{"id":26762,"date":"2016-06-26T08:50:00","date_gmt":"2016-06-26T06:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/new.instergod.ru\/?p=26762"},"modified":"2025-08-20T12:05:30","modified_gmt":"2025-08-20T10:05:30","slug":"vom-nutzen-preussischer-zoepfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/vom-nutzen-preussischer-zoepfe\/","title":{"rendered":"&#8222;Vom Nutzen preu\u00dfischer Z\u00f6pfe&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Beitrag f\u00fcr die Themennummer der \u201eBauwelt\u201c, &#8222;<a href=\"https:\/\/www.bauwelt.de\/25.2016-Scharouns-Bauten-pflegen-2514350.html\">Scharouns Bauten pflegen<\/a>&#8222;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Fr\u00fchwerk Scharouns ist im russischen Teil des einstigen Ostpreu\u00dfens, in Tschernjachowsk, dem fr\u00fcheren Insterburg,erhalten. Der F\u00f6rderverein Kamswyker Kreis bem\u00fcht sich seit Jahren um die Bewahrung des Erbes&nbsp;\u2014 und hat sich neu aufgestellt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"396\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/br-16-17-axial-02-mit-schrift-und-zwei-vitrinen-1024x396.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26768\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/br-16-17-axial-02-mit-schrift-und-zwei-vitrinen-1024x396.jpg 1024w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/br-16-17-axial-02-mit-schrift-und-zwei-vitrinen-300x116.jpg 300w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/br-16-17-axial-02-mit-schrift-und-zwei-vitrinen-768x297.jpg 768w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/br-16-17-axial-02-mit-schrift-und-zwei-vitrinen-1536x594.jpg 1536w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/br-16-17-axial-02-mit-schrift-und-zwei-vitrinen-2048x792.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Student, \u201esch\u00f6nste Hoffnungen\u201c weckend, verschwindet aus Berlin. Meldet sich zeichnerisch, postalisch: nach Jugendstil-B\u00f6gen strahlen zackige Farbsalven auf und ab, dann zieht unorthodox Waagerechtes ein&nbsp;\u2014 schon sehen wir ihn als Professor in Breslau, mit Bauten der \u201eHeldenmoderne\u201c, mit Vortr\u00e4gen zur \u201eWesensform\u201c. So oder so \u00e4hnlich apostrophiert die g\u00e4ngige Forschung den Werdegang eines Hans Scharoun, seit 1915 im Krieg, 1925 berufen. Doch wie und woran wuchs er?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Student, der dies 1995 wissen wollte, anfangs noch auf der Suche nach einem Rezept zum Nachmachen, reist 2004 nach Breslau, voll Buchwissen-Fragen zur dortigen Akademie, dem Ledigenheim und dem Dienst eines \u201eFarb-Dezernenten\u201c, wie Scharoun einer da war (Scharoun&nbsp;\u2014 kein Unterrichtsthema im Hause, was er erbaut). Doch war Breslau kein Ort, um sich zu entfalten: an \u201emenschliche(m) Freimut &#8230; mangelt es (hier) noch sehr.\u201c Also auf zur seiner vorigen Station&nbsp;\u2014 nach Insterburg in Ostpreu\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einst war ein D-Zug 12 Stunden von Berlin-Stadtbahn hierhin unterwegs, 2004 half nur mehrfaches Umsteigen, im Fu\u00dfballjahr 2018 soll die Verbindung wiederaufleben&nbsp;\u2014 daf\u00fcr ist der Bahnsteig jetzt noch immer im fast seinerzeitigen Zustand und auf dem B\u00fcrgersteig-Granit hallt noch der Schritt des Landwehrmanns von 1915. In einer Stadt mit dem h\u00f6chsten Altbaubestand Nordostpreu\u00dfens gebe es sogar Scharouns erste Wohnadresse noch, Schlentherstra\u00dfe 5&nbsp;\u2014 jetzt Karl-Marx-Stra\u00dfe 8&nbsp;\u2014 und am Stadtrand, Gagarinstra\u00dfe Ecke Elevatorenstra\u00dfe steht mit der Siedlung Kamswykus, auch \u201eBunte Reihe\u201c genannt, sein erstes eigenes Werk.<\/p>\n\n\n\n<p>Man stelle es sich vor: ganz aus heiterem Himmel steht man vor einem weitestgehend unbekannten Werk seines Lieblingsarchitekten. Keine zweite Philharmonie: 16 Reihenh\u00e4user, zwei Etagenvillen und zwei gr\u00f6\u00dfere Stadth\u00e4user, dazu Gem\u00fcseg\u00e4rten mit Halbschuppen&nbsp;\u2014 aber immerhin das weltzweite Beispiel des \u201cBunten Bauens\u201d, der \u201eGl\u00e4sernen Kette\u201c, die man bei ihm f\u00fcr bautenfrei hielt. Kein ungest\u00fcmes Formenspiel&nbsp;\u2014 aber in Ausnutzung des Sonnenstands, der Bautradition, des kleinen Bugets ein Gro\u00dfer. Der sich nicht einmal versteckt: das Wissen ob der ostpreu\u00dfischen Bauten war nie geheim, nur nie akademisch erfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast unver\u00e4ndert standen sie 2004, von der Keller-Tonr\u00f6hre bis zum Stromdraht unter den Dachziegeln. Nur eines der Stadth\u00e4user war dahin und bis auf eines alle Schuppen. 19 Bauten, nie saniert; kein Bauplan, kein Aufma\u00df, Archive entleert, Bauvorgeschichte unbekannt. Ihnen gegen\u00fcber Dimitri Suchin, der als einziger von Scharoun hier \u00fcberhaupt etwas erz\u00e4hlen k\u00f6nnte. Retten? Keine Frage, m\u00fcsste sein, doch wie? Mit eigener Hand abmessen, abbilden, abdrucken im Wettlauf gegen Verfall und Baum\u00e4rkte? Da reichen auch zwei H\u00e4nde nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"895\" height=\"634\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-56.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26770\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-56.jpg 895w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-56-300x213.jpg 300w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-56-768x544.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 895px) 100vw, 895px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>1915 kam Scharoun in die kriegsplatte Landprovinz: 60.000 Bauten waren hier teilzerst\u00f6rt, 41.400 als \u201eVollsch\u00e4den\u201c irreparabel. Es galt, sie besser und wahrer aufzurichten als das alte Ostpreu\u00dfen es war, der einst hier heimischen Baukultur treu und zweifelsohne modern: eine Frucht der K\u00f6lner Werkbundschau. Hermann Muthesius und Landeskonservator Richard Dethleffsen (ab 1916 Vorstand der neugegr\u00fcndeten ostpreu\u00dfischen BDA und DWB) wiesen den \u00fcber 500 meist jungen \u201eBauanw\u00e4lten\u201c den Weg, Friedrich Paul Fischer im Hauptbauberatungsamt bestellte ihre Vorsteher, 24 Bezirksarchitekten. Sie planten und halfen, fach- und provinz\u00fcbergreifend (\u201eOstpreu\u00dfenhilfe\u201c); verteidigten ihre Funde und Ideen vor sich selbst (\u201eBausch\u00f6ffen\u201c) und Kassen (\u201eSparsamkeitserlass\u201c); f\u00fchrten Normfenster, Mobiliar und Bebauungsdichten ein; gr\u00fcndeten Handwerksgenossenschaften, Hilfswerkst\u00e4tten, Bibliotheken, Modellkammern und Kunstvereine; nahmen die B\u00fcrger mit und brachten sie weiter&nbsp;\u2014 sie bauten Heimat, weit mehr als blo\u00dfe 42.368 Wohn- und Wirtschaftsbauten, die bis Ende 1918 da standen. Muthesius sprach gar vom \u201eneuen Deutschland\u201c, gel\u00e4utet und frei, was von diesen St\u00e4dten und H\u00f6fen ausgehe. Spuren dieses Jahrzehnts finden sich in Scharouns Bauten bis hin zum Lebensende.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder und wieder in der Provinz, mu\u00dfte man feststellen: kein anderes der 32 scharoun\u00b4schen Werke blieb bestehen. Von manchen gab es nicht einmal Fundamente, selbst unter der Erde hob man die alten Steine: nebst Bernstein sind Ziegel Ostpreu\u00dfens einziger Bodenschatz! So reich, kr\u00e4nkt die Provinz allerdings an der Unm\u00f6glichkeit, Bauten zu unterhalten (den Bernstein nehmen die Polen und die Chinesen en bloc). Zuweilen regnet es 50 Jahre durchs Dach\u00a0\u2014 denn Dachziegel gibt es nur vom Abbruch, der \u201eOstpreu\u00dfischen Welle\u201c und \u201eOstpreu\u00dfischen Doppeldachs\u201c kundige Dachdecker sind nirgends aufzutreiben&#8230; Auch die allgegenw\u00e4rtigen Ziegeldecken oder der Ordensverband wuchsen den Maurern zu R\u00e4tseln, Gipser sind selten, Kopfsteinpflasterung wei\u00df nur eine einzige Firma auszuf\u00fchren\u00a0\u2014 provinzweit! Das aufkommende Interesse an ortspassender Bauweise stillt man mit Schaumstoff-Gefachen auf Beton und resigniert: \u201can echt ostpreu\u00dfische Qualit\u00e4t reichen wir eh nicht heran.\u201d Hier begann die Geschichte des \u201eKamswyker Kreises\u201c, gemeinn\u00fctziger Verein zu Berlin und B\u00fcrgerinitiative zu Insterburg, und des \u201einsterJAHRes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Restauratoren einfliegen, auch Planer, geht f\u00fcr einzelne herausragende Bauten, f\u00fcr K\u00f6nigsberger Stadttore etwa, auf dass das Kulturetat gesprengt werde&nbsp;\u2014 doch die Zahlen gehen in die Tausende! F\u00fcr den gemeinen Bauherren, so sehr er auch an seinem Altbau h\u00e4ngt, ist dies nicht machbar in einer Provinz, die vom Wohlstand nicht gerade gezeichnet ist. Au\u00dfer man schafft aus dem Problem gleich die L\u00f6sung, sich am altpreu\u00dfischen Zopfe aus dem Sumpfe ziehend (Baron Munchausen l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen, auch er war im russischen Dienst); Bautenrettung kann ein Gegenteil der Geldschleuder sein! \u201cScharoun retten, auf dass die Allgemeinheit davon gewinnt!\u201d Und wie es scheint, weisen just seine Spuren uns den Weg: Jene Qualit\u00e4tsmarken, ob von ihm, Frick, Kruchen, Stoffregen, Hoepcken oder vielen anderer mehr bis 1918 gesetzt, f\u00fchrten Russen aus! Kriegsgefangen, unfreiwillig, davor niemals bauerfahren \u2013 aber immerhin. Danach ging man auseinander, das 20. Jahrhundert im Blutrausch zu verplempern. <strong>In Russland will seitdem kein Haus gerade stehen, in Deutschland hat man das Heimatbauen wieder verlernt. Weil die einen wie die anderen Ostpreu\u00dfen verga\u00dfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"26772\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-001461-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26772\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-001461-768x1024.jpg 768w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-001461-225x300.jpg 225w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-001461.jpg 808w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"734\" height=\"979\" data-id=\"26774\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-002101.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26774\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-002101.jpg 734w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-002101-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"790\" height=\"914\" data-id=\"26776\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00663.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26776\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00663.jpg 790w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00663-259x300.jpg 259w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00663-768x889.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>So riefen wir 2010 erstmalig ein insterJAHR aus, als Verbund und Koordinator verschiedener B\u00fcrgerinitiativen im Felde der Architektur, des Theaters, der Heimatkunde usw.: \u201eDas Bauerbe von Insterburg ist die Entwicklungsquelle von Tschernjachowsk\u201c. Luden Bewohner wie Fachleute und Studenten ein zum neuen Wiederaufbau&nbsp;\u2014 Kulturbesitz wird durchs Teilen nur vermehrt! Konferierten zu Berlin, Amsterdam, Moskau und Insterburg \u00fcber Konstruktionen und Wege ihrer behutsamen Erneuerung, fanden bei den Gesetzen gr\u00f6\u00dfte \u00dcbereinstimmungen, bis hin zu den Klauseln \u00fcber Denkmalpflegepl\u00e4ne. Erreichten es, da\u00df die Bunte Reihe unter vorl\u00e4ufigen Denkmalschutz gestellt wurde. Halfen, die Eigent\u00fcmergenossenschaft \u201eBunte Reihe\u201c zu gr\u00fcnden als k\u00fcnftige Bauherrschaft; sammelten ihre Bewohnersorgen und -geschichten, f\u00fcrs Museum und f\u00fcr die Entw\u00fcrfe. Verma\u00dfen Geb\u00e4ude und Parks; erforschten die Gew\u00e4sser. Entwarfen, in Gruppen und aus unterschiedlichen Perspektiven, wie man Geb\u00e4ude und Anlagen angehen k\u00f6nnte&nbsp;\u2014 bis hin zu Meisterarbeiten (TU M\u00fcnchen, BTU Minsk, GASU Kasan) und dem russlandweit ersten SESAM-Treffen. Stellten aus und er\u00f6rterten, zu Insterburg, Moskau, K\u00f6nigsberg und Kasan. Bereiteten die Lehrwerkst\u00e4tten vor, wie es sie 1916 schon gab. Darin, das ortstypische aber altvergessene Handwerk vermittelt, sollte die probeweise Umsetzung jener Entw\u00fcrfe an einem der Siedlungsh\u00e4user starten, den neuen Lehrlingen und Studenten die Basis f\u00fcr wiederum ihre Studien und Vergleiche an den Typenh\u00e4usern nebenan. Und wandert diese Musterbaustelle einmal nach der n\u00e4chsten Stra\u00dfe der in die Nachbarstadt, ruht die Bunte Reihe trotzdem nicht: eine Dauer-Bauausstellung sollte sie werden mit Vortr\u00e4gen und Schulungen, mit Nachbarschaftstreff und Genossenschaftsb\u00fcro, mit K\u00fcnstlerresidenz usw.&nbsp;\u2014 ein \u201eOffenes Zimmer\u201c eben. So k\u00f6nnte in der Inselprovinz eine Entwicklung beginnen, von Gro\u00dfpolitik in fernen Hauptst\u00e4dten unabh\u00e4ngig. Begann aber nicht, strandete 2012 am Tourismus: Nordostpreu\u00dfens s\u00fc\u00dfer Traum sind die Busladungen voll Naturliebhabern, Philosophen und Fu\u00dfballfans, die vom EM-Stadion die Kurische Nehrung ansteuern und das rund 150 km entfernte Insterburg, der Burgruinen wegen und des Kants Vorratskellers in Judtschen. Gesichtet wurden sie zwar noch nie, aber rein statistisch muss es sie doch irgendwo geben?! Oder, um es mit den W\u00f6rtern Moskauer \u201eProgressoren\u201c zu sagen: \u201eDr\u00f6ge und tr\u00e4ge sei die Bauerei, feiern wir stattdessen ein Karneval!\u201c Dann k\u00e4men die G\u00e4ste, mit ihnen die Gelder&nbsp;\u2014 \u201eund seien den Deutschen jene Schinkel-Scharouns denn wirklich so teuer, bringen sie sich auch ohne uns daf\u00fcr ein.\u201c Die Sommerklassen abbrechend, tanzte und trommelte man ausgiebig&nbsp;\u2014 auf leeren Stra\u00dfen. Die Zusagen, Entworfenes aus Gouverneurs-Sonderfornds anzuschieben, gingen verloren. Auch des Schinkels einzigartige Insterburger Strafanstalt verloren wir in jenem Jahr, auch wegen des Schweigens der Berliner und anderweitiger Schinkelfreunde. Wir mussten uns neu sammeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"897\" data-id=\"26780\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00486-1024x897.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26780\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00486-1024x897.jpg 1024w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00486-300x263.jpg 300w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00486-768x673.jpg 768w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00486.jpg 1026w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"612\" height=\"816\" data-id=\"26778\" src=\"http:\/\/new.instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00510.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26778\" srcset=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00510.jpg 612w, https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/bunte-reihe-aufmass-00510-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Kommt man 2016 in die Elevatorenstra\u00dfe, sieht sie fast wie 2004 aus, nur dass das Fensterholz dem PVC wich: Hoffnungsscherben liegen selten sichtbar auf der Stra\u00dfe. Sommerklassen gibt es keine mehr und auch keine Touristenscharen, nicht einmal die Moskauer sind da, um den Platz f\u00fcr sich zu reklamieren. Meister- und Professoren, aus dem Verbund ausgeschert, kamen mit ihren Arbeiten genauso wenig durch wie verstohlene Nachfolgerin unserer Anfangs-Konferenz. F\u00fcr das Ausbleiben der Denkmal-Lehrwerkstatt wurde sogar die LDA-Leiterin abgesetzt, das G\u00f6rlitzer Zentrum, was uns die Lehrinhalte gab, wickelt man ab, und nur die Liste vermeidbarer Verluste steigt und steigt und steigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kamswyker Kreis fing wieder von klein an. Die Stadt hielt uns die Stange. Seit 2014 steht die Siedlung auf der \u201e7 most endangered\u201c-Liste von EuropaNostra; man h\u00f6rt, sie k\u00f6nne gar ein \u201eBundesdenkmal\u201c werden \u2013 wir arbeiten daran. Bei den Anh\u00f6rungen mit EIB-Experten wurde unser Rettungs- und Arbeitskonzept aus dem \u201einsterJAHR\u201c im Gro\u00dfen wie im Kleinen hoch gelobt, insbesondere der Nachhaltigkeit und geringen Kosten wegen. Neue Kooperationen gibt es, z.B. mit der Moskauer Architekturschule MARCH, auch neue Diplomarbeiten und immer wieder Nachfragen ob der Sommerklassen. Neue Projekte keimen: \u201eMenschen machen die Stadt\u201c, die einfachen stadtpr\u00e4genden Menschen aus allen Stadtepochen ehrend, oder die \u201e2. Patenschaft\u201c f\u00fcr die geschundene und doch so aufschlu\u00dfreiche Provinz. Die landesweit erste Scharoun-Ausstellung bereiste inzwischen Moskau, K\u00f6nigsberg, Minsk und St. Petersburg, weitere St\u00e4dte folgen. Ehemalige \u201einsterJAHR\u201c-Studenten erstellen einen Entwurf f\u00fcr das \u201eOffene Zimmer\u201c&nbsp;\u2014 wird gerade mit den Bewohnern erl\u00e4utert. Doch sind Touristen uns auch heute noch kein erstes Ziel. Unser sind Planer, Bewohner und ihre H\u00e4user, die einmalige Gelegenheit, uns an ihnen zu schulen. Denn \u201et\u00fcchtige B\u00fcrger machen erst einen t\u00fcchtigen Staat, nicht umgekehrt\u201c&nbsp;\u2014 so steht es zu Insterburg auf dem Sockel des einstigen Schulze-Delitzsch-Denkmals. Und nebenan: \u201eWas Du nicht alleine vermagst, dazu verbinde Dich mit Anderen, die das Gleiche wollen.\u201c 2021 wird die Siedlung 100, da m\u00fcssen wir was vorzuzeigen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag f\u00fcr die Themennummer der \u201eBauwelt\u201c, &#8222;Scharouns Bauten pflegen&#8222; Ein Fr\u00fchwerk Scharouns ist im russischen Teil des einstigen Ostpreu\u00dfens, in Tschernjachowsk, dem fr\u00fcheren Insterburg,erhalten. Der F\u00f6rderverein Kamswyker Kreis bem\u00fcht sich seit Jahren um die Bewahrung des Erbes&nbsp;\u2014 und hat sich neu aufgestellt. Ein Student, \u201esch\u00f6nste Hoffnungen\u201c weckend, verschwindet aus Berlin. Meldet sich zeichnerisch, postalisch: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":26763,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[341,349],"tags":[281,295,282,315,296,302,308,317,303,287,294,336,309,279],"project-category":[438,376,401,398,413,412],"class_list":["post-26762","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","category-konzept","tag-architektur","tag-show","tag-berlin-de","tag-goerlitz-de","tag-kasan","tag-koenigsberg","tag-minsk-de","tag-moskau","tag-muenchen-de","tag-park-de","tag-scharoun-de","tag-schinkel","tag-petersburg","tag-studenten","project-category-pate","project-category-reihe","project-category-lw","project-category-mms","project-category-zimmer","project-category-anstalt"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26762"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26762\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26792,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26762\/revisions\/26792"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26763"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26762"},{"taxonomy":"project-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instergod.ru\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project-category?post=26762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}