Der Sender „Rußland 1“ berichtet wieder aus Insterburg, diesmal vom „Lokalisierung“-Seminar Minsker Architekten. Auf den Arbeitsergebnissen des vorausgegangenen Landschaftsseminar füßend, betrachten sie dieselben Orte aus der anderen Perspektive: weniger als künstlerische Objekte, die nach Vollkommenheit streben, vielmehr als soziale Aktionsorte. Der Stadtbewohner ist vieles zugleich, zuweilen ist er auch ein Zuschauer, doch meist auch Schöpfer seiner eigenen Stadt: man muß ihm nur aus seinem Einsledlerkrebstum verhelfen — die Fachleute stehen bereit, um ihn dabei zu begleiten, sein Wesen ins Stadtwesen zu verwandeln.
Allerdings liegt es dem Städter selbste ob, den ersten Schritt zu tun: sonst konnte aus begleitender Hilfe schnell eine Bevormundung werden. So ist es beklagenswert, daß so wenige Ortsgruppen von dem Minsker Angebot Gebrauch machten — oder ahnten sie etwa, daß diese wiederkommen?
Andernorts nehmen die Architekten der „Lokalisierung“ die Themen des kommenden zweiten „insterJAHRes“ vorweg. Öffentlich verkündet werden sie auf der Oktoberkonferenz auf der Burg Insterburg, doch der kreisrunde Schuppen des Lokomotivdepots wird sicherlich darunter sein.
Vielleicht werden bis dahin auch andere ihre Vorarbeit oder Nachkontrolle geleistet haben: was den Minsker die Petersburger Landschaftler, werden dem SESAM-Treffen junger Architekten die Minsker selbste sein. Am 25. August kommen sie in der Stadt ein.
Ob Minsker oder Moskauer oder gar Berliner — die Fachleute seien sich einig, daß eilige Schritte vonnöten seien, denn sonst werde man in wenigen Jahren nur die Orte zeigen können, wo dieses oder jenes Insterburger Erbstück einmal stand. Heute ist es noch möglich, und daher zwingend nötig, diesen Bauten neues Leben, neue Sinne zu finden!