Am 25. März wurde im Konferenzsaal der Burg Insterburg ein neues Projekt, „Bunte Provinz“ oder „Touristisch Insterburg“ der Öffentlichkeit vorgestellt.
Tourismus ist allgemein als eine der Entwicklungsprioritäten Nordostpreußens anerkannt, und von allen Städten und Kreisen der Provinz hat ausgerechnet Insterburg Stadt und Kreis das reichhaltigste Erbe an Geschichte und Kultur vorzuweisen. Hier gebe es Prussenburgen und Ordensschlösser, hier stehen Denkmale der Architekturklassik und der frühen Moderne — die Stadt kann und soll ein Kernpunkt im Tourismus-Cluster der Region sein. Man ist auch infrastrukturmäßig nicht schlecht aufgestellt: Hotels und Cafés, Museen und Verastaltungen stehen bereit, ein Mehrfaches des heutigen Tourismusstromes zu empfangen.
Doch etwas störe sie…
Die Störgründe sind viele, doch allen voran ist es ein Mangel an guten Meldungen aus der Stadt und dem Kreis, mangelnde Abstimmung der Tourismusverbände, die allgemeine Verwahrlosung.
Ist also alles schlimm und verloren? — Mitnichten, sagten am 25. März die Teilnehmer der Projektgruppe, und die Vertreter der Stadtverwaltung und Bürgervereine pflichteten ihnen bei: es gebe durchaus einen Ausweg.
- In wenigen Tagen werde eine Seite der „Bunten Provinz“ geschaltet, die für Tourismusverbände, Reisegruppen und Einzelreisende gebündelt Informationen liefere. Neben Allgemeinem zur Geschichte der Stadt, gibt es dort Hinweise zu den Sehenswürdigkeiten, besonders besuchenswerten Strecken, den Unterkünften, Gaststätten, Läden usw. Nachrichten werden dort publiziert und Veranstaltungen angekündigt, und auch für so manche Mär und Sage findet sich darin ein Platz.
Zum ersten Male wird sich Insterburg touristisch so geballt präsentieren.
Warum ist die Provinz «bunt»? — Alles ganz einfach: da gebe es in Insterburg die Elevatorenstraße, ehemals Bunte Reihe, ein Denkmal des „bunten Bauens“; die berühmteste Brücke in der Stadt, die Bogenbrücke über die Angerapp, heiße amtlich «Regenbogenbrücke», und es gebe sogar ernste Bestrebungen, sie einmal auch so zu tünchen (wird ein Tourist der Versuchung widerstehen, den Regenbogen zu besteigen?); unweit der Burg stand einst ein Krug und hieß nicht anders als die «Grüne Katze»; schließlich ist noch vielen die Großgaststätte «Regenbogen» in guter Erinnerung, auch wenn der Bau inzwischen abgängig.
Die Liste solcher Stadtsymbole kann fortgesetzt werden.
- Ein neuer Stadtplan ist im entstehen. Sie wird alle Häuser verzeichnen und ausweisen, was es an ihnen am Interessanten (bei Denkmälern) und Nützlichen (z.B. Post, Apotheke, Läden, Banken usw) gebe. Die Karte werde gedruckt und im Internet ausgelegt.
- Themenbezogene „bunte Wanderrouten“ liegen vor, die die „bunten Routenleiter“ mit ihren Touristengruppen begehen werden. Begehen, weil Insterburg dazu gebaut ist, erwandert zu werden, beim flüchtigen Blick aus dem Busfenster erkennt man die Stadt nicht. Erst zu Fuß spürt man den Geist der Stadt, zwischen den Kopfsteinen seiner Straßen und den Spitzen seiner Kirchtürme, an den Burgruinen und unter Alleen…
Eine eigene Route soll es auch zu Wasser geben, für Angerapp-Kanuten. Viele behaupten, es handele sich um den schönsten Fluß in der gesamten Provinz. In Groß Bubainen werde gerade die letzte Hand an der Bootsstation angelegt, zur Saisonbeginn warte sie dann auf die Wasserreisende.
- Im Alten Schloß gebe es ab Mai eine Touristeninformation: war man früher faktisch eine, so werde es jetzt amtlich.
Eine besondere Stellung nimmt in dieser Tourismusarbeit das „insterJAHR“ ein, und zwar in zweierlei Sinne. In einer Zeit, wo die meisten über die Beamtenwillkür klagen, die Stadt und die Regierung für den Schmutz auf den Straßen, die geschundenen Fahrwege und abblätternde Fassaden kschuldig machen, ist das inzwischen 3. „insterJAHR“ dabei Insterburg neu aufzurichten. Keine andere Klein- oder Mittelstadt Rußlands habe in den letzten Jahren eine solche Fülle von Forschungsarbeiten, Architektur-, Sanierungs- und Landschaftsentwürfen erlebt! Mehr noch, sie werden, wenn auch langsam, umgesetzt.
Das „insterJAHR“ vertrat Insterburg auf internationalen Konferenzen und Symposien, und erntete breiten fachlichen und öffentlichen Beifall als eines der erfolgreichen PPP-Projekte in Rußland.
Doch es gebe auch eine andere Seite an der Sache, die häufig übersehen: weit über 300 Studenten und Fachleute aus Rußland (Moskau, St. Petersburg, Kasan, Wladimir, Nischni Nowgorod usw.), Weißrussland (Minsk) und Westeuropa (Litauen, Polen, Lettland, Estland, Georgien, Deutschland, Ungarn, Frankreich, Niederlande) besuchten zeitens der „insterJAHRe“ die Stadt, arbeiteten hier und nahmen ihren Namen mit nach Hause. Insterburg ist in diesen Städten und Ländern inzwischen zum Hort internationaler Forschung und Praxis geworden — dabei ist gerade Bildungs- und Wissenschaftstouristik, Geschäftsreisen überhaupt eines der vielversprechendsten Felder in der Entwicklung der Tourismus-Cluster.
Besprochen wurden auch andere, nicht minder interessante Entwicklungen, die hier den Rahmen sprengen würden, aber allesamt bei der kommenden Königsberger internationalen Tourismusmesse «Jantour-2012» (12.—14. April) präsentiert werden: erstmals werde sich Insterburg den in- und ausländischen Reiseveranstaltern so voll und vielfältig zeigen.
Es gebe noch viel zu tun, und jeder Schritt werfe neue Fragen auf — doch auch die Lösungen sind unzählig und die Ansätze mannigfaltig. Sollten auch Sie einen Vorschlag haben, wie Tourismus in und nach der Stadt gestaltet werden könne, so schauen Sie einfach auf der Burg vorbei: Projektleiterin «Bunte Provinz», Wlada Smirnowa (+7-906-233-78-63), wird stets ein Ohr für Sie haben.




