Ein Faktor, der Danzig verbesserte

Am frühen Morgen des 12. März versammelten sich vorm Rätehaus zu Königsberg noch halb schläfrig die Abgesandten Nordostpreußens. Ihnen stand eine Busfahrt nach Danzig vor, um wertvollen Rat des Programmes «Grenzübergreifende Zusammenarbeit als ein Faktor der Verbesserung der lokalen Entwicklung» einzuholen. Dies war bereits die zweite Phase des Programms, vom Neuhausen-Seminar kannten die meisten sich bereits. Leider fehlten einige der angemeldeten Teilnehmer, so Frau Larisa Koptzewa, Leiterin des Denkmalschutzamtes, Frau Sinaida Roschdestwenskaja, Direkteurin der Königsberger Bauschule, und einige mehr. Schade — sie werden ihr Fernbleiben selbste zu beklagen haben, denn die Fahrt war sehr aufschlußreich (dazu später). Es gab auch ein Paar neue Gesichter: Herrn Maxim Popow, ein Photograph und bekannter Sammler von Königsberger Vorkriegs-Aufnahmen, und am 14. noch den Amtsvorgänger Frau Koptzewas, Herrn Wladimir Jarosch.

In Danzig warteten Vorträge auf sie.

Drei charmante Vertreterinnen der Stadtverwaltung Zoppot, des Wirtschaftsamtes und des Straßen- und Grünflächenamtes berichteten von den bereits abgeschlossenen Arbeiten der Regenwasser-Ableitung, die auf Basis der VBI-Verträge abliefen. Mag die Problematik des Niederschlages und seines Meer-Auslasses auch noch gering erscheinen, für eine Badestadt ist sie mehr, zumal im Verbund mit der vorzüglichen Ingenieursleitung auch die Ansicht der Strände mit verbessert wurde: alte nicht mehr benutzte Leitungen wurden mit geräumt.
Adam Koperkiewicz, Direktor des Danziger Geschichtsmuseums, sprach über die Restaurierung der Festung Weichselmünde, eines einmaligen Kleinods der Festungsbaukunst. Einst schützte sie die Hafenanlagen an der Mottlau und hatte die Schlüsselposition in der Stadt- und Hafenverteidigung inne; heute ist ihre architektonische und historische Bedeutung von größerem Wert. Die Stadt Danzig stellte für die Restaurierungs eine runde Summe dem Museum zur Verfügung, denn dieses ist für die Arbeiten alleinverantwortlich. Ihr Ablauf folgt dem Roten FIDIC-Buche und soll 2018 abgeschlossen sein. Dann wartet auf den Besucher ein ganzes Reservat mittelalterlichen Kultur, von der Küche bis zur Salve, Töpferei und Kürschnerei inbegriffen, von den Ausstellungen ganz zu schweigen. Die Stadtgemeinde ist sehr rührig im Kulturbereich, und das hat seinen Grund: neben der Fürsorge für die eigene Bürgerschaft leistet man sich hier auch einen Magneten für die Touristen, und diese, so der Direktor, bringen der Stadt im Schnitt etwa 80,— täglich. Dem Festungsprojekt alles Gute wünschend, verabschiedeten sich die Konferenzteilnehmer in den Kennenlernabend, wober es auch die Danziger Architektur kennenzulernen galt.

Morgennebel des 13. März war schnell vorüber, als man zum faszinierenden Rundgang durch die «Arena Danzig» aufbrach. Ein riesiger Felsbrocken vom Stadion, besser noch, ein Stück honigfarbenen Bernsteins, ans Land gespült, zog die Blicke an sich bereits aus der Ferne. Ein gutaussehender junger Mann, der durch den Bau führte und seine Architektur wie Konstruktion zeigte, entpuppte sich als der stellvertretender Projektingenieur, und das mit 25 Jahren! Auch hier folgte die Umsetzung der Investitionsmaßnahme den VBI-Richtlinien. Vieles war nach Jakub Michalak besonders bei diesem Bauwerk, und die Fragen der Anwesenden gingen ins manche Detail.

Auf der ehemaligen Müllhalde erbaut, verbindet die Arena die gesellschaftliche Bedeutung mit der ökologischen. Dies war ein Beweggrund für die Stadt, einen Großteil der beinahe 623 Millionen ZЕ‚oty Baukosten zu übernehmen. 41000 Zuschauer finden auf den Röngen Platz, für ein weiteres Tausend gebe es Stehplätze; ringsum wird es Parkplätze und neue Straßen mit aller notigen Infrastruktur geben. Schon in zwei Monate wird das erste Teil der Anlage übergeben, das erste Spiel, Frankreich gegen Polen, ist für den 9. Juli 2011 geplant. Ein guter Grund, Danzig nochmals zu besuchen mitsamt seinen bernsteinenen Schmuckstück.
Am Nachmittag stand die Altstadt auf dem Programm, das Alte Rathaus und der Artushof, wo die vom Museumsdirektor vprbereitete Führung wartete.

Montag der 14. März war von der geschäftigste Tag des Seminars. Als Erster trat im Neuen Rathaus Dr. PaweЕ‚ KoЕ›cielecki auf (Grupa TROJDEN, Beratungstelle für die Regionalentwicklung) und berichtete vom Zuschußnetzwerk, den Ausschreibungen und den Hilfsroutinen ENPI Рё PRAG. Die erstere, „Europäisches Instrumentrium für Nachbarschaften und Partnerschaften“, dient der Verwirklichung der EU-Nachbarschaftspolitik; die letztere, „Prxisanleitung für Vergabeverfahren bei der EU-Außenhilfe“, regelt die Beihilfen-Verfahren, die Liefer-, Arbeits- und Gütebestimmungen, enthält zudem die Musterverträge und Beilagen dazu (Abschlüsse, Zahlungen, Kalkultionen). Restaurierungsarbeiten werden in Polen interessanterweise nicht als Bauarbeiten, sondern als Dienstleistungen aufgefaßt.
Der zweite Redner war Armand Labarre, Direktor des Restauratorenverbandes antiker Monumente in Limoges, mit dem Bericht „Erfahrung französischer Restauratore bei der Umsetzung der Investitionsvorhaben im Kulturbereich“. Als Beispiel diente ihm die Zusammenarbeit mit der Gaudi­-Universitätsbauschule in Barcelona und Scuola professionale edile di Firenze. Beide sind Bestandteil der Europauniversität für Kunst und -Gewerbe, L´UNIEMA. An die 30 Schulen beteiligten sich an dieser Vereinigung mit dem Ziele, Gebäude in Teilen und in Gänze wiederherzustellen und auch ihre landschaftliche Umgebung entsprechend zu beplanen.
Johannes Mosler, Experte für Denkmalschutz und Restaurierung, Vertreter der Fuldaer Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes, sprach über die „Probleme der Erhaltung und Restaurierung der Fensterkonstruktionen in den Investitionsprojekten mithilfe traditioneller Verfahren“, mehr noch, er ließ die Arbeiten ausführlich in allen Stufen präsentieren und machte die Teilnehmer mit den benötigten Restaurierungsmaterialien, Chemikalien und Werkzeugen vertraut.
Wladimir Bogatschöw, seines Amtes Koordinator internationaler Projekte in der Neuhausener Kreisverwaltung, sprach zu den «Herausforderungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in Rußland».
Den Schlußvortrag hielt Frau Aleksandra Kocialkowska, Vorsitzende der Europäischen Stiftung zur Erhaltung des kulturellen Erbes aus Danzig, zum Thema der Zwecke und Modalitäten grenzübergreifender Programme.

Von den Vorträgen und Führungen beeindruckt, mit Wissen beladen und durch neue Kontakte verknüpft, machten sich die Teilnehmer des Kurses zur «Grenzübergreifenden Zusammenarbeit als einem Faktor der Verbesserung der lokalen Entwicklung» auf den Weg, die wertvollen Erfahrungen in die Praxis umzusetzen. Bei den Insterburgern wird das «insterJAHR» die erste Gelegenheit dazu bieten.
Wie bereits davor, nahmen seitens der Stadt die Hauptsachbearbeiterin Frau Mamaewa an der Veranstaltung teil, und seitens der Burginstiftung der Volontär Herr Wladimir Wlasow.

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