Aus dem Roten Rathaus

Am 6. April 2026 tagte der künstlerische Beirat des Insterburger Magistrats zum Thema Gedenktafeln. Vom Kamswyker Kreis wurden dabei vorgestellt:


„Hugo Kaufmanns Entwurf [des Neuen Friedhofs] sah am Ende der Mittelallee, wo das Plateau zum Angerapp-Tal abbricht, eine überkuppelte Kapelle … vor — erbaut wurden sie nicht. Der Ort verlangt nach einer Silhouette, [und] eine Nachpflanzung, ein kugelkroniger Baum inmitten eines Reigens von spitzkronigen kleineren Bäumen, dazu die Bänke samt Erläuterungstafeln“ könnten dies sein, schrieben wir 2023. Eine solche Baumgruppe, den Siedlern Insterburgs gewidmet, wirkte gleich auf mehreren Ebenen. Kleinräumlich durch die Texte, parkweit auf die Mittelallee und großflächig in den Angerappbogen hinaus.
Die einzelnen Bäume könnte man den Siedler-Nachfahren zur Patenschaft anbieten.

An der Auswahl der Baumarten gab es erwartete Zweifel, doch insgesamt stimmte man für den Entwurf. Durcharbeitung folgt.


2024 schlugen wir vor, die Lücke zu füllen, am Alten Markt durch den Abriß des Kaufhauses von Wilhelm Daume hinterlassen. Des Stadtraumes wegen, als Grünanlagen-Umzäunung und als ein Geschichts-Merkmal. Ausgerechnet hier wurde zu Winter 1943 in den leergeräumten Daume-Sälen ein „bolschewistischer T34 als Beutestück“ gezeigt. Ein knappes Jahr später überrollten andere T34er die Stadt.

Vom weiteren Verbleib des ausgestellten Panzers ist uns nichts bekannt. In der Literatur, aber auch in den neugestalteten Geschichtsparks wird er nicht erwähnt.

Die 1930er-Schaufenster ließen sich leicht nachschweißen. Statt Glas setzen wir schmale Metallschwerter ein, quergestellt. Beim Blick über die Straße und aus der Tiefe des Alten Markts sieht man sie kaum – beim Blick entlang der Hindenburgstraße und vom Reisebus-Parkplatz dagegen bilden sie eine geschlossene Ausstellungswand. Darauf könnte so einiges stehen, des besagten Panzers inklusive.

Die Idee wurde an sich gelobt, der Standort jedoch angezweifelt: ein Zaunstück dieser Art vermag die Ecksituation kaum zu heilen. Eine Bebauung, 3-4 Etagen hoch, wäre da passender, ist aber kaum zu erwarten: neulich erst wurde die Grünanlage hier erneuert und verhübscht.


2023 schlugen wir vor, an der Ecke Königsberger Str.-Gerichtstraße Tafeln anzubringen, um an die Gefängniszeit der Priesterschaft der Bekennenden Kirche zu erinnern.

Der Anbringeort verschob sich seitdem: das Eckhaus war das Gericht, die Gefängniszellen waren dahinter, an der Ulanenstraße.
Form und Materialität wandelten sich auch, nunmehr sollen kreuzweise gerissene Eternit-Tafeln die Textträger sein. Der Text blieb unverändert.

Man zweifelte die Verständlichkeit der bloßen Namensaufzählung an und schlug vor, über ein Widerstands-Denkmal nachzudenken.


Im Jahre 2027 jährt sich zum 110. Male der Beginn der Insterburger Zeit Hans Scharouns. Es war von hier, daß er an der Gläsernen Kette teilnahm, den Aufruf zum farbigen Bauen mit unterzeichnete, mit den Tauts, Behne und anderen mehr Briefe tauschte, unentwegt zeichnete und baute — die Bunte Reihe ist ein Zeuge dessen.

Sinnvoll wäre es, im kommenden Jahre seine erste Insterburger Anschrift kenntlich zu machen, und an der Brandwand an der Schlenther Str. sein Porträt anzubringen. Gläsern-abstrakt, wie es damals Mode war.

Die einzigen Zweifel galten der Größe: reicht ein Bild von nur 2 x 2 Metern? Man beschloß, weiter zu gehen, und städtischerseits für die Ausbesserung der Brandwand zu sorgen. Scharoun´sche Motive sollen darauf.

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