Genau in einem Monat, am 25. September 2015, öffnet das Minsker Zentrum für moderne Künste die Tore zur Ausstellung „Hans Scharoun in den Aufnahmen von Carsten Krohn“. Zuvor war sie im Moskauer Architekturmuseum und in der Königsberger Kunstgalerie gezeigt worden.
Hans Scharoun (1893–1972), der Architekt der weltberühmten Berliner Philharmonie, „der letzte Expressionist“ und zugleich „der einzig echte Funktionalist“, ist uns trotz hunderter Projekte und bahnbrechender Ideen kaum bekannt. Die wenigsten Kenner werden das eine oder andere Haus zu nennen wissen, vom richtig Deuten gang zu schweigen. Kein Wunder: der Architekt hat Deutschland kaum verlassen, sodaß die wenigsten von uns sein Werk persönlich in Augenschein nehmen konnten: die Utopien der „Gläsernen Kette“, die Manifeste der 1920er Jahre, den knappen Reichtum der Berliner Siemensstadt, das luftig-verschränkte Haus Schminke in Löbau oder die Raumwunder seiner Häuser der 1930er Jahre, bis hin zur neuartigen Philharmonie am Berliner Kemperplatz, mit ihrer „Musik im Mittelpunkt“-Planung, „Demokratie als Bauherr“ mit auf die Bühne tritt. Genauso feinfühlig und gegen jedes Muster sind die Wohnungen seiner „Romeo“ und „Julia“-Hochhäuser in Stuttgart und andere Bauten – kein Wunder, daß im „Himmel über Berlin“ die Engel sich ausgerechnet in seiner Berliner Staatsbibliothek treffen! Stilkunde war Scharouns Sache nicht, „Expressionismus“, „Bauhaus“ oder etwas anderes – gleicherlei. Die in der Ausstellung gezeigten Werke der 1920-1970er Jahren, die Wohnhäuser, die Bibliothek, die Schulen und das Theater belegen es in aller Deutlichkeit. Des Architekten Ziel sollte, Scharoun zufolge, das Organhafte sein, die wesenhafte Lösung der Gebäudeaufgabe. Der Ausstellungsziel ist die Information hierob – und der Erhalt seiner Bauwerke: vor wenigen Jahren erst kam zutage, daß die ersten Bauten Scharouns nur eine Handbreit weit liegen, in der Provinz Nordostpreußen. Der Besuch empfiehlt sich.
Ausrichter: Kamswyker Kreis e.V. mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Wiedergeburt und der Firma Keimfarben, Zentrum für moderne Künste mit freundlicher Unterstützung der Alpha-Bank
Photograph: Professor Dr. Carsten Krohn, Autor von Monographien über Peter Behrens und Ludwig Mies van der Rohe
Medienpartner: Architekturmagazin «Project Baltia», Architekturportal www.archi.ru
Vernissage: Nekrassow-Str. 3, 25.9.2015, 18:00
Vortrag: 25.9.2015, 19:00, „Nord-Expreß“, von Dimitri Suchin
Finissage: 18.10.2015
