In der „Ostpreußen-Warte, Ausgabe 8-1959
findet sich eine interessante Aufzählung von Susanne Gissing zum Ursprung und Sinn ostpreußischer Nachnamen. Für unsere Zwecke sind sie nachstehend alphabetisch geordnet:
Albat — Abwandlung des litauischen Männernamens „Albas“
Albien — der kleine Albas (litauisch)
Adamczik — Adamsohn, polnisch
Adomeit — Adamssohn (litauisches „Adomas“=“Adam“)Baltruschat — Bartels Sippe (litauisches „Baltras“=“Bartholomäus“)
Bartoleit — Bartelssohn
Bernatzki — Böttcher (polnisch „bednarz“)
Besmehn — Schnellwaage (litauisch „bezmenas“)
Beyrau — schimpfen (bariau)
Bittihn — Bienenzüchter (litauisches „bite“=“Biene“)
Brassat — Brosius (aus litauischen „Ambrassat“=“Ambrosius“)Chlupka — Bäuerlein (polnisch „clop“, bzw. „chlopek“)
de la Chaux — von Kalkstein, hugenottisch
Dirschus — Riemen (litauisch „dirzas“)
Domscheit — des Klugen Sohn (litauisches „dumzius“=“kluger Denker“, „Ratsherr“)
Dorka — Pferdedecke (polnisch „derka“)
du Maire — von Meier, hugenottisch
Duscheleit — des Dicken Sohn (litauisches „duzas“=“dick“)Embacher — von Salzburger Abstammung
Endrissat — Heinrichs oder Heinrici (litauisch „Endrysas“)
Enderweit — Heinrichorter (aus litauischen „Endrius“=“Heinrich“ und „wietas“=“Ort“)
Engelien — Englein (mittelhochdeutsch „engelin“)Fornacon — Kalkbrenner, hugenottisch
Gallinat — der Letzte in der Reihe (litauisch „galinis“)
Gemballa — Mündchen, Mäulchen (polnisch „gebula“)
Genée — gequält (genee), hugenottisch
Grabowski — Grab, Weißbuche (polnisch)
Gramattke — Grammatiker, Gelehrter (polnisch „gramatyk“)
Gromelski — litauisches „gromuliuju“=“wiederkäuen“ im polnischen Gewand
Guttowski — fertig, bereit (polnisch „gotow“)
Gutzeit — Gute ZeitHofer — von Salzburger Abstammung
Jakubzig — Jakobsohn
Jankowski — Johann (polnisch „Janko“, „Jan“)
Jenett — Hanschen (Jeanette), hugenottisch
Jessat — Abwandlung des litauischen Männernamens Gesse (auf deutsch: „Schal“)
Juschka — JosefKadereit — Lumpenmann (litauisches „kadariai“=“Lumpen“)
Kaminski — Stein (polnisch „kamen“)
Karalus — der König (litauisch „karalius“)
Keiluweit — Kürschnerorter (litauisch „kailius“=“Kürschner“ und „wietas“=“Ort“)
Kempa — kleines Werder
Kemsies — Vielfraß (litauisch „kemßu“=“stopfen“)
Kinat — Schweineknecht (litauisch „kinis“=“Schweinelager“)
Konopatzki — kalfatern („konopaezyel“=“Fugen an Holzschiffen abdichten“)
Kornatz — Borkenkäfer (polnisch „kornik“)
Koslowski — Bock
Kowalewski — Schmied (polnisch „kowal“)
Krakuhn — Schwarzspecht (litauisch „krakis“)
Krapat — Krauter (litauisch „krapas“=“Kraut“)
Krauledat — Aderlasser (litauisch „krauleidys“=“zur Ader lassen“)
Krispien — Krauskopf (lateinisch, geht auf den Hl. Crispien zurück, den Schutzpatron der Schuhmacher)
Kulinna — Schneeballstrauch (kalina)Laskowski — Wäldchen (polnisch „lasek“)
Laurinat — Lorenz; Abwandlung vom litauischen „Liaurynas“
Lukat — LukasMaguhn — Schlafbank (litauisch „maigunas“); vielleicht auch Abwandlung des pruzzischen Männernamens „Mage“
Majewski — Plage, schwere Arbeit (russisch „maja“)
Mattern — mütterlich (vom lateinischen „maternus“)
Mazannek — litauisches „mazynikas“=“klein“, „sehr klein“ im polnischen Gewand
Meyhofer — von Salzburger Abstammung
Milewski — lieb (polnisch „mily“)
Mrowka — Ameise (polnisch „mröwka“)Nadolny — Unterländer (polnisch „nadolny“)
Naujoks — Neuling (litauisch „naujokas“)Obersteller — von Salzburger Abstammung
Obgartel — von Salzburger Abstammung
Odloschinski — Brachfeld (polnisch „odlug“)
Opalka — Korb
Oschkenat — Ziegenfleischer (litauisch „oßkiena“=“Ziegenfleisch“)Padeffke — Abgott, Götze (litauisch „padiewis“)
Padubrin — Filzhaar-Schopf (litauisch „patubis“=“Filzhaar“; „czubrine“=“Schopf“)
Pakschies — Nacken (litauisch „pakaßis“)
Pannapies — Fingerkuppe (litauisch „panages“)
Paprotta — Gewohnheit (litauisch „paprotys“) oder auch „Farnkraut“ nach dem polnischen „paproc“
Perkuhn — Gott des Donners (litauisch „merkunos“)
Petereit — Peter mit der litauischen Endung „eit“
Philippzig — Philippsohn
Piontek — Freitag
Podschus — Töpfer (litauisch „pudzius“)
Polfner — von Salzburger Abstammung
Potrek — Peterchen (polnisch „Piotr“=“Peter“)
Preugschat — Bräutigam; auch zweiter Ehemann (litauisch „preikßas“)
Puzicha — Pausbacke (polnisch „puca“)Quoß — unbedacht (litauisch „kwosus“)
Riedelsberger — von Salzburger Abstammung
Rimkus — ruhig (litauisch „rimoju“)
Rinnau — schlucken (litauisch „rynu“)
Rogalski — Hörnchen (polnisch „rogal“)
Rogowski — Horn (polnisch „rog“)
Rudat — Abwandlung des litauischen Männernamens „Rudaites“ (vielleicht aber auch von „rudä“=“Erz“, also „Erzarbeiter“)Salewski — Schierling
Schlobies — ersticken (litauisch „slobiu“)
Schneidereit — Schneider mit der litauischen Endung „eit“
Sinnhuber — von Salzburger Abstammung
Smetkus — fein, stolz (litauisch „smulkas“)
Supply — Abgerissener (litauisch „suplyßelis“)
Susat — der Nachbar (litauisch „susedas“)Tobien — Tobias (vielleicht auch von litauischen „tubinis“=“etwas von Filz Gemachtes“ oder pruzzischen Ursprunges)
Tolksdorf — Dolmetscherdorf (litauisch „tolk“=“Dolmetscher“)
Trostmann — Bürge, Helfer (mittelhochdeutsch „tröst“=“Vertrauen“, „Mut“, „Hilfe“, „Bürgschaft“)Uredat — Amtmann (litauisch „uredas“=“das Amt“)
Uschkoreit — 2. Ehemann; eigentlich „Aufbauer“, „Anzünder“ als Scherzwort gebraucht (litauisch „ußkuraitis“, „ußkurys“)Venohr — Jäger (vom lateinischen „venator“, bzw. „venari“=“jagen“)
Wartat — Wächter (litauisch „wartas“)
Weikies — schnell, flink (litauisch „waikas“, „waikus“)
Weller — 1., Former; der durch Wellen mit der Hand eine weiche Masse bleistiftförmig gestaltet (althochdeutsch „wellan“=“wälzen“; mittelhochdeutsch: wolgern); 2. Wähler (mittelhochdeutsch „welaere“ von „wellen“, „welen“=“erwählen“)
Weschkalnies — Am Bergpfad (litauisch „wezas“=“Abweg“; „kalninis“=“zum Berge gehörig“)
Wessolowski — lustig, fröhlich (polnisch „wesoly“)
Wieczorrek — Abendgesellschaft
Willimzig — Wilhelmsohn
Woytewitz — Dorfschulze (polnisch „wojt“)Zipplies — Gaffer (litauisch „zioplys“=“wer Maulaffen feilhält“)
Entspricht dem Forschungsstand von 1958!