{"id":306,"date":"2010-02-13T18:26:56","date_gmt":"2010-02-13T16:26:56","guid":{"rendered":"http:\/\/de.instergod.ru\/?p=306"},"modified":"2025-03-25T07:32:15","modified_gmt":"2025-03-25T05:32:15","slug":"poisk-novoy-russkoy-prussii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/poisk-novoy-russkoy-prussii\/","title":{"rendered":"Zur Findung des neuen Stils, des eigenen Selbst des n\u00f6rdlichen Ostpreu\u00dfens"},"content":{"rendered":"<p>Die Chroniken Ostpreu\u00dfens sind reich an Neuanf\u00e4ngen und herben Einschl\u00e4gen: vielfach besiedelt und vielversprechend aufgebaut, war die Gegend genauso oft verw\u00fcstet worden, doch stets haben neue Wurzeln und Triebe aus dem alten Stamm geschlagen. Bis zuletzt zeigt das Gebiet einen deutlichen Einfluss des deutschen St\u00e4dtebaus des 14. Jahrhunderts: vom Deutschen Orden ins Land gebracht, von den Herz\u00f6gen und K\u00f6nigen neu aufgefa\u00dft, zuletzt in der Interpretation eines Camillo Sitte oder Hermann Muthesius, sowie vieler sp\u00e4terhin bekannter deutscher Architekten des 20. Jahrhunderts. Neues aus Altem zu entwickeln kann wohl als\u00a0<em>modus operandi<\/em>ostpreu\u00dfischen Bauens angesehen werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In ihre Nachfolgerschaft h\u00e4tte die Sowjetunion treten k\u00f6nnen, die im nahen Minsk ihre St\u00e4dtebau-Triumphe feierte, doch blieb sie hier sehr halbherzig: vieles wurde abgerissen, aber doch nicht alles; etliches wurde erbaut, aber nicht so, dass es zu einer neuen Eigenart des Gebietes wurde. Dazu kam noch, dass die Geschichte vor 1945 schlichtweg ausgeblendet oder nur mit tiefschwarzer Farbe gemalt wurde. Dies ist gl\u00fccklicherweise nun vor\u00fcber und diese Periode\u00a0\u2014 mit ihren Eigenarten\u00a0\u2014 auch schon wieder Geschichte.<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte, mit wertvollen Baudenkm\u00e4lern der Ordenszeit oder auch der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts \u00a0ausgestattet (zuweilen in einer F\u00fclle und Originalit\u00e4t, die in Deutschland bereits verloren ging), mit neuesten Generalbebauungspl\u00e4nen versehen und von interessierten B\u00fcrgern bewohnt, wissen nicht, wie man Vergangenes und Neues miteinander verkn\u00fcpfe. Das st\u00e4dtische Gewebe ist vielfach derma\u00dfen aufgerissen, da\u00df man daraus unm\u00f6glich einen neuen Ma\u00dfanzug schneidern konnte.<\/p>\n<p>Dazu bedarf es allerdings vieler Kenntnisse: der Ma\u00dfe, des Tuches, des Anlasses und dergleichen mehr.<\/p>\n<p>Leicht w\u00e4re es, Utopien zu ertr\u00e4umen, doch die Provinz bed\u00fcrfe Handfestes. Weltfremde Postulate, arch\u00e4ologische Kernforschungen und Versuche, anhand einiger \u00e4sthetisierter Zufallsfunde einen Heimatstil herauszudestillieren \u2013 sie alle k\u00f6nnen nur zu schnell erlahmende Fesseln werden. Erfolgversprechend ist hingegen eine Gestaltfindung, die auf Verstand, Befund und tats\u00e4chlichen Fertigkeiten der Menschen vor Ort basiere.<\/p>\n<p>Um diesen Erkenntnisproze\u00df voranzutreiben, plane die Stadt Insterburg-Tschernjachowsk f\u00fcr dieses Jahr die Veranstaltungsreihe\u00a0<strong>\u201einsterJAHR 2010\u201c<\/strong>; ihr Programm reiche von baulichen Eins\u00e4tzen und architektonischen Entwurfsveranstaltungen, von restauratorischen und heimatkundlichen Begegnungen, von theatralischen und musikalischen Projekten und vielem weiteren mehr:<\/p>\n<ul>\n<li>Den Einwohnern sollte die Angst vor ihrem bewohnten Denkmal genommen werden, sie werden in die Geschichtsfindung und -schreibung des Ortes mit einbezogen. Eine geb\u00e4udebezogene Bestandsdokumentation soll ihre Geschichten sammeln und die H\u00e4usersch\u00e4den und Befindlichkeiten erstmalig erfassen. Die entsprechenden Berichte werden unter\u00a0<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/biografiya-domov\">Hausbiografien<\/a> zu      finden sein.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Not- und Lehrwerkst\u00e4tten werden gegr\u00fcndet, wo die \u00f6rtlichen Bauhandwerker in den entsprechenden neu-alten Techniken geschult werden. Ausgew\u00e4hlte Pilotobjekte werden ihr Schulungsfeld sein. Als Lehrer werden neben den eigenen Kr\u00e4ften die Fachleute Deutschlands und Polens eingeladen. Die Berichte hierzu finden Sie unter\u00a0<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/master\">Lehrwerkst\u00e4tten<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Lokale und internationale Fachplaner werden in einem Kolloquium ihre Erfahrungen zum Bauen im Bestand erl\u00e4utern. Sie widmen sich der Untersuchung und der Erneuerung von Altbauten, mit dem Schwerpunkt auf Milieuschutz und den jungen Altbauten aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, von denen die Gegend besonders viele aufweise. Der Stadt werden neue Wege aufgezeigt und weitere Untersuchungsschwerpunkte bestimmt. Ausstellungen der verschiedenen Einsatzwege und Vortr\u00e4ge zu den jeweiligen Werkserfahrungen der Kolloquiumsteilnehmer tragen das gesammelte Wissen in die \u00d6ffentlichkeit \u2013 auch im Kapitel\u00a0<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/colloquium\">Kolloquium<\/a> einzusehen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Architekturstudenten und Landschaftsarchitekturstudenten werden in die Stadt geholt, um am Objekt ihre Baustellenpraktika abzuleisten: Aufma\u00df, Schadenskartierung, etc. Eine enge Zusammenarbeit der Praktikanten mit den Werkst\u00e4ttlern verst\u00e4rkt den gegenseitigen Lerneffekt, wie unter\u00a0<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/praktika\">sommerliche Praxisseminare<\/a> zu lesen ist. Machen Sie mit!<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Auf der Burg werde in ein Burgkunstfest abgehalten, mit der Kunstresidenz \u201eAtmosph\u00e4rA\u201c, verschiedenen Sonderprojekten, Konzerten und \u00fcberregionaler Zusammenarbeit. Bereits in den vergangenen Jahren haben solche Veranstaltungen in der Stadt einen bleibenden Eindruck hinterlassen k\u00f6nnen: lesen Sie unter\u00a0<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/insterfest\">Insterfest<\/a> von gestern, heute und morgen des Kunstfestivals.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ein regionales Treffen junger Architekten (SESAM) aus allen mit Ostpreu\u00dfen verbundenen L\u00e4ndern trete in die Fu\u00dfstapfen der Wiederaufbau-Bauanw\u00e4lte von 1915. W\u00e4hrend die vorerw\u00e4hnten Studenten rein technisch t\u00e4tig werden sollten, werden diese Stegreif-Entw\u00fcrfe abliefern und eventuell auch bauen. Vortr\u00e4ge zum ostpreu\u00dfischen Bauen oder St\u00e4dtebau sollen ihnen dabei helfen. Die Entw\u00fcrfe und die Lehrunterlagen finden Sie unter\u00a0<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/tag\/sesam\">SESAM<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/junge-architekten\">Architektentreffen<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Einen      Abschlu\u00df finde die diesj\u00e4hrige Reihe beim Stadtfest Anfang September      2010, welches beinahe auf den Tag des offenen Denkmals falle (<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/den-goroda\">Stadtfest<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Zur      Auswertung komme das erste insterJAHR w\u00e4hrend der 10. Jubil\u00e4umskonferenz      der Heimatkundler auf der Burg (<a href=\"http:\/\/de.instergod.ru\/konferentsiya\">Geschichtskonferenz<\/a>). Hierbei wird auch      die Planung f\u00fcrs kommende Jahr verk\u00fcndet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die ersten Zusagen liegen bereits von deutschen wie russischen Architekten, Planern, Fachleuten und Studenten vor; weitere Unterst\u00fctzung und eine \u00dcbernahme in eigene Programme ist erw\u00fcnscht: <em>Schreibt! <\/em><em>\u2013<\/em> Kommt! <em>\u2013<\/em> Bringt Euch ein! <em>\u2013<\/em> Macht mit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Chroniken Ostpreu\u00dfens sind reich an Neuanf\u00e4ngen und herben Einschl\u00e4gen: vielfach besiedelt und vielversprechend aufgebaut, war die Gegend genauso oft verw\u00fcstet worden, doch stets haben neue Wurzeln und Triebe aus dem alten Stamm geschlagen. Bis zuletzt zeigt das Gebiet einen deutlichen Einfluss des deutschen St\u00e4dtebaus des 14. 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