaum. Lassen wir sie uns erneut durch die Finger gleiten, wird dieses Vineta in 100 Jahren kaum noch etwas zum wiederauftauchen haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.archi.ru\/i\/752_1128\/239000.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ausschlachten der Kasernen des 8. ostpreu\u00dfischen Infanterieregiments No.45, Insterburg Kasernenstr. \u00a9 Miko\u0142aj Troniewski\u200e<\/p>\n\n\n\n<p>Um Weihnachten 2016 war wieder ein Bauwerk daran, durch irrige Reparatur fast vernichtet zu werden&nbsp;\u2014 ein Erstlingswerk von niemand anderes als Hans Scharoun, dem Berliner Philharmoniebaumeister: die Bunte Reihe Insterburgs. Russisches Denkmal von landesweiter Bedeutung, EuropaNostras meistgef\u00e4hrdete St\u00e4tte des europ\u00e4ischen Kulturerbes, ein Sorgenkind von Kamswyker Kreis. Diese ungl\u00fcckliche Bauerei konnte noch gestoppt werden&nbsp;\u2014 doch wieviele Bauten in der Provinz haben keinen solchen Namen und keinen Titel zum Schutz?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Archi.ru ist eine bebilderte Erl\u00e4uterung des Patenschafts-Aufrufes erschienen. Da der Text dort nur auf Russisch, hier eine deutsche Entsprechung. Kamswyker Kreis e.V. bittet in die \u00ab2. Ostpreu\u00dfische Patenschaft\u00bb&nbsp;\u2014 zum Schutz und Pflege des Bauerbes sowie zur baulichen, bauk\u00fcnstlerischen und \u00fcberhaupt kulturellen Weiterentwicklung daran. 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