Welke Riemchenschuppen

Königsberger „Westi“ sendet zu den Bauarbeiten in der Insterburger Sicherheitsverwahranstalt.

Eine kaum sachlich zu nennende Meldung:
da werden „aufgeschreckte Kleinstädter“, vielleicht sogar „Kleinbürger“, des Banausentums bezichtigt: die hochwertige Technologie der Fassadenriemchen sollt ihnen Angst und Schrecken eingejagt haben, bis zum völligen Selbstvergessen.
Stimmts?
Nun, urteilen wir selbst.
Da sind die besagten Riemchen. Und rechts die alte Fassade, die sie vermummen. Von ähnlichkeit keine Spur.
Daneben ein Gesims mit Zahnleiste. Und rechts das Bild dessen, wie sie unterm neuen Schutzmantel geschützt werden.

Ganze Wandabschnitte solcher Riemchen sind schon zweifach von den Fassaden geflogen — da darf man doch als kleiner Bürger fragen, ob es beim dritten Male nicht auch jemanden erwischt? Der Anlaß liegt dazu auf der Hand, um Bauphysik kümmerte sich beim Entwerfen keiner, die Wärmebrücken sind ohne Zahl, mit ihnen die thermischen Spannungen — auch die besten Riemchen halten dies auf Dauer nicht aus!
„Teuer“ ist bei weitem kein Ersatz für „gut durchdacht“.

Beschwichtigend sagt die Dame im die Kamera, die „Fachleute von dieser Baustelle“ hatten „schon mehrere solche Bauten“ ausgeführt — gerade dies ist der Anlaß zur größten Sorge: wieviele verunstaltete Bauten haben sie denn schon auf dem Gewissen?

Unsere Empfehlungen zum Ausbessern des Entwurfes gingen bereits am 9. Juli an die Denkmalaufsicht. Damals waren sie alle noch umsetzungsfähig, heute nur zum Teil — die Baustelle schlafe nicht! Einzig, auch Bauphysik schlafe. Und „die fremden Farben mit den Jahren / Platzen schuppenwelk herab, / Bis das, was das Genie gestaltet, / In alter Schönheit wieder strahlt.“
Puschkin wußte, wovon er schrieb.

Комментарии

Administrator 17.08.2012 в 12:07

Meldung am 17.08.2012 auf "archi.ru" wiederholt.

Administrator 09.07.2012 в 20:56

Empfehlungen und Bemerkungen zum BV Strafanstalt (im Auszug) Im Schutzstatut ist der Name Karl-Friedrich Schinkels nicht erwähnt. Die Denkmalbeschreibung beinhalte den Mittelbau, die Zellen für männliche Leichtverbrecher, das Direktorenhaus und das Eingangsgebäude. Das Inspektorenhaus, ein Gegenpart zum Direktorenbau, erwähnt sie nicht. Dies ist unbedingt nachzuholen, und auch die Höfe und die Gefängnismauer ist mit einzuschließen. Die späteren Zubauten an Direktor- und Inspektorhaus sind zu entfernen. Im Zustandsbericht sind die Mauerwerksfassaden als "schadhafte Putzfassaden" beschrieben: kein Wunder, daß ihre Behandlung nichts als fehlerhaft sei. Das originale Äußere ist unbedingt zu bewahren und die laufenden Arbeiten baldmöglichst zum Abschluß zu bringen. Sie sind keine Erneuerung, geschweige denn Rekonstruktion des Bestandes — sie sind ein "Sarkophag", eine für den späteren Abbruch gebaute Erinnerungshülle. Vor jedem Abbruch der Originalsimse usw. ist unbedingt abzusehen, auch sollten keine Befestigungsanker für die Dämmatten in diesem Bereich eingeschlagen werden. Bei den nachfolgenden Bauabschnitten ist die Dämmung innenseitig anzuordnen. Die Entwurfsblätter zeigen eine Rollschicht, wo einst ein Zwischengesims war. Dem Sockel wird eine ähnliche Behandlung zuteil, wobei seine Höhe die alte ums Dreifache übersteigt und zwar mit einem Rücksprung statt Vormauerung. Auch dies ist unbedingt zu ändern. Die Fugung des "Sarkophags" sollte die Zeichnung der Simse, Bänder und Fensternischen möglichst nah wiederholen. Ein Spritzschutzstreifen soll um die Mauern gehen und die Dränung neu verlegt werden. Ein Teil der Fassade ist als eine Art «Geschichtsfenster» einzurichten, eine gläserne Vitrine mit unverkleideten Altziegeln und der Ausstellung aller bauzeitigen Fünde (Laternenkonsolen, Gittern usw.). Im Inneren ist dies zu wiederholen (für Türen, Kleinteile und Wandbemalung), und ein weiteres Mal außerhalb der eigentlichen Gefängnismauern. Die nicht mehr genutzte Tordurchfahrt kann der geeignete Ort sein, von der Geschichte und Bedeutung des Bauwerks zu erzählen.

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