{"id":736,"date":"2010-06-03T23:56:10","date_gmt":"2010-06-03T21:56:10","guid":{"rendered":"http:\/\/de.instergod.ru\/?p=736"},"modified":"2025-03-26T03:18:15","modified_gmt":"2025-03-26T01:18:15","slug":"fuchsson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instergod.ru\/de\/fuchsson\/","title":{"rendered":"&quot;Berufsausbildung in Nordostpreu\u00dfen&quot;"},"content":{"rendered":"<p><em><\/em><em>Ein Vortrag, gehalten von Lasarus Fuchsson als Vertreter der K\u00f6nigsberger St\u00e4dtebauschule am zweiten Tag des Kolloquiums.<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Fuchsson_8553-54.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 1px;\" title=\"Fuchsson_8553-54\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Fuchsson_8553-54-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Fuchsson_8553-54.jpg\"><\/a><a href=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Fuchsson_8555-56.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 1px;\" title=\"Fuchsson_8555-56\" src=\"https:\/\/instergod.ru\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Fuchsson_8555-56-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p>Einst hatten wir ein durchdachtes System der Berufsausbildung in der Planwirtschaft: durchplant wurde immatrikuliert, durchplant studiert, durchplant gearbeitet nach dem Diplom. Es gab sogar besondere Fachleute in den Personalabteilungen der Betriebe, Ingenieure f\u00fcr Kaderausbildung, die dieses System betreuten. Die Verkn\u00fcpfung der Lehre und der Praxis war auf diese Weise sichergestellt.<br \/>\nIn den 1990-ern ward alles anders.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Man lie\u00df sich auf einen Fehler in der Mittelschule ein, und versuchte, Lehrbetrieb mit praktischer Arbeit zu vermengen. Man gr\u00fcndete Lehrbetriebe f\u00fcr Sch\u00fcler und stellte ihren Abg\u00e4ngern Berufszeugnisse aus, als ob sie durch wenige Wochenstunden tats\u00e4chlich einen Beruf erlernten! Doch dem Papiere nach war es so, und ihre Zeugnisse waren denen der echten Berufsschulen ebenb\u00fcrtig.<\/p>\n<p>Dies ging mit einem weiteren Fehler einher: die Rolle der Grund- und Mittelschulen wurde \u00fcberbewertet und jene der Berufsschulen negiert. So kam es, da\u00df das System der Arbeitskraftreserven, welches seit dem Zweiten Weltkriege gute Dienste leistete, in 1980-er Jahren ins Wanken geriet, und den 1990-ern, als die Planwirtschaft von der Marktwirtschaft abgel\u00f6st wurde, v\u00f6llends auseinander fiel.<\/p>\n<p>In 1990-er Jahren konnten nur 15% der Absolventen der P\u00e4dagogischen, Technischen und Landwirtschaftlichen Lehranstalten nach dem Diplom im jeweiligen Fach eine Anstellung finden. Pl\u00f6tzlich wurde es nicht mehr m\u00f6glich, Berufspraktika abzuhalten: die Produktion ging rapide zur\u00fcck. Doch das Berufsbildungssystem erwies sich als tr\u00e4ge und wandelte sich ohne jede Voraussischt, so, wie es sich eber ergab. Auch das ganze Land formierte sich auf die \u00e4hnliche Weise um. So kam es, das Berufspraktika, ein wichtiges Element der Lehre, aus der Bildungsmatrix schlichtweg verschwand: dem Papiere nach war sie noch mit auf dem Lehrplan, aber ihre Wirksamkeit verringerte sich zusehends. Die Arbeitgeber weigerten sich, Lehrlinge in ihren Betrieben aufzunehmen: \u201cWer komme daf\u00fcr auf, da\u00df ich einen erfahrenen Mitarbeiter freistelle und ihn zum Aufseher \u00fcber einen Studenten mache?\u201d\u2026 Und wurden die Studenten einmal doch genommen, so setzte man sie bestenfalls als ungelernte Hilfskr\u00e4fte ein, und nicht etwa als heranwachsende Fachleute vom gewissen Niveau. So erging es vielen, nicht nur unsrigen Studierenden.<\/p>\n<p>Indes sahen sich nicht nur die Schulen als Vorstufen f\u00fcr die Universit\u00e4ten, auch die Sch\u00fcler wollten in ihrer Mehrzahl Akademiker werden, und Mi\u00dfachteten die Fachschulsparte v\u00f6llig. Dabei ist die Bildung, die man in einem Polytechnikum bekommen, keineswegs eine halbe Bildung, ein Absolvent ist sehr wohl zum eigenst\u00e4ndigen Handeln f\u00e4hig, etwa als Baustellenleiter oder als Sicherheitsbeauftragter, als Pr\u00fcfer bei der Bauabnahme, als Versorgungsleiter Materialien, als Polier oder Kolonnenf\u00fchrer\u2026 Um eine Baustelle zum Erfolg zu f\u00fchren, brauche man keine h\u00f6here Ingenieurausbildung, die Fachhochschule reiche bestens aus. Wir m\u00fcssen lernen, klar zwischen den zwei Karrierewelten zu scheiden, zwischen der Verwaltung und dem Engineering. Im ersten Fall lerne man Verwalten, Leiten und Recht, im zweiten h\u00f6here Mathematik, Rechnen, Entwerfen usw.<\/p>\n<p>Etwa zu derselben Zeit als die Wirkkraft der Fachpraktika nachlie\u00df, wurde auch die Finanzierung der Fachschulen stark und der Ger\u00e4tepark verfiel. Wo keine Materialien und keine Werkzeuge in den Fachschulen und -Hochschulen, da auch keine schulinterne Praxis\u00a0\u2014 w\u00e4hrend die au\u00dferschulische Betriebspraxis g\u00e4nzlich auslief. Eine Katastrophe! \u2014 wir aber entlie\u00dfen bald zwei Jahrzehnte solche Quasi-Fachleute in die Welt hinaus. Dazu komme noch, da\u00df die etwaigen Wirtschaftsf\u00f6rderprogramme niemals eine Personalkomponente mit enthielten, man machte sich nicht die M\u00fche, den Bedarf nach k\u00fcnftigen Fachleuten zu ermitteln, geschweige ihn den Bildungseinrichtungen zuzuf\u00fchren. So waren es die Schulen selbst, die kurzfristig sich entschieden, wieviele sie lehren wollen, und in wlechem Fach \u2014 und von den Privaten h\u00f6rte man nur: \u201cWir zahlen brav Steuern, der Rest ist nicht unser \u2026\u201d<\/p>\n<p>Als Beispiel nehme ich eine mir bekannte Schule vor, unsere Staatliche St\u00e4dtebauschule.<\/p>\n<p>Im Jahre 2007 gab es eine landesweite Ausschreibung f\u00fcr Fachschulen und Fachhochschulen, an der Entwicklung neuerer Bildungsanstalten mitzumanchen. Wir kamen in die Endrunde, was 20 Millionen Rubel Sondermittel vom Bund bedeutete. Wir ansderseits m\u00fc\u00dften weitere 20 Millionen aus der Provinz zusammenbekommen. Da half uns die Bauunion der Region Kaliningrad sehr, damals vom E.W. Morozow geleitet, und das Ministerium f\u00fcr Bauwesen der Region Kaliningrad, die uns halfen, verschiedene Baufirmen zusammenzuf\u00fchren und auf dieser Weise z.B. unser Laborgeb\u00e4ude zu sanieren: es befand sich im ruin\u00f6sen Stand. Das war dann unser \u201cLokalbeitrag\u201d. Aus den Bundesmitteln kauften wir ein Lehr- und Betriebsmacschinen f\u00fcr das Baufach. Davor hatten wir ein Anschaffungsbudjet von 1 Million Rubel pro Jahr, durch den Wettbewerb erhielten wir 20 mal mehr, und machten so einen\u00a0 Sprung 20 Jahre in die Zukunft! EDV-Anlagen haben wir gekauft uns haben jetzt einen leistungsf\u00e4higen Rechenzentrum, frei zug\u00e4ngliche Rechner, und AutoCAD-. sowie ArhiCAD -Kurse im Angebot: beide Progremme sind im Architektur- und Baufach sehr gefragt. Eine Vielzahl von Ger\u00e4ten haben wir nun zur zerst\u00f6rungsfreien Untersuchung der Fundamente, W\u00e4nde, Tragwerke und Leitungen: ohne die letzteren aus der Erde zu holen, stellen wir fest, wo ein Leck oder Bruch sei). Wir arbeiten da im Bereich Ultraschall, R\u00f6ntgen, Spektralanalyse usw. F\u00fcr das Fach \u201cWasserversorgung und Abwasserentsorgung\u201d haben wir jetzt Schnellanalyseger\u00e4te f\u00fcr fl\u00fcssige und feste Stoffe.<\/p>\n<p>Dies versetzte uns in die Lage, endlich auch dar\u00fcber nachzudenken, welche neue Bauberufe wir in der Zukunft lehren wollen.<\/p>\n<p>Im Jahre 2006 ordneten wir uns neu und gaben einige F\u00e4cher auf, die uns in 1980-er Jahren zugef\u00fchrt wurden (\u201cFremdendienst und Tourismus\u201d, \u201cProgrammiersprachen\u201d, \u201cWirtschaftswissenschaft\u201d): unser Feld ist das Bauen! So entdeckten wir die Restaurierung oder auch Landkataster f\u00fcr sich, und haben uns entsprechgend mit der Ausr\u00fcstung eingedeckt, z.B. mit geod\u00e4tischen Instrumenten vom Theodolyt bis zum GPS-Ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Dies wiederum erm\u00f6glichte es uns, am gemeinsamen Projekt mit der polnischen Danziger Bauakademie teilzunehmen, wo es um die Beschreibung der Baudenkm\u00e4ler ging. Da konnten wir unsere F\u00e4higkeiten und das Interesse der Studenten, die Nachfrage von den Beh\u00f6rden besser absch\u00e4tzen. Es begann die Suche nach Partnern, die Ausbildung auf dem Gebiete der Restaurierung sichern k\u00f6nnten. Hierf\u00fcr zogen wir Fachleute aus Kaliningrad wie auch Moskau und St. Petersburg heran; Akademiemitglied A.W.Popow und andere Gr\u00f6\u00dfen besuchten unsere Schule bei dieser Gelegenheit.<\/p>\n<p>Die Bestandsaufnahme zeigte, da\u00df die inl\u00e4ndischen und europ\u00e4ischen Traditionen der Restaurierung erheblich voneinanderabweichen: wir machten uns die Suche nach deutschen Kollegen. Durch die Unterst\u00fctzung deutscher Sponsoren konnten mehr als 70 unserer Studenten in den letzten 2 Jahren einige F\u00e4cher in Frankfurt an der Oder belegen, sich bei den Restaurateuren in Berlin, Potsdam und anderen St\u00e4dten Deutschlands umschauen. Es gebe ernsthafte Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit der DenkmalAkademie in G\u00f6rlitz, vertreten durch den hier anwesenden Andreas Vogel, unsere Lehrer besuchten G\u00f6rlitz im M\u00e4rz dieses Jahres, sp\u00e4ter waren dann weitere Vertreter unsere Hochschule zugegen zusammen mit jenen des regionalen Denkmalamtes.<\/p>\n<p>Nun sind wir sehr daran interessiert, ein System f\u00fcr Restauratorenausbildung zu entwickeln, denn die Restaurierung von Bau- und Geschichtsdenkm\u00e4lern werde h\u00e4ufig durch den Mangel an Spezialisten behindert. Es m\u00fcssen alle Baudenkm\u00e4ler erfa\u00dft werden, ihr Zustand beschrieben und die Wiederaufbaukosten bestimmt: erst danach kann man sie an den Mann bringen, auch meistbietend. Gehend wir nicht gleich an das Thema heran, und schaffen wir nicht die n\u00f6tigen Fachleute f\u00fcr diese Anforderungen, stehen wir in 10-20 Jahren vor lauter Ex-Denkm\u00e4lern da, die uns vor den Augen auseinandergebr\u00f6selt sind. Hier bedarf es einen staatsm\u00e4nnischen Blicks.<\/p>\n<p>Um f\u00fcr eine Baufirma f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von Restaurierungsarbeiten zu qualifizieren, brauche sie Fachleute vom entsprechenden Niveau. Um nicht in ein Korruptionsloch zu fallen, wo den M\u00f6chtegern-Restauratoren gegen Geld alles bescheinigt werde, was sie nur wollen, als h\u00e4tten sie solche Kurse belegt, kamen wir mit der DenkmaAkademie \u00fcberein, Fachrestaurateure gemeinschaftlich auszubilden. Bei uns werden es unsere Kr\u00e4fte bei Zuhilfenahme von ausl\u00e4ndischen Experten anfangen, die Praktika durchlaufen sie in Deutschland mit der DenkmalAkademie und angeschlossenen Bildungszentren und die Endpr\u00fcfung wird eine gemeinsame sein. So werden unsere Diplomanden Unrkunden \u00fcber ihre berufliche Bildung erhalten, die von beiden Lehranstalten besiegelt werden und in Russland als auch in Europa von Belang w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Es l\u00e4ge nun am Kulturministerium der Region Kaliningrad und den anderen in Frage kommenden Organisationen und Fonds festzustellen, wieviele Fachleute man f\u00fcr die geplanten und budjetierten Denkmalma\u00dfnahmen ben\u00f6tige. Auch eine Bildungsst\u00e4tte w\u00e4re zu bestimmen oder auszuschreiben, die diese Restaurateure ausbilde \u2014 der Einrichtung w\u00e4re die \u201cAbnahme\u201d einer bestimmter Anzahl zu sichern. Wir n\u00e4mlich sind der Auffassung, da\u00df die Restaurierung unserer Altert\u00fcmer und einen\u00a0 neuen Schwung gebe, z.B. in der Tourismus-Branche mit ihrer K\u00fcste, ihrem Klima, usw. Ehedem pflegte man bei uns die Denkm\u00e4ler nicht, hielt sie f\u00fcr fremd: es bed\u00fcrfte ganzer 50 Jahre, um ihren Wert einzusehen, zu erkennen da\u00df sie ein Schatz des deutschen wie des russischen Volkes sind. Doch noch sind sie nichteinmal konserviert und verfallen weiter. Energische Schritte m\u00fcssen unternommen werden um zu bewahren, was da erhalten geblieben ist. Wir wenden uns an unsere westlichen Partner, um Mittel und Fonds aufzutreiben und gemeinsam an die Wiederherstellung der Geb\u00e4ude vom historischem und kulturellem Rang schreiten zu k\u00f6nnen. Dies wiederum wendet unser ganzes Territorium zum Besseren zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vortrag, gehalten von Lasarus Fuchsson als Vertreter der K\u00f6nigsberger St\u00e4dtebauschule am zweiten Tag des Kolloquiums. 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