Anläßlich einer Projektvorstellung beim Moskauer Rotary-Club wurden die Planungen zur Insterburger Lehrwerkstatt УМ/LW nochmals zusammengefaßt.


Ausgangslage 1: die Provinz Nordostpreußen, unsicher ihres künftigen Seins. Was sind wir, vor allem heute, was nützen wir und was nützt uns? – keine Antwort ist befriedigend. Folge: Raubbau am Bestand, eigenhändiges Verbauen eigener Eintwicklungschancen, Abwanderung.
Ausgangslage 2: Sackgasse der baulichen Entwicklung im Ost und West. Die einen zeichnen geistvoll und scheitern an der Umsetzung – die anderen beherrschen alles Technische mit Finesse, stellen aber trotzdem nichts als Kisten hin.
In der Mitte trifft es sich?


Man trifft sich. Fachleute, Handwerker und solche in spe. Erforschen gemeinsam und bilden sich aneinander. Kehren heim und kommen zurück, nunmehr mit begründeten Entwürfen und befähigten Händen. Testen sich.

Auf daß von Insterburg, Königsberg, Gumbinnen und ganz Nordostpreußen ausgehe: wir können planen, wir schaffen es zu bauen, wir helfen uns und können euch helfen.
Eigentlich, ein Werkbund-Gedanke.
Unbestreitbar ist die Bedeutung der Architektur für die Neubelebung von Traditionen und kulturellen Zusammenhangs, in ganz Rußland. Unser Vorhaben verbindet aktive Erinnerung (1914, Arbeiten großer Architekten), Vorhandensein außergewöhnlich qualitativer Lehrbaustellen, Herausbildung ehrlicher Handwerkskunst als Grundlage ejnes „tüchtigen Staates“, aber auch von anständiger, da bewußter Architektur. Uns ist die Chance gegeben eine historische Stadt neu (oder alt-, aber vergessen) zu planen, zu testen, und die Ergebnisse in ganz Rußland anzuwenden. Uns treibt der Wunsch, hochwertige Bildung zu entwickeln, sie an Kinder und Enkelkinder weiter zu geben, den Bewohnern zu helfen, wirkliche Bürger zu werden, Bewahrer und Besitzer ihrer Stadt. Damit am Ende „russische Qualität“ ein Prädikat von Gewicht werde.
„Kamswyker Kreis“ gründet zu Insterburg (OPr) eine internationale Theoria-cum-Praxi-Stätte für Architektur und Bauhandwerk mit dem Ziele, wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchzuführen, Entwurfsseminare und Restaurierungsklassen usw. und die Stadtbewohner für sie zu gewinnen. Lokales Unternehmertum soll gestärkt werden, neue Produktionszweige entstehen, verantwortliches Bürgertum heranwachsen und die nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Auf daß es Schule macht in der gesamten Provinz Nordostpreußen, und auch über die Landesgrenzen hinaus.
Angeboten werden Lehrkurse im Architektur- und Städtebauentwurf, Restaurierung, altem Bauhandwerk: Zimmerei, Tischlerei, Steinmetzkunde, Leitungsbau, Dämmung, Bau- und Stadtbaugeschichte Ostpreußens. Kursleiter sind Dozenten der Denkmalakademie Görlitz, sowie die Fachleute aus Königsberg, St. Petersburg u.a. Verschiedene Gewerke und Planer an ein-und-demselben Projekt: die einen untersuchen, die anderen entwerfen, die dritten kritisieren, die vierten setzen um, die fünften bauen auf diesen Erfahrungen auf und beginnen mit neuen Projekten und Arbeiten. Der Austausch über die Grenzen hinaus und die Sonderkurse einzelner Fachformen runden dieses multidisziplinäre selbstverwaltete Ausbildungszentrum der Provinz Nordostpreußen ab.
Der Plan umfaßt:
- Aufbau eines Nachbarschaftszentrums mit Vortrags- und und Ausstellungsmöglichkeit
- Aufbau auf seiner Grundlage eines Lehr- und Restaurierungswerkstätte
- Durchführung von Reiseseminaren russischer und auswärtiger Hochschulen, von eigenen und fremden Entwurfsklassen, von Vorträgen und Ausstellungen sowohl für das Fachpublikum als auch für die Bewohner insgesamt
- Zwischen den Kursen, ein Residenzprogramm für Forscher und Jugendbauhütten, Stipendiaten
- Sammeln von Entwürfen behutsamer Erneuerung unserer und vergleichbarer Bauten in der ganzen Provinz. Aufstellen und Zugänglichmachen einer Datenbank
- Neuansiedelung vom Bauhandwerk, wie für behutsame Erneuerung erforderlich, Einsatz lokaler Arbeitskräfte und Einladung an Auswärtige.
- Lehrbaustellen, Erprobung von Entwürfen unter reellen Bedingungen der Stadt und des Umlandes. Entwicklung neuer Bautechniken auf Grundlage der historischen, baupraktische Erprobung davon.
- Förderung von Junggründungen
- usw.
Es wird angestrebt, deutsche duale Ausbildung mit entsprechenden russischen Kursen zu vermähen, als Zusatzausbildung usw.
Bei Erfolg der behutsamen Praktiken in Nordostpreußen können diese in ganz Rußland Anwendung finden. Die Zusammenarbeit mit Deutschland wird politikunabhängig gestärkt.
Das Projekt zielt darauf, Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen zu qualifizieren. Sie sollten deswegen peu-a-peu in die Praxis entlassen werden, nicht einzeln, sondern in bereits gut zusammenwirkenden Arbeitsgemeinschaften. Wir rechnen mit dreijähriger Handwerkerausbildung in Sommerklassen inklusive Praxis, zweijährigem betreuten Junggründertum, und zeitlich parallel ablaufenden Entwurfsseminaren. Nach fünf Jahren sollen die Lehrwerkstätten dauerhaft und eigenständig werden.
Erforderliche Ausgaben:
| Erwerb von Räumlichkeiten für den Unterricht und die Unterkünfte | 16.700 € |
| Reparatur derselben | 11.100 € |
| Durchführung von Lehrveranstaltungen / Vorlesungen | inklusive |
| Entsendung 20 Teilnehmern nach Deutschland | 14.500 € |
| Handwerkskurse (50–100 Personen, auf 3 Jahre insgesamt) | 366.700 € |
| Modellhafte Restaurierung eines Hauses | 111.100 € |
| Rücklage | 11.100 € |