In der neugeschaffenen Spalte „insterJAHR-2010“ berichtet die Insterburger Zeitung „Polüs+TV“ von den heimatkündlichen Arbeit der Schüler. Im Nachstehenden ein erstes Ergebnisbericht von der Schule №1: sie haben ihre Nachbarschaft berfragt.
Die einzigartigen Häuser der Bunten Reihe haben die Zeit nahezu unverändert überdauert, allerdings zu einem Preis: seit 1945 gab es in ihnen keine Reparatur. Noch heute tragen sie die Kriegsblessuren, was die Bewohner verständlicherweise ärgere. Auf der anderen Seite freuen sich die Historiker und Architekturliebhaber farüber, denn hier gebe es eine Fülle an ursprünglichem Details, selbst die Eingangstüren sind teilweise noch alt, und am Putz sieht man hier und da Spuren der ursprünglichen Bemalung. Es ist durch sie, daß die Siedlung ihren Namen „Bunte Reihe“ erhielt.
Es schreibt eine Schülerin der Klasse 6 Ilona Schestakowa: „Meine Großmutter kam 1948 nach Tschernjachowsk, in der Bunten Reihe lebt sie seit 1961.Im Hause 19 lebte sie noch mit den Deutschen Bewohnern zusammen. Nach ihrem Weggang blieb die ganze Einrichtung: die Möbel, das Geschirr, einem großen Polstersessel haben sie gelassen. Alle Möbel waren aus Massivholz. In der Wohnung steht noch ein schöner Kachelofen mit deutschen Kacheln. Einst gab es auf dieser Straße Läden und Kioske, im Sommer wurden Zelte aufgestellt für den Eisverkauf.“
Die Schüler der 7. Klasse Julia Timoshina, Katia und Christina Nowikowa und Christina Kollodij führten in 10 Wohnungen eine Umfrage durch: „Viele Bewohner leben in ihren elterlichen Wohnungen, dort also, wohin ihre Eltern nach dem Krieg eingewiesen wurden. Diese, so sagt man, haben nach dem Krieg in Brunnen verstecktes Geschirr und dergleichen finden können. Früher gab es in der Straße einen Gemeinschaftsgeist, man ging zusammen daran, z.B. die Keller zu reinigen, oder die Büsche zu beschneiden. Jetzt gebe es dies nicht, die Hauseingängen sind schmutzig, alles verwahrlost, die Leitungen rosten… Einst gab es hier eine andere Hausnummerierung, die änderte sich, vielleicht im Zusammenhang mit der Volkszählung. Mit den ehemaligen deutschen Bewohnern hatte keiner Kontakt… In den Reihenhäusern beklage man sich darüber, daß die Häuser sehr leichthörig sind und daß die Rohre nicht mehr halten, doch ans Wegziehen denke keiner, in den Häusern hat man sich eingelebt und schätzt die Gärten sehr. Alle befragten begrüßen die Initiative, das architektonische Ensemble der „Bunten Reihe“ wiederherzustellen.“
Ruslan Schalaew und Eugenia Jakowenko tragen ein: „Wir haben seit 1947 hier und waren früher an den Elevatoren tätig. Beim Einzug in unsere Wohnung fanden wir deutsche Betten und ein Küchenschrank vor, schöne Möbel, die aber nicht mehr da sind. Im Gärten beim aufhacken gab es früher immer wieder deutschen Münzen, Zeichen oder auch Patronenhülsen. Das Haus ist des Winters kalt, die Rohre sind dahin und auch die Nachbarn hört man zu gut. Jüngst fand eine Nachbarin bei sich ein deutsches Notitbuchlein gefunden, behält es aber für sich. Die Häuser verfallen, doch an die Reparatur hat noch keiner gedacht.“
Als Fazit ihrer Befragung ziehen die Achtklässler Arthur Pozharitskij und Eugenia Kulikowa: „Die Bewohner erinnern sich, daß Treppen und Wohnungen blau und grün gestrichen waren. Im Jahre 1961 gab es in der Straße noch einen Backwarenladen. Unter der Tapete fand man häufig deutsche Zeitungen. Die Häuser verfallen, der Putz bröckele ab…“
Es bleibt zu hoffen, daß diese Arbeit der Schüler vom Gymnasium №1, die in der heimatjundlichen Gruppe „Poisk“ („Suche“) tätig sind, einen Signal gebe, das architektonische Erbe Hans Scharouns wiederherzustellen.
N.N. Komowa, Leiterin der „Poink“-Gruppe der Schule №1.
Dmitri Iljin, Mitglied des „Poisks“, Schüler der Klasse 8.