Vom 9. bis zum 19. August findet auf der Burg Insterburg ein Praxisforum der strategischen Regionalentwicklung statt. Die versammelten Ideenträger aus verschiedenen Städten Nordostpreußens, Vertreter der jeweiligen Stadtämter werden zusammen mit den Studenten der Architekturschule „ArchDepot“ und unter fachkundiger Anleitung der Betreuer aus der „Progressor“-Gruppe (beides Partner des „insterJAHRes“) 10 umsetzungsreife Projekte ausarbeiten. Ihnen allen als Grundlage diene die Ortsgeschichte, eines der Hauptreichtümer der Region. Der Königsberger Agentur für Regionalentwicklung vorgelegt, streben die Projekte die Aufnahme in grenzübergreifende Kooperationsmaßnahmen an.
Die genannten 10 haben bereits die Vorrunde gemeistert; dort war ihre Eignung zur Initialzündung für weitere „Tochterprojekte“ eines der Hauptkriterien: es ist des Forums erklärtes Ziel, der Entfaltung der Bürgeriniziativen, gemeinnütziger Projekte und auch der Gründung neuer Unternehmen zu dienen, so wie auch er im „insterJAHRe“ seinen Anfang nahm — einer genauso bürgerlichen Iniziative zum Aufschließen des baulichen Erbes Insterburgs. In absehbarer Zeit sollten diese Projekte und Gründungen ein strategisches Niveau erreichen und den angedachten Rahmenwerk in eine sprießende Regionalentwicklungslinie verwandeln. Eine, die auf unmittelbaren Interessen der Bürgergesellschaften ruht und abstraktem Weltverbesserertum Bestrebungen echter Bewohner Nordostpreußens vorzieht.
Eine besondere Rolle werden hierbei die angefragten Architektur- und Stadtraum-Fachleute spielen: nach Jaime Lerner (ihm gelang es, eines der vollkommendsten und nachhaltigsten Entwicklungsstrategien einer anfänglich recht vernachlässigten Stadt umzusetzen), «letzten Endes zählt neben den konkreten Menschen, die für konkrete Projekte zuständig seien, einzig die — Gestalt!». Durchs Heranziehen der russischen wie westeuropäischen Fachleute gewinne man einen frischen Blick auf die Potenziale eines Stadt oder eines Kreises. Dazu das „ArchDepot“:
Worauf ziele das Projekt? — Auf die Herausarbeitung umsetzbarer Ideen der Stadtentwicklung auf der Grundlage des schöpferischen Potenzials des Landes.
Was unterscheide den Insterburger Praxisforum von seinen projekteentwickelnden und regionalstrategisch planenden Artgenossen? — Zum einen wäre da der Tiefgang, das gegenseitige Lernen und Lehren der Ideenträger, der Architekten und Gestalter, der Stadtsoziologen, der Kultur-, Wirtschafts- und Politikforscher — zum anderen da der Versuch, sich in das Leben der gesamten Region einzufügen, der Bezug auf tatsächlich gegebene Bestrebungen örtlicher Gruppen, die auf des Architekten Überlegung warten.
Was gebe der Praxisforum seinen auswärtigen Gästen? — Die Arbeit an den Wegeplänen neuer Entwicklungen, an den Grundlagen leibhaftiger Strategien; das Zusammenwirken mit den Architekten, Soziologen und Kulturologen, der Bürger- wie den Amtsstellen; die Tuchfühlung mit der Ortsgeschichte und den lokalen Schöpferkräften; das Mit-Stemmen des bürgerschaftlichen Engagements an der Erneuerung des Stadtkörpers „von unten“ in die höhere strategische Sphären; die Erfahrung allumfassender Projektpräsentation.
Durch allzugroße Nähe wird man blind: so manches, was vor der eigensten Nase geschah, wurde so bereits totgeredet, so manche Heimatstadt zur Periferie heruntergedacht oder im eigenen Kopfe gar aus dem Weltgeschehen exkommuniziert. Auch zu Insterburg gebe es derlei, doch schaut auf! — mag Insterburg oder manche andere Stadt auch bloß 40 000 Seelen zählen, auf die Ergebnisse ihres Praxisforums warten bereits die nächstgrößeren Gebilde, wie etwa Wladimir (eine 400 000-Stadt) oder Nischnij Nowgorod (1 400 000 Mann Bevölkerung). Bis nach den russischen Innovations- und Modernisierungszentrum Skolkowo drang bereits die Kunde.
Neben der Lerner´schen „Gestalt“ gebe es noch weitere Einflußfaktoren, von denen der Erfolg solcher Maßnahmen wie unser Praxisforum abhänge, so die „Progressor“-Berater:
— Alles hänge von denjenigen ab, die mit ihren Vorhaben die Runde aufsuchen; davon, ob es Leute sein werden, denen es brenne etwas zu verändern; davon, ob sie bereit seien, sich dafür einzusetzen, mit ihrer Zeit, ihrer Kraft, ihrer Gesundheit, auch ihrem Geld. Wichtig sei, daß sie begreifen, wieviel man mit eigener Hand schaffen könne, ohne auf fremde Mittel oder fremden Geheiß angewiesen zu sein. Man solle nur Mut fassen und anfangen.
— Alleine sei man zu solcherlei Tun nicht imstande, man brauche Gemeinschaften, und diesem können wir zum Werden verhelfen, doch einzig dann, wenn in einer Stadt oder einer Region ein lebendiger Kern der Aktiven entstehe, bereit zur Zusammenarbeit und auch zur Beratschlagung nach dem Ende der Veranstaltung. Bilde sich so ein Kern, sei man auch zum Aufbau eines Dialogs zwischen den Ideen- und Amtsträgern imstande. Nach unserer Auffassung solle ein jedes Vorhaben für alle Beteiligten greifbare Vorteile bringen, der Stadt wie dem Lande, den Machern und den Verwaltern.
— Von weiterer Bedeutung sei, daß es in der Stadt, im Kreis, bei den Nachbarn eine gehörige Menge derer gebe, die sich in der ungepflegten, aufgelassenen, menschenfremden Realität des post-sowjetischen Lebens unwohl fühlen. Diese mögen vielleicht noch keinen Faden gefunden, der sie zur Umsetzung ihres Wunschtraumes führe, doch sind alljene, die bereits seien, eine solche Idee zu suchen, im Grunde schon unsere zweite Welle der Ideenräger. Man berichtet, ihre Zahl sei recht ansehnlich — wir warten auf sie bei jedem Projektvortrag und jeder -Diskussion, um ihnen einen Platz im strateischen Entwicklungsgang finden zu helfen. Steter Wandel sei ihres Erfolges Unterpfand.
Vorgesehen im täglichen Forumsprogramm sind je 2 thematische Vorträge, eine Telekonferenz mit aufwärtigem Experten, Informationsaustausch unter den Arbeitsgruppen, eine „Wandelrunde“, Frühstuck und Abendbrot, sowie eine Filmrunde. Einige der Voträge und Filme richten sich sowohl an die Forumsteilnehmer, als auch an die Stadtöffentlichkeit und Gäste — seid willkommen!
Vorläufiges Programm des Praxisforums:
| 09. August 2011: | Anreise in Insterburg Untersuchtungen der Stadtstruktur: räumliche, sozio-kulturelle, politisch-wirtschaftliche usw. |
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| 10. August 2011: | Untersuchtungen der Stadtstruktur: räumliche, sozio-kulturelle, politisch-wirtschaftliche usw. | |
| 11. August 2011: | Untersuchtungen der Stadtstruktur: räumliche, sozio-kulturelle, politisch-wirtschaftliche usw. | |
| 12. August 2011: | am Tage: Untersuchtungen der Stadtstruktur: räumliche, sozio-kulturelle, politisch-wirtschaftliche usw. am Abend: workshop fair — Themenfindung, Gründung der Arbeitsgruppen |
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| 13. August 2011: | Arbeit an den Entwürfen und Visualisierungen | |
| 14. August 2011: | Arbeit an den Entwürfen und Visualisierungen | |
| 15. August 2011: | Arbeit an den Entwürfen und Visualisierungen | |
| 16. August 2011: | Arbeit an den Entwürfen und Visualisierungen | |
| 17. August 2011: | Vorbereitung der Präsentation | |
| 18. August 2011: | Vorbereitung der Präsentation | |
| 19. August 2011: | Präsentation der Bürgerschaft, den Ämtern und den Investoren | |
| 24. September 2011: | Herausgabe der Projektergebnisse | |
| Oktober 2011 — Mai 2012: | erwartete Auswirkungen |