Seit mehreren Sommern bemalen junge Künstler die Mauern Insterburgs mit allerlei Motiven. Obligater Kant kommt vor, abstrahierte Stadtsilhouetten, zumeist aber allgemein freundliche Gesichter. Die Stadtinformation weist den Weg von Bild zu Bild — hätte dies aber auch in einer anderen Stadt machen können.
Bereits 2020 schlugen wir vor, ein Plattenbau an der Bunten Reihe mit einer Rekonstruktion derselben Bunten Reihe zu verschönern. Nun ein weiterer Vorschlag, ein Stück Gesichte, für den uns ein Ort fehlt. Denn wo genau die Insterburger Räte tagten, ließ sich bisher nicht genauer bestimmen. Es waren mehrere.
In Königsberg saß ein Arbeiterrat im Schloß, in Gumbinnen ein Arbeiter- und Soldatenrat in der Neuen Regierung. Ein Bauernrat ist dort auch überliefert, doch war er auch mit im Gebäude? Bürgerräte sind bekannt, im Reichsbürgerrat in Berlin zusammengefaßt, die „deutschen Volksräte“ in den Kirchspielen, gleich zwei reichsweit agierende „Räte geistiger Arbeiter“ in München und ein Arbeitsrat für Kunst in Berlin.
Zu Insterburg gründeten sich die Arbeiter- und Soldatenräte am 10. November 1918. Ein Kreisbauernrat, vor dem 30. November. Im Januar 1919 wurden hier eine „Konferenz sämtlicher Arbeiter- und Soldatenräte Ostpreußens“ abgehalten und eine Beratung der Soldatenräte des I., XVII. und XX. Armeekorps, aus denen ein „Ostpreußischer Provinzial-Arbeiter- und Soldatenrat“ mit 12 Mitgliedern hervorging und ein „Zentralrat der Ostfront und Ostprovinzen“ mit 10. Die Bauernräte waren nur als Beobachter beteiligt.
Die Ausrichtung des „Ostpreußischen Zentralrats“ war „mehrheitssozialistisch“. Kaum verwunderlich, daß die allgemeinen Wahlen vom August und September 1919 die Räte als Kontrollinstanzen über altkaiserliche Beamte entbehrlich machten. Sie lösten sich, mehr oder minder freiwillig, vor April 1920 auf. Der Arbeitsrat für Kunst hielt sich bis Mai 1921, der Rat der geistigen Arbeiter einige Wochen mehr.
Wir schlagen vor, an einer passenden Brandwand ein Bild anzulegen und eine Erläuterung dazu. Mit einem runden Bauernhut mit Seidenband, einem Melonenhut des Bürgerlichen, einem Soldaten-„Krätzchen“, einer Arbeiter- und Schiebermütze, einem Künstler-Barett und, zuoberst, einer Zipfelmütze des deutschen Michels. Etwa so:
