„Making Heimat“

Making Heimat, Germany arrival country“ zeigt Deutschland im besten Denglisch auf der 15. Architekturbiennale zu Venedig. Viele beschäftigen sich damit, forschen und planen — die Aufzählung der Universitäten füllt eine ganze Bauwelt-Seite. Offensichtlich haben wir der Welt etwas ganz Überlegenes zu zeigen?

Sieht man die Ergebnisse sich an, kaum. Mit traumwandlerischer Sicherheit kommen da gewandelte RAD-Baracken und dergleichen Containerdörfer vom Reißbrett — technisch zweifelsohne gebessert, aber sonst? Warum ist die „Heimat“ dem deutschen Architekten auf Eizelbauwerke reduziert? Wie steht es mit — „Stadt machen“? „Heimatstadt“ sogar (Dorf auch)? — diese Frage scheint sich keiner zu stellen.

Rhetorisch offen wie die Frage erscheinen kann, kennt sie eine datierbare Antwort: zuletzt gelang es uns tatsächlich vor genau 100 Jahren, eine Heimat neu zu bauen. Fortschrittlich und normgetreu und traditionsverbunden. Doch irgendwas verrät uns, daß dies just nicht zum Gegenstand der Venedig-Schau wird…

Vor 100 Jahren stellte sich die deutsche Architektenschaft just dieser Aufgabe. Und meisterte sie in seitdem nie wiederholter Qualität — eine ganze Provinz, ihre Dörfer und Städte, Felder und Fabriken, Wohnungen an vorderster Stelle wurden dem hinterwäldlerischen Schlaf, ja Armseligkeit entrissen und in die vorderste Neuzeit katapultiert. Besonnung, Bebauungsdichte, Typung zogen ein. Das aber so, daß Flüchtlinge dort, von Neubauten umgeben, ihre jahrhundertealte Heimat erkannten! Nach wenigen Jahren gar meinten, „schon immer“ so gut gehaust zu haben!.. Vielleicht waren die Architekten von 1916 auch zu erfolgreich gewesen.

Doch gerade die Diskussion der letzten Monate zeigt, daß von diesen hunderjährigen Neubauten noch heute was zu lernen ist: Architekten, auf nach Ostpreußen! Dort warten auf euch unbekannte Muthesius, Möhring, Frick und Scharoun — samt der ganzen Kölner Werkbundschau von 1914. Sonst… bleibt die „Heimat“, in Venedig oder anderswo, nur ein auf Pappwände genageltes Schild.


Mit diesen Worten begannen wir im Frühjahr 2016 mit einer Meinungssammlung, die sich bald den Namen der „2. ostpreußisch-kaliningrader Patenschaft gab.“

Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert