Die Praxissaison des „insterJAHRes“ laufe auf Hochtouren: die Studenten aus Kasan seien fleißig am Werk, die Münchner, Dorpater und Berliner sind bereits unterwegs zu ihren Zeichentischen zu Hause, um ihre Arbeiten fertigzustellen, die Moskowiter sind zurück und sogar mit Verstärkung — zu den Studenten der Geographischen Fakultät (Lehrstuhl Hydrologie des Festlandes) der Moskauer Lomonossow-Staatsuniversität, die schon seit dem 12. Juni in der Stadt, gesellten sich am 4. Juli die Studenten der Moskauer Staatlichen Landbau-Universität. Am 11. Juli schließlich kam die St.Petersburger Architektur- und Bauuniversität in die Stadt.
Lernen wir sie besser kennen.
Die Moskauer Universitätshydrologen waren bereits am Wystiter See, haben die Flüsse und Seen der Rominter Heide untersucht, den Memel und die Tilse in Tilsit, die Pissa und die Rominte in Gumbinnen, den Pregel und die Deime in Tapiau. Auf dem Plan haben sie die Scheschuppe in Lasdehnen stehen, die Labe in Wehlau, ferner die kleinen Wasserläufe um Darkehmen und Insterburg, sowie einige andere Gewässer der Provinz. Allenorts sind Proben der Gewässergüte genommen worden: des Sauerstoffgehaltes, des pH-Wertes und der Leitfähigkeit. Zweitmal täglich wird der Wasserstand der Angerapp aufgezeichnet.
Zur weiteren Analyse werden die Proben und Messungen sodann nach Moskau gebracht und ergeben ein umfassendes Gesamtbild der Gewässerqualität der Provinz, doch bereits jetzt zeige sich ein Hauptproblem der Stadt dem Fachmanne in all seiner stattlichen Größe: der Insterburg fehlen moderne Kläranlagen. Beinahe ungereinigt gelangen die Abwässer in die Flüsse, machen den ohnehin nicht besten Gewässerstand noch schlimmer.
Ein Abschlußbericht dieser Arbeit wird auf der Oktoberkonferenz der Burg Insterburg erwartet.
Ihre besondere Aufmerksamkeit widmen die Gewässerkundler der Angerapp und der Inter, den Quellflüssen der Hauptader der Provinz, des Pregels — und auch den Insterburger Teichen, die einst den Haupterholungsplatz der Stadt bildeten. Hierbei assistieren ihnen die Studenten der Moskauer Landbauuniversität, Fachrichtungen «Hydrotechnische Bauten» und «Ingenieursysteme der landwirtschaftlichen Be- und Entwässerungswerke», zusammen erarbeiten sie, was den Mannschaften der Münchner TU und der Dorpater EMÜ zunutze komme — sie entwerfen das Wiederauferstehen des Parktales.
Bereits jetzt liegen uns die Tiefenmessungen der Teiche vor, und das ehemals mustergültige System der Steuerungs- und Versorgungsanlage der Tschernuppe werde eruiert: längst nicht immer war sie einer offenen Abwasserrinne ähnlich, die durch ihr Gestank und Ton (beide durch niedrichen Sauerstoffgehalt erklärlich) des zentralen Lage und der Nähe zur Burg nicht würdig sei.
Es stehen die Arbeiten an den Böschungen an und am Wasserhaushalt der Teiche, den Kunstbauten darauf und den kanalisierten Flußabschnitten, und auch die Abwassersysteme der benachbarten Quartiere gehören untersucht. Die Planarbeit gehe mit der Kartierung der Leitungsnetze einher, denn die vorliegenden Amtspläne der städtischen Wasserbetriebe sind bei weitem nicht vollkommen.
Eine Beschreibung der Wasser-Kunstbauten mitsamt den Sanierungsempfehlungen wird der Abschluß dieses Praktikums sein. Den ersten Rat gaben sie schon vorab: die Mißstände im Abwassernetz löse man nur mit einer genauer Planunterlage: diese gelte es zu erstellen.
Die bisher letzte Praktikantengruppe kam aus St.Petersburg, die Restaurateure der örtlichen Architektur- und Bauuniversität. Momentan vermessen sie die Häuser in der Hindenburgstraße; bis zum Ende des Monats haben sie noch vor, die Umgebung der Stadt näher kennenzulernen, bis nach Königsberg hinaus.
Die Geographen der Moskauer Universität haben bereits ihren Weg nach Insterburg und ins «insterJAHR»-Programm gefunden. Es wäre zu hoffen, daß die Stadt und ihr Projekt auch mit den anderen Hochschulen, den genannten wie den noch namenslosen, dieselben Bindungen eingehe. Die Zeichen dafür stehen gut: obgleich die Saison bereits längst begonnen, gehen die neuen und weiteren Vorschläge, ein Feldseminar, eine Praxiswoche oder eine Projektklausur zu Insterburg abzuhalten, dauernd bei der Steuerungsmannschaft ein.