Neuer Rat dem alten Park

Per Amtsbeschluß vom 21. Februar 2011 ist im Kreis Insterburg das erste Denkmalrat in ganz Nordostpreußen zusammengerufen worden, um das Bewahren des geistig-kulturellen Erbes zu überwachen und den Kreisamtsleister W.A.Fomin zu beraten.

Zur ersten Sitzung am 25. Februar zusammengekommen, zögerte man auch nicht mit der ersten Empfehlung: die Durchführung des vorliegenden Entwurfes zum Radikalumbau eines Teiles des Stadtparks zum „Kultur- und Erholungspark“ auszusetzen.

In seiner Jetztform ist der Entwurf, vor dem Wiederauffinden seines Vorgängers und vor der Zusammenstellung des Generalbebauungsplanes der Stadt erarbeitet, bereits vor dem ersten Spatenstich als mehr als veraltet anzusehen. Die königsberger Planer haben nichteinmal die natürlichen Gegebenheiten des Tschernuppe-Tales berücksichtigt &151; immense Kosten kämen auf die Stadt auch beim kleinsten Versuch zu, seine Vorgaben umzusetzen. Mehr noch: so ein Versuch konnte das zarte Pflanzchen der für den Sommer angekündigten Zusammenarbeit St.Petersburger, Berliner, Münchner und Dorpater Gartenfachleute gleich im Keime ersticken: was wäre ihr Rat vom Nutze, wenn der Park, den sie zu erforschen hatten, bereits verstümmelt? Doch selbst das stille Vorhandensein des königsberger Planes warf seinen Schatten bereits voraus: wohl vorahnend, daß der Entwurf den Park mit der Südgrenze des Gawenschen Teiches beschließt, nahmen schon manche Investoren die restlichen Parkflächen ins Visier.

Es dauerte nicht lange, und die Baustelle an der Ecke Königsberger Str.-Gartenstr. weitete sich eigenmächtig in das uralte Parktal hinein (Kadastergrenzen sind im rechten Bild als helle Linien hervorgehoben), schüttete dort Erd- und Müllhaufen hinauf. Bezüglich der Müllhalde erging an den Bauherren bereits eine Beseitigungsanordnung, doch die Ratsmitglieder hackten nach: wie kam es und wie stehe es mit der Verletzung der Nachbarsgrenzen? An den Bauherren und die Stadtverwaltung wurden entsprechende Anfragen geschickt.

Ferner kümmerten sich die Räte um das unglückliche Eckhaus an der Jordanstraße: nach jahrelanger Verwahrlosung droht das schöne Haus nun gar auf der Abrißliste zu landen, und das nur wenige Monate vor der Präsentation der Entwürfe, die ihn womöglich retteten. Bereits in 2010 zog es nämlich die Aufmerksamkeit der Praktikanten der Kasaner Architektur- und Bauuniversität an sich, und sie nahmen ihn und die ganze Jordanstraße sich zum Diplomthema. Schon in diesem Jahre 2011 kam aus der Bürgerschaft der Vorschlag, solle in Insterburg einmal eine Stadtentwicklungsagentur gegründet werden, diese Straße ihr als Sanierungsbereich anzutrauen.


Zu Ratsmitgliedern wurden:

  • Alexei Josephowitsch Bartnikas, Direktor des Zentrums für litauische Kultur, Bildung und Information,
  • Galina Wladimirowna Kaschtanowa-Jerofejewa, Abteilungsleiterin Heimatkunde und Literatur des Auslandes der städtischen Hauptbücherei,
  • Andrej Wasiljewitsch Klenowyj, Leiter des Heimatbundes „Der weiße Rabe“,
  • Lubow Wladimirowna Klimowa, Direktorin des Geschichtsmuseums,
  • Olga Alexandrowna Koschelewa, Direktorin der M.Tenischewa-Kunstschule,
  • Alexej Kirjanowitsch Oglesnew,
  • Victor Nikolajewitsch Chabibullin, Lehrer am Insterburger Pädagogikum,
  • Wladimir Michajlowitsch Tschetyrin, Generaldirektor der „Rasswet“ GmbH,
  • Wladimir Iwanowitsch Janowskij, Stifter des Geschichtsmuseums, Vorsitzender des Vereins zur Wiederherstellung und Anlage historischen Kriegsgräber.

Zur Vorsitzenden des Rates wurde Frau Kaschtanowa-Jerofejewa gewählt, zur Schriftleiterin Frau Klimowa. Ihnen und dem gesamten Rate ist Strenge und Parteinahme!

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