Das letzte der Ostbahn-Depots begann als eine Viehstation der Berlin-Schlesischen Eisenbahn; ab 1875 breitete sich auf diesen sümpfigen Feldern vor den Toren Berlins eine Güterstation der Ringbahn aus. Einen Teil dieser ausgedehnten Anlagen machte ab den 1. Juli 1879 die „Betriebsstätten-Inspektion Rummelsburg (bei Berlin)“ aus, der Rundschuppen Rummelsburg-I.
Schon 1881 baute man unmittelbar östlich der ersten Kuppel der Bauart Schneidemühl eine weitere, größere, für 21 Stände (jeweils zwanzig Meter lang) und drei Zufahrten. Mit der im Jahre 1884 eingebauten Drehscheibe von 16,5 Metern Durchmesser war die Kuppelanlage dem Technikfortschritt gewachsen; die westliche Kuppel mit ihrer kleineren Drehscheibe müßte sich inzwischen auf die kleineren Zugmaschinen beschränken.


(links, Rummelsburg-I, rekonstruiert; rechts, Rummelsburg-II, um die Jahrhundertwende)
Seit 1882 mit der Fahrstrecke der Ostbahn verbunden, verlor der Betriebsbahnhof seine Keimstelle, den ersten Zirkel, bereits in 1960. Wenige Jahre später endete 1964 der Dampfbetrieb (in 1979 verließ die letzte Dampflok die Hallen): die Station wurde zum Abstell- und Bereitsstellungs-Vorfeld des Ostberliner Hauptbahnhofs. Für das Kuppeldepot bedeutete dies im EG die Unterbringung der Lokleitung, des Personal-Disponenten und der Lokpersonal-Reserve; im Obergeschoß fanden sich die Kasse, der Betriebsgruppenleiter und ein Klassenzimmer — einst waren es die Wassertanks und darunter die Werkstätten. Die Unterschutzstellung erfolgte 1994, zusammen mit der Außerbetriebnahme der Depotbauten.
Die Ziegelmauern von Rummelsburg-II umfassen ein 60-Meter-Kreis: andere Rundschuppen dieser Serie sind allesamt kleiner. Auch die Befensterung ist hier anderes als z.B. in Schneidemühl, statt zweier Fenster mit Segmentbögen-Abschlüssen sind es in jedem Wandsegment ihrer drei, von etwa halber Breite. Statt 16 gebe es hier 24 Säulen mit kleinteiligeren Sockeln; sie bilden einen 30-Metern-Kuppelkreis.
Eine weitere Abweichung vom Typenentwurf stellen die Spannringe in den Kreuzungspunkten der Diagonalen der Kuppelfelder dar.
Wie alle anderen Depots büßte die Rummelsburger Kuppel die Abluftrohre ein, ferner sind die Fenster unter der Kuppel mit Profilblechen zugedeckt und die nicht mehr standsichere Deckung 2011 komplett abgenommen worden. Die Drehscheibe hingegen soll noch bestehen, wie auch die Tragkonstruktionen, die auch noch 130 Jahre nach ihrer Errichtung gut erhalten.
Die ehemalige Stadtrandlage wurde längst zum Industriegürtel und dann zum Innenstadtrand, doch die Inselstellung inmitten der Bahngleise verunmögliche jede Neunutzung — der bahneigenen Planung zur Folge soll der Rundschuppen einer ICE-Wartungshalle weichen.
Unter Verwendung von freundlich zur Verfügung gestellten Aufnahmen von Klaus Hamscher und Wilfried Wolff.

















Im September 2010 hat die Deutsche Bahn AG einen Abrißantrag zum Rundlokschuppen gestellt. Der Aufwand zur Instandhaltung wird seitens der DB als unzumutbar bezeichnet. Zudem stehe das Gebäude künftigen Investitionen, z.B. für neue Hallen, im Wege. Der Abrißantrag wurde von der Unteren Denkmalpflege Lichtenberg abgelehnt. In einer weiteren Stellungnahme hat sich das Landesdenkmalamt klar für den Erhalt dieses Denkmals ausgesprochen (29.10.2010): "Aufgrund der besonderen Bedeutung des Rundlokschuppens und weil dieser das letzte Exemplar im Besitz der Bahn AG ist, spricht sich der Landesdenkmalrat für die Erhaltung aus." Das Problem ist seine Lage. Er ist allseitig von Betriebsgelände und von genutzten Gleisanlagen umgeben. Brücken- oder Tunnelkonstruktionen, um freie Zugänge zu schaffen, sind nur theoretische Möglichkeiten. In №§8(1) des Berliner Denkmalschutzgesetzes heißt es: "Der Verfügungsberechtigte ist verpflichtet, ein Denkmal im Rahmen des Zumutbaren instand zu halten und instand zu setzen...". Was ist zumutbar? Inzwischen wurde das Dach der Kuppel, im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht, die ebenfalls durch den Eigentümer zu gewährleisten ist, abgedeckt. Stahlkonstruktion und Drehscheibe sind nun der Witterung und damit einem naturbedingten Verfall ausgesetzt. Natürlich kann die DB aufgefordert werden, das Dach wieder zu decken. Natürlich kann juristisch versucht werden, das Gebäude existieren zu lassen. Eine wirkliche Lösung ist es nicht. Was also tun? Die Bedeutung des Objektes ist unbestritten. Die Probleme zur Erhaltung sind es auch. "In Kenntnis der betriebsorientierten und damit in heutiger Zeit problematischen Lage ist sich der Landesdenkmalrat bewußt, daß der Rundlokschuppen aus Sicht der Bahn nicht mehr zu den betriebsnotwendigen Gebäuden zählt." Könnte eine Translozierung eine Lösung sein? Gibt es Orte an denen die Wiederaufstellung sinnvoll, d.h. mit einer adäquaten Nutzung verbunden wäre? Der Bezug zum Ursprungsort ginge in jedem Fall verloren. Das Objekt selbst aber, die Materialität bliebe erhalten. Bei einem geeigneten (Wieder)aufstellungsort könnten der Bezug zur Bahngeschichte und -nutzung möglicherweise ebenfalls erhalten bleiben. Die Hürden sind hoch. Das Objekt ist es wert. Er ist der vorletzte seiner Art auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Handlungsbedarf ist dringend geboten.