Am 5. September 2013 fand im Moskau-Museum im Rahmen der „Archnadzor-Schule“ ein Vortrag von Dmitri Suchin statt, „zur Deutsch-Russischen Bau-Zwangsschule, den Lehren daraus und den unerledigten Hausaufgaben“. Oder, genauer, vom Neubau in gestörter historischer Umgebung und den Mißerfolgen der Stil-Architektur. Eine durch und durch Moskauer Frage, zu der der Wiederaufbau Ostpreußens eine seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine stimmige Antwort kennt.
…«Es geht nicht um die Wiederholung der Formen, sondern um einfühlsame Einordnung», schrieb einmal der Werkbundgründer Hermann Muthesius. Nicht um die Wiederholung der Altertümer des Deutschen Ordens oder der Königin Luise glücklicher Tage, und schon gar nicht um einmalige Autoren-Allüren. Dagegen aber sehr wohl um den Aufbau eines Gesamtzusammenhangs, um den Heimatbau aus Erinnerung an die gewesene Vorgängerin durch zusammenfassende Idealisierung statt durch buchstabengetreue Kopie. Kein Sich-Abmühen, als Kind der anderen Zeit durchzugehen. Ohne die Spuren der Vorgänger auszulöschen.
So arbeiteten die an ihrem Erbe. Wie machen es nunmehr wir, an ihnen statt? Kurz gesagt, wir machen es gar nicht erst. Not und Zerstörung sind da, teilweise noch verstärkt. […] Es war in dieser Umgebung, daß wir vor 4. Jahren mit dem „insterJAHR“ begannen, mit der Aussage, geschichtliches Erbe könne eine Wohlstands-Grundlage werden. Allein in Nordostpreußen umgebe einen die sprichwörtliche „deutsche Qualitätsarbeit“ aus russischer Hand. Überall wird sie benötigt, zumal sie damals in der Notlage entstand, die der heutigen Notlage durchaus vergleichbar ist. Wäre es nicht eine beste Lehre aus dem vergeudeten 20. Jahrhundert, der beste Denkmal für die vergessenen Helden, die deutsch-russische Zusammenarbeit am Bau neu zu beleben? Hie mit ausländischen Planern und russischen Bauleuten, da andersherum, denn auch Deutschland verlernte vieles, womit sie hier brilliert? Gemeinsam wäre zu erforschen, zu erproben, umzusetzen und weiter zu gehen. Die Form, der Stil der Zeit ergeben sich später, wenn die „anständige Baugesinnung“ nur herrscht.
Erinnern wir uns: die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Stadherstel Amsterdamt, der National Trust und der Werkbund sind sämtlichst private Gründungen. Genau wie das Moskauer Strelka-Institut oder die MARCH-Hochschule. Neue Schulze-Naumburgs stehen für den deutsch-russischen Werkbund insterburger Machart zur Verfügung, interessierte Lehrer, Schüler und Gesellen. Die vorliegenden Anmeldungen, die Ausstellungen und Konferenzen sind ein Beleg davon. Um jene „deutsche Qualitätsarbeit aus russischer Hand“ neu aufzulegen, sammelt der Kamswyker Kreis für den Kauf eines der Scharoun-Häuser der Bunten Reihe; um darin zu hausen, zu vermitteln, zu bauen. Um anfangen zu können, einen Nagel in eine Wand schlagen. Hätten wir derlei schon, könnte man die 100. Wiederkehr des Kriegsbeginns 2014 mit mehr als bloß einer Ausstelung, einem Seminar oder Konzert begehen — eine Lehrklasse beginnen, eine Lehrbaustelle gar. Diese wäre hierselbst, am eigenen Haus.Solange aber wurden von midestnotwendigen 2 Millionen Rubel bloße Hunderttausend zusammengetragen.