Ein Appell an die Stadtverwaltung von Insterburg von Olga Sidorenko, Vorsitzende der Eigentümergenossenschaft Bunte Reihe.
Schön ist unser Poesiepark zu jeder Jahreszeit, des Frühlings aber ganz besonders. Auf den Wiesen blühen die Primeln auf, weiß, gelb und violett. Welche Augenweide nach dem Wintergrau! Die Kinder sammeln ihre ersten Frühlingssträuße, die Erwachsene erklären ihnen was was ist: hier die Anemone, dort die Glockenblume, ein Veilchen, ein Immergrün, einHuflattich…
Heute ist die Idylle getrübt. Inmitten der Schönheiten liegen Flaschen verstreut, Beutel aller Art, Müll und Abfall, Essensreste. Einiges läßt sich bis zum naheliegenden „Frieda“-Laden nachverfolgen, wo der „Besucher“ seinen Bedarf wohl gedeckt. Einst wohnte ausgerechnet in diesem Haus der Friedhofswart, denn unser Park war ein Waldfriedhof.
Vor Kurzem erst säuberten wir unseren Park, legten ein Blumenbeet an der Grabstätte von Frieda Jung an, stellten „Dichterbänke“ auf. Kinderturniere wurden gefeiert und Malwettbewerbe. Der Anblick in diesem Frühjahr war ein Schock: riesige Feuerstellen, darin die Granitfindlinge, die einst Friedas Blumenbeet rahmten – nun im Feuer gesprungen. Dazu die Reste von Autoreifen, die man darin abfackelte. Dazu die mächtigen Äste, vom Herbststurm liegengeblieben. Am schlimmsten aber war der Anblick der frisch aufgestellten Bänke, die nun teils abgesplittert, teils verkohlt da stehen, mit Farbe bespritzt – als wollte wer die Dichter schmähen, deren Namen und Wörter da eingeschnitzt sind.


Die eichenen „Dichterbänke“ fertigte Anatol Fesenko. Heute ein Rentner, ging er dereinst auf die (Pestalozzi-)Schule, wurde ein Arzt. Auf die Rückenlehnen jeder Bänke schnitzte der versierte Heimatkundler jeweils ein Vierzeiler hiesiger Dichter, sowohl aus der Vorkriegs- wie der Nachkriegszeit. Gleich drei Bänke sind dem Dichter und Schriftsteller Anatol Lunin gewidmet, dessen Familie hier in der Elewatornaja-Straße seit 1946 lebte. An seinem Geburtstag am 21. April besuchte seine Witwe Maria Andrejewna mitsamt einer ganzen Abordnung aus Königsberg jene „Lunin-Bänke“ – können Sie sich vorstellen, wie wir Anwohner uns dabei fühlten? Als die Besucher über Müllhaufen zu den verkohlten „Lunin-Bänken“ schritten?


Was sind es für Chaoten, die um sich herum alles zerstören und baumhohe Feuer legen? Wer legt ihnen das Handwerk? Sie kommen aus dem Zentrum, in der Dämmerung, und toben sich aus. Die Kinder und die Rentner, unsere „Aktiven“ der Parkreinigung, haben vor ihnen schlichtweg Angst, wenden sich an die Polizei – die aber weicht aus. So hieß es einmal auf unsere Meldung, in der Gegeng fahre man deswegen keine Streife, weil es keine entsprechende Vereinbarung mit der Verwaltung gebe. Einmal riefen wie nach der Feuerwehr, als eine riesige Flamme über die Kronen stieg – sie kam nicht.
Angesichts der fehlenden Parkbeleuchtung kann es selbst am Tage gefährlich werden. Zeugen berichten von Drogensüchtigen und deren Verstecken, nach denen sie nach Einbruch der Dunkelheit mit Taschenlampen wieder suchen. Kinder finden verbrauchte Spritzen.
Wir Anwohner geben nicht auf. Gemeinsam mit unserem Abgeordneten Herrn Puschkin planen wir, zu den bereits vorhandenen Fußball-, Volleyball- und Kinderspielplätzen noch einige Trainingsgeräte im Park aufzustellen; die Wippen hat Herr Fesenko bereits wieder in Gang gesetzt. (Pestalozzi-)Schüler leisten großartige Hilfe bei der Säuberung des Parks und waren gerade diese Woche mit einer 9. Klasse vor Ort: sammelten Müll, harkten die Feuerstellen weg, trugen die großen Äste heraus. Natürlich schaffte man nur einen kleinen Teil des Geländes, doch den Kindern, insbesondere den Jungs und ihrer Lehrerin Frau Jefimenko gilt unser Dank.


Seit dem Jahre 2020 gilt unser Gelände als ein Stadtpark. Demnach hätten spätestens 2021 Etatmittel bereitgestellt werden müssen, damit die Stadtreinigung im Poesiepark fegt usw. Auch die Polizei müßte sich zeigen und an unserem Stadtrand Streife fahren. Einige Laternen täten gut. Die Parkbäume sind über hundert Jahre alt, einige von besonders wertvollen Art, andere vom Austrocknen bedroht oder über jedes Maß hinausgewachsen: das müssen Fachleute herangeholt werden um wo nötig die Säge anzulegen, andernorts Ersatzpflanzungen vorzunehmen. Es muß auch die Technik ´ran, um die von Hugo Kaufmann vor dem Krieg eingezeichneten Wege wieder freizulegen.
Wohl verstehen wir, daß auf ein Mal nicht alles zu bewältigen ist, doch hier geht es um Fragen der elementaren Ordnung, um Vandalismus!