Lebhafter Rat

Anfang August rief die „Lokalisierung“ städtische Gruppen auf, in ihrem Seminar teilzunehmen, doch es kamen nur handverlesene wenige.
Die Gründe hierfür könnne vielfältig sein. Vielleicht traue man seinen eigenen Händen nicht, etwas bewirken zu können? — dann aber traue man denen stadtauswärts mehr!
Es gilt also, die Selbstunsicherheit beseitigen helfen. Fremde Beispiele können da hilfreich sein. Rat auch.

Es ist in diesem Sinne, daß die St.Petersburger „Lebhafte Stadt“, eine der wohl bekanntesten Stadtbau-Bürgergruppen, sich den Insterburgern hier vorstelle.

Geboren wurde die „Lebhafte Stadt“ in St.Petersburg im Jahre 2006, als der „Ochta-Turm“ zum ersten Male Realität werden drohte, und in der Kernstadt die Abrisse historischen Bauten sich häuften. Nichteinmal von der Prachtstraße Newskij Prospekt machte man damals Halt!

Amtlich eingetragen ist die Bewegung nicht, und auch nicht beruflich: ihre Mitgliedern relrutieren sich aus allen Gesellschaftsfeldern, Architekturpflege ist ihre Erwerbsquelle nicht – doch dessen ungeachtet erzielen sie durchaus ansehnliche Ergebnisse. So konnte der Abriß vieler Geschichtsbauten in der Innenstadt von St. Petersburg verhindert werden, ferner die Neubauten in den Grünflächen oder neue Karbunkel im der Kernstadt. Rogow-Haus ist dem ein Beispiel, Häuser in der Polosow-Straße, die Grünanlage an der Sjeszhinskaja-Linie, das „Frunse“-Kaufhaus usw. In der Rettung ihrer war die „Lebhafte Stadt“ nie allein, sie arbeite eng mit anderen Bürgerinitiativen, der Stiftung Denkmalschutz und den Bewohnergruppen, derer Zahl in St.Petersburg bereits in die dutzenden gehe. Kein Sieg also, an dem nicht jemand anders neben der „Lebhaften Stadt“ Stadt nicht teilnahm!

Die Bewegung mache eines: sie wache darüber, ob die geltenden Gesetze beim Abriß und Neubau von Gebäuden eingehalten werden. Die Petersburger Stadtverordnungen sind eigentlich streng genug, um die Stadt vor schädlichem Neubau zu schützen, sie sind von jüngster Dauer und an ihrem Zustandekommen hatte die Öffentlichkeit, einschließlich der „Lebhaften Stadt“, einen großen Anteil, doch es ist ein offenes Geheimnis, daß ohne die öffentliche Kontrolle die Beamten und die Entwickler das Recht zu den eigenen Gunsten biegen.

So ist es z.B. per Gesetz verboten, in St.Petersburg historische Gebäude niederzulegen, und alle Vor-1917-Bauten gelten als historisch, mit einer Ausnahme — wenn die Substanz so marode, daß ihre Ertüchtigung unmöglich sei. Ist also kein Abriß mehr möglich? — mitnichten, denn die Beamten ersannen sich eines Tricks. Sie beaupten, der Stand der Technik gestatte es, nahezu jedes Haus zu reparieren, und schließen daraus, daß die Gesetzesnorm dem Buchstaben nach keinen Sinn sinn mehr mache. Um sie mit Sinn zu füllen, legen sie sie neu aus, und schon wird aus der technischen Möglichkeit der Ertüchtigung die „wirtschaftliche Vernunft.“ Ein jeder sieht ein, daß uns bei einer solchen Auslegung des Gesetzes der Verlust ganzer Hunderten wertvoller Bauten drohe.

Um dies zur verhindern, wende sich die „Lebhafte Stadt“ an die Staatsanwaltschaft, ziehe vor Gerichte und übergeordnete Instanzen; und das nicht ohne Erfolg. Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken, veranstalten wir Kundgebungen und Flash Mobs, stellen Streikposten auf usw., bleiben aber stets im gesetzlichen Rahmen.

Die „Lebhafte Stadt“ ist stets auf der Suche nach neuen Mitgliedern, denn gefährdete Häuser und Gärten gebe es in St.Petersburg viele, und ein jedes brauche eine Menge Arbeit. Wir sind uns andererseits bewußt, daß unsere Lage, mit anderen Städten verglichen, sogar noch günstig sei, deshalb fördern wir in anderen russischen Städten die Bewegungen, die uns im Geiste ähnlich sind. Wir sind gerne bereit, unsere Erfahrungen mit ihnen zu teilen: ohne Zweifel ist die Gesetzeslage im Städtebau, oder gar die Politik in einer jeden Region eigen, doch nützliche Beispiele könne man aus anderer Städte Erfahrungen immer ziehen. So lerne St.Petersburg gerade von der leifigen Erfahrung Moskaus, die ein Großteil ihrer Altstadt eingebüßt.

Macht mit! Kommt nach St.Petersburg!

Antonina Eliseewa, Koordinatorin der „Lebhaften Stadt“
Kontaktnummer ++7 (962) 700 22 16.

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