"Neu-Tschernjachowski"

Festival zeitgenössischer Kunst auf der Insterburger Burg schreibt ein Wettbewerb zur Erlangung der Entwurfsideen eines Denkmals für Iwan Danilowitsch Tschernjachowskij zu Insterburg.
Geladen werden Architekten, Bildhauer, Maler, Designer, Dichter, Philosophen und andere.
Die Teilnehmer werden aufgefordert, in freier Form ihre selbst unmöglichste Gedanken eines neuartigen Denkmals einzureichen: der Phantasie seien keine Schranken gesetzt. Zugleich ist allerdings auch die Umsetzung kein vorrangiges Ziel des Wettbewerbs.
Ferner haben die Kuratoren klarzustellen, daß sie keinerlei Pläne hegen, die bestehenden Tschernjachowski-Denkmäler abzureißen oder umzusiedeln: ihnen gehe es um die Prüfung derer Bedeutung und der Bezüge zur Erinnerung an den sowjetischen General.

Sollte der sowjetische Vergangenheit bis auf ihre Grundmauern zerstört, um Platz für neue Idole zu schaffen? Was geschehe mit den Hunderten von Städten, deren Hauptstraße nach Lenin benannt sei? Mehr noch: Was wird die heutige Gestalt jener Kleinstädte sein, die durch und durch von der sowjetischen Industrie, Toponymik, Kultur und Leben durchzogen sind? Für die Laissez-faire-Politik wird hier kein Platz sein, aber auch für den bemühten Patriotismus nicht — derer habe man in der Form staatstragender Musikkollektive genug, die zu allerlei Jubiläen die Plätze verschandeln. Um die Frage anzugehen, bedürfe man der Meinung der sich seiner Selbst bewußten Geistesgemeinschaft. Nur durch allgemeine Verbreitung der entsprechenden Wettbewerbe und Debatten beeinflusse man das Werden der Städte von so verwickelter Geschichte und mit so problembelasteter Zukunft.
Ein Denkmal für den sowjetischen Generale, welche Form nehme es heute an, wenn kein Breker-Geselle in die Quere kommt? Was komme, wenn junge zeitgenössische Künstler ein Interesse an diesem Thema gewinnen, und ihre Meinung über eine Gestalt kundtun, die einerseits schon mythisch sei und die Toponymik einging, andererseits aber noch hinreichend unausgeleuchtete Stellen in der Biographie aufweise? Die Denkmäler von Heute sind rückwärtsgewandt und traditionalistisch, denn Experimente der Modernisten werden vom Bürger nicht honoriert und die Postmoderne viel zu subjektiv sei. Dabei drängt die Zeit auf neue, sozialverträgliche Lösungen: Gutes kann der Beginn einer Stadterneuerungswelle werden.
Tschernjachowsk wird der Name Insterburgs sein und bleiben, und auch das Russische Nordostpreußens ist ohne jeden Zweifel, doch was sagt der Name ihrer dem Stadtbewohner von Heute? Und was wird ihre Aussagekraft in 20 Jahren sein? Um die Grundsymbole nicht der Vergessenheit anheimzugeben, solle man die auffrischen.

Dem Sieger winkt eine aktuelle Büchersammlung zur Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Projektanforderungen:

Funktionalität und Städtebau: Erwartet werden Skizzen von hoher Originalität des Lösungsansatzes. Nach dem Wettbewerbsprogramm soll die Entwurfsfindung ablaufen, mit analytisch-kritischem Blick auf die angerissenen Fragenkomplexe. Die Autoren sollten die Architektursprache nutzen, um einen völlig neuen „kritischen Text“ zu bilden, um nachher an die Umsetzung des Angedachten direkt treten zu können. Aktive Umwandlung der städtische Umwelt mit dem Entwurf wird ausdrücklich begrüßt. Bewußt wird auf den kontextuellen Ansatz verzichtet, denn die Aufgabe laute, wiederaufzubauen, umzuformen, und zwar sowohl den Stadtraum, als auch seine emotionale und intellektuelle Grundlagen. Im Insterburger Stadtgewebe soll das neue Denkmal die Rolle eines Nukleus einnehmen, aus dem die neue Stadt entsprieße. Dieser Stadt neue Architektur werde auf den neue aktualisierten Inhalten zu bauen sein. Den Autoren ist es überlassen, ihr Werk nach Bedarf auch als eine grundsätzlich neue städtebauliche Einheit aufzufassen, im allgemeinen Kontext der Stadtplanung oder auch autonom (Museum, Kulturzentrum, Gedenkpark, Quartal, usw.).

Konstruktion und Technik:
In den Darstellungen und den Texten zum Entwurfskonzept des Denkmals sollte eine Kurzbeschreibung der Grundausführung des Anlagetragwerkes und des — Aufbaues enthalten sein. Nennung und Beschreibung der ausgewählten Systeme je nach Grad der Ausarbeitung des Entwurfes vom Autor zu bestimmen. Besondere Anforderungen oder Einschränkungen betrefflich der Tragwerke, Materialien, Objekte und Anlagen werden nicht gestellt; Erfindungsgeist und Ausdruckswille sind besonders willkommen. Sofern vom Teilnehmer erwünscht, kann ein Umsetzungsschema des jeweiligen Entwurfsvorschlages mit eingereicht werden.

Form und Gestalt:
Je nach Art der Konzept-Idee und der Tiefe seiner Ausarbeitung soll der Teilnehmer im Erläuterungsbericht die Grundlagen der Formfindung des entworfenen Objektes darlegen, so z.B. die Umgebung, den Stadtbau, die Technik, die Kritik, das Emotionelle und Geistige, die Metaphysik, das Existenzielle usw. In allen diesen Bereichen its die Wirkung des Bauwerks als einer neuen städtebaulichen Einheit zu berücksichtigen.
Stil-, Plastik-, Geometrie-, Farb- und andere Vorgaben werden nicht gestellt.
Für diejenigen Teilnehmer, die sich mit der städtischen Umwelt beschäftigen (gedenken), wird angeregt, ihr Werk als eine Erstlingsbau einer kommenden Gestaltungssatzung aufzufassen, nach dem die zu sanierenden Quartiere sich richten.

Teilnehmerkreis: In erster Linie Architektur- und Kunst-Studenten, auch Architekten, Maler, Bildhauer, Objektgestalter, ferner Philosophen, Dichter und Schriftsteller. Studentische oder berufliche Bezogenheit auf das Themengebiet wird allerdings nicht verlangt; jeder interessierte Laie, der auf seine Art eine Antwort auf die im Programm erhoben Fragen eine Lösung zu geben vermag, wird ermuntert, diese einzureichen.

Abzugebende Unterlagen, Darstellungsweisen:

Hauptunterlagen:

  • Bilder:
    Architekturdarstellungen je nach Entwurf (Lagepläne, Grundrisse, Ansichten, Schnitte, Perspektiven, Axonometrien und Mischformen davon), mindestens jedoch ein Bild, welches das Konzenpt bestmöglich aufschließt, und ein Lageschema, aus dem die Positionierung des Entwurfes im existierenden Stadtraum ersichtlich ist. Neben dem Bildteil ist ein Textteil zwingend erfolrderlich.
  • Texte:
    Ausreichende Beschreibung des baulichen Konzeptes unter besonderer Berücksichtigung aller im Programm genannten Anforderungen und Wünsche. Neben Begleittexten zu den Baugrafiken können auch reine Textarbeiten eingereicht werden, so z.B. Skizzen, Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke usw.

Abgabe: Alle oder ein Mehrteil der eingereichen Wettbewerbsarbeiten werden vom 16. bis 24. Juli 2011 im Rahmen einer eingens errichteten Media-Installation auf der Burg Insterburg (Ostpreußen) dargezeigt. Ausgewählte fünf Arbeiten werden in Druckform Bestandteil dieser Installation. Literarische Texte werden im Rahmen besonderer Lesungen vorgetragen und nochmals bei der geplanten abschließenden Podiumsdiskussion. Bei der letzteren werden alle vorgeschlagenen Ideen und der Präsentation des Projektes nochmals kritisch besehen.
Jeder Teilnehmer reiche angesichts dessen mindestens eine druckfertige Präsentationstafeln mit dem Text- wie Bildteil seines Beitrages darauf, in der Größe von 1000 x 1000 mm und der Auflösung von mindestens 200 dpi. Für reine Textbeiträge kann von der Tafelform abgewichen werden und nur eine *.doc- oder *. txt-Datei eingereicht.
Es wird gebeten, neben der Präsentationstafel auch lose Bild- und Textdateien einzusenden, sowohl solche, die auf der Tafel umgesetzt seien, als auch weitere — diese werden für die Medien-Präsentation von Nutzen sein. Jeder Teilnehmer frei, den Umfang dieser Zusatzdaten selbst zu bestimmen. Ferner können Varianten eingereicht werden oder merhere Projekte ein-und-demselben Autors.

Abgabe bis zum 1. Mai 2011

Anmeldeformular zum Wettbewerb

Blog des Wettbewerbs

Wettbewerbskurator Dmitri Koslow (St. Petersburg)

Wettbewerbskurator Alexander Strugatsch (St. Petersburg)

Комментарии

Insterfest 06.05.2011 в 20:33

Die Abgabe ist auf den 1. Juni 2011 verschoben worden.

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