
Am 11. Februar 2026 teilte das Landesdenkmalamt Königsberg mit, es seien Denkmalbereichsgrenzen festgesetzt worden für einige neu aufgefundene Kulturdenkmäler. Darunter auch für den «Bismarckturm (Architekt E.Kadereit)», 1913».
Eine unmittelbare Herausforderung für uns. So ging am 5. März ein Schreiben an das LDA raus:
…Die offesichtlich falsche Zuschreibung geht zurück auf einen Artikel von Gennadij Rasumnyj vom 24. Dezember 1991 («Ein Insterburger Architekt, nach Beiträgen des «Insterburger Briefes»)» […] die fraglichen Beiträge aus den März-Mai und September-Oktober Heften des «Insterburger Briefes» sprechen tatsächlich davon, daß Kadereit den Bismarck-Turm baute — lassen es aber offen, in welcher Eigenschaft er dies tat.
„Der König X erbaute eine Stadt“, ohne die Maurerkelle anzufassen.
„Der Bürgermeister Y baute viele Wohnungen“ — dergleichen.
„Neuer OP-Raum der Stiftung Z …“ — diese bezahlte sie, oder setzte sich für diese bei den Ämtern ein: wie unterscheiden?
Ein «Architekt erbaute» bedeutet je nach Situation, «Entwerfer» oder «Bauleiter». Beide sind von Belang, doch unterschiedlich in der Art.
Das «Baute», «Gewinner der Vergabeverhandlungen» oder «Steinsetzer auf dem Gerüst».
Die Originalbeiträge der 1950er wird Kadereit noch gelesen, womöglich freigegeben haben — doch sind sie unter Erinnerungen zu verbuchen. Aufschlußreicher wird uns die zeitgenössische sein. Etwa der «Bismarck-Bund», worin unser Turm 1913 drei Mal vorkam. Im Juni schrieb man:


Am 2. Juni fand unter dem Vorsitz des Landrats Overweg eine Sitzung des Ausschusses für die Errichtung des Bismarckturmes statt, in der Kreisbaumeister Schlichting mitteilte, daß sämtliche Baumaterialien bereits angefahren seien, so daß unmittelbar die Ausführungsarbeiten in Angriff genommen werden können, die dem Bauunternehmer Kadereit übertragen wurden.
Im November hieß es dann:


Am 7. September erfolgte unter großer Beteiligung die Einweighung des in Georgenburgkehlen errichtete Bismarckturms. [Gumbinner] Regierungspräsident Dr. Gramsch brachte das Kaiserhoch aus, die Festrede hielt der Vorsitzende des Ausschusses Landrat Overweg-Insterburg…
Valentin von Bismarck, Sohn des vorigen, verfaßte 1900-1937 eine Sammlung «Bismarck-Feuersäulen und Türme». Darin kommt ein weiterer Name vor: die Bauausführung lag in den Händen des «Regierungsbaumeisters Bode zu Kreuznach».
Zu den Titeln:
Ein „Landrat“ war damals wie heute Leiter der Landkreisverwaltung.
Sein „Kreisbaumeister“, zumeist im Range eines Baurats, unterschied sich dagegen vom heutigen Leiter des Kreisbauamtes. Er plante alle Eigenbauten des Kreises, seien es Schulen, Amtshäuser oder Brücken.
Ihm unterstellt waren „Regierungsbaumeister“. Den Titel bekamen Absolventen der Architekturhochschulen, die eine Zusatzausbildung zum Regierungsbauführer absolvierten.
Die Baustelle liegt außer Weichbild der kreisfreien Stadt Insterburg.
Der Baukommission steht der Kreisleiter Adolph Bölling Overweg (1875-1953, im Amt 1909-1918).
Vom Baufortschritt berichtet August Theodor Schlichting (1861-1944). Spätestens seit 1913 war er Insterburger Kreisbaumeister. In seiner Heimatstadt Altona war er bis 1900 als Architekt und Bauunternehmer bekannt, nicht aber als Amtstitelträger. Anders dagegen 1934, als die Bücher ihn als „Baurat im Ruhestand“ bezeichnen.
Der Auftragnehmer Emil Kadereit (1879-1970) ließ zu 1913 die väterliche Bauzimmerei bereits weit hinter sich zurück: Mauerwerk- und Eisenbetonbauten waren die neuen Betätigungsfelder. Kein Eigenentwurf ist von ihm bekannt; der Einweihung im Herbst könnte er wegen der „Affäre Friedel“ ferngeblieben sein. Er wurde aber freigesprochen.
Die tägliche Bauüberwachung war die Aufgabe von einem Herr Bode. Fünf Jahre später treffen wir ihn 1918 im heimatlichen Kreuznach an, nunmehr als einen Kreisbaumeister. Den üblichen Beförderungsstufen entspricht dies durchaus. Seinen Vornamen könnten wir indes nicht auftreiben.
Am 7. April 2026 die Rückmeldung:
Hiermit wird mitgeteilt, daß … der Bau als ein Ortsdenkmal eingetragen werde unter dem Titel: «Bismarckturm» (Architekt A.T.Schlichting)», 1913.
…
Hochachtungsvoll,
LDA-Leiter E.A.Maslow