„Ein Stück Kulturerbe“

Die „Preußische Allgemeine“ widmet sich der Löbauer Präsentation des Scharoun´schen Möbels:

Eine Ausstellung in der Stiftung Haus Schminke in Löbau, Landkreis Görlitz zeichnet unter dem Titel „Schrankwanderung“ den ungewöhnlichen Weg eines historischen Schranks nach: Es handelt sich um einen Schrank des Architekten Hans Scharoun, der am Wiederaufbau Ostpreußens nach dem Ersten Weltkrieg beteiligt war. Die Ausstellung zeichnet eine Reise des Möbelstücks nach, die noch lange nicht beendet sein soll.

Nur ein Jahr, von 1924 bis 1925, konnten sich Scharoun und seine Frau in Insterburg an ihrem neuen Schrank erfreuen, dann trennten sich die Wege. Erst zehn Jahre später sahen sie ihn wieder: Ab 1935 stand das Möbelstück im Bremerhavener Haus seines Schwagers Hans Hoffmeyer, auch ein Werk Scharouns. Die Bomben von 1944 und die Besatzung ab 1945 folgten – erst 1955 gab es ein erneutes Wiedersehen der Hoffmeyers, Scharouns und des Schranks. Der letzte Besitzerwechsel war 1988.

Anfang 2017 übergab der Apotheker Gerd Welge den Schrank in die Obhut des Fördervereins Kamswyker Kreis und ebnete den Weg von Bremerhaven nach Löbau, einem Zwischenstopp vor dem heimatlichen Insterburg. Zwar steht das Ursprungshaus des Schranks nicht mehr – dafür soll die „Bunte Reihe“, Scharouns erstes eigenes Bauwerk überhaupt, dem Schrank im „Offenen Zimmer“ die rechte Bühne nach ihrer Restaurierung sein.

Der Berliner Architekt Dmitri Suchin, Vorsitzender des Fördervereins Kamswyker Kreis e.V. und Mitglied vieler anderer Fachorganisationen sowie der Kreisgemeinschaft Insterburg, eröffnete die Ausstellung. Neben Bildern aus den Beständen des Vereins und des Bildarchivs Ostpreußen wurden die des Scharoun-Archivs gezeigt. Der gemeinnützige Verein beschäftigt sich mit dem Erhalt des ostpreußischen Kulturerbes, vom Berliner Vereinssitz und von der Insterburger Stadtrandsiedlung Kamswykus aus. Seit Februar 2017 ist die in der Russischen Föderation einzige erhaltene Scharoun-Arbeit ein „Denkmal von bundesweiter Bedeutung“. Bereits 2014 war die Siedlung vom Europäischen Denkmalschutzverband „Europa Nostra“ zu einer der „meistgefährdeten Stätten des europäischen Kulturerbes“ erklärt worden. Ein Arbeitsplan des Kamswyker Kreises, von „Europa Nostra“ und des Instituts der Europäischen Investitionsbank wurde 2015 gutgeheißen.

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