Kleine Farbenstilkunde für historische Fassaden

Restaurator, Maler- und Lackierermeister und Innenarchitekt Hans Jürgen Ronicke aus Wittenberg stellte die nachfolgende Auflistung gängiger Hausanstriche zusammen, die auch für ostpreußische Bauten vom Nutzen sein kann.
In Auszügen.

Renaissance (ca. 1420-1600)
Bunte gedeckte Steinfarben, im Norden dunkler, im Süden heller – Weiß ergänzt mit Grau, Graugrün, Blaugrau – Horizontalen betont

Barock (ca. 1600-1750)
Bunt, Weiß und verspielte Farbigkeit – Gelb, Blau, Rot aufgehellt – Tragende Elemente immer heller – viel Stuck

Rokoko (ca. 1720-1780)
Asymmetrische Stuckformen, z.B. die Rocaille – wie Barock verwandt, nur pompöser

Klassizismus (ca. 1770-1830)
Weiß und Grau – Steinarchitektur mit Farbe imitiert – als Akzente Rot und Grün für Fenster und Türen

Historismus (Gründerzeit, ca. 1820-1900)
Schwere schwachbunte dunkle Farben – mit Klassizismus verwandte Farben – Materialimitationen mit Farbe (Marmor, Stein)

Jugendstil (ca. 1890-1914)
Natürliche Farben in fließenden Formen aus Flora, Tierwelt und Fabelwesen – Altrosa, Türkis, Gelb und Hellblau in Verbindung mit farbiger Keramik

Werkbund (ca. 1907-1914)
Materialfarbigkeit in handwerklichen Formen – gedeckte Farben mit regionaler „Heimatkunst“

Bauhaus (1919-1933)
Weiß und Materialfarben – an konstruktiven Elementen mit Volltönen Gelb, Rot, Blau und wenig Schwarz

Art-Deco (ca. 1920-1940)
Laszive Formen und Farben – Ethno- und Exotik – Violett, Türkis, Weinrot, Metalleffekte u.a.

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