"insterJAHR" hin, "insterJAHR" her: hü oder hott?

Unter diesem spannende Titel weist das Blatt „Prawo snat“, eine volle Seite dem Bericht Sergei Nedosekins zum noch nicht ganz abgeschlossener Projektsaison 2011. So viel Raum gab uns die Lokalpresse noch nie, doch sind alle Bemerkungen auch treffend?
Untenstehend der Text des Artikels, unsere Kommentare in den Einschüben.

Letzte Woche ging auf der Burg Insterburg der Praxisforum für strategische Regionalentwicklung zu Ende, ein Teil des «insterJAHR»-Projektes. Doch bevor wir zum eigentlichen Forum erzählen, lasset uns zurückblicken. Lange ist schon das «insterJAHR-2010» vorbei, auch das «insterJAHR-2011» gehe auf sein Ende zu, zwei Jahre Werken — was sind die Ergebnisse? Was gab das Projekt der Stadt Insterburg und den Bewohnern?

Viel wurde über ihn gesprochen, und auch jetzt lassen die lokalen und regionalen Medien nicht vom „insterJAHR“ los. Fast alle Drucke und Berichte über das großspurige und vielleicht sogar ambiziöse Projekt zeichnen sich durch hohe Phrase und ekstatische Hymnen zu Ehren der Veranstalter wie Teilnehmer aus.

„Großspurig“ soll das „insterJAHR“ sein und „ambiziös“? Doch worin, lieber Autor? Oder galt diese Charakteristik etwa den besagten „Hymnen“? Sie waren wenige, und jede einzelne war überflüssig. Wenn etwas, so drückten die die Unverständnis dessen aus, was sie besingen sollten. War unser Programm für sie etwa zu kompliziert?..

Lasset uns versuchen, diese Tradition zu brechen und einen kritischen Blick auf das Projekt zu werfen. Dabei ist „kritisch“ vielleicht auch schon zu gewagt. Wir werden einfach analysieren, war die Leistungen des Projekts seien, sofern es sie gebe, und was die Fehlleistungen, wenn es ihrer gibt. Es mag verfrüht sein, doch auch nützlich für die Veranstalter selbst, auch und gerade am Vorabend des Jahresabschlusses. Es könnte sie vom Lobgesang der Journalie loslösen und ihr eigenes Werk neu Beäugen helfen.

Unsere ständige Nachrichtenschau aller verfügbaren Nachrichtenmedien hat jüngst erst zum ersten Male ein Bericht ans Land gebracht, in dem es nichts zu berichtigen gab; davor blieb bei mancher Passage kein Wort auf dem anderen stehen. Solche Gesange höre man überaus ungerne — es ist erschreckend, wie falsch unsere Journalie das Gesagte wiederzugeben vermag.

Was könnten die Veranstalter und Teilnehmer des „insterJAHRes“ erreichen und was nicht? Warum geschah etwas so und nicht anders? Lasset diese Fragen einmal im Raum stehen, für alle: die Veranstalter, die Teilnehmer wie die Zuschauer. Für uns Journalisten sollte aber die Frage lauten, on es sich wirklich lohne, das „insterJAHR“ weiter nur in Samthandschuhen anzufassen, ihn von den Kritikern zu beschützen. Möge man mit mir auch nicht einer Meinung sein — einen Anspruch auf letzte Wahrheit erhebe ich keinesfalls, meine Aufgabe ist eine andere: die Zuschauer wachzurütteln und sie zu aktiveren Arbeit am Projekt zu animieren.

Hier müssen wir dem Autor unsere Hand reichen und eigenen Mißerfolg bekennen: trotz aller Mühen war es uns nicht gelungen, lokale Kräfte in ausreichender Zahl herauszuarbeiten — irgendwie greife unser Tun vorrangig in der Ferne. Auf einen Dutzend Angereiste komme bestenfalls ein Lokaler, so bitter klinge die Statistik.

Was also bekam die Stadt und die Bewohner für die halbe Million Rubel, die man dem „insterJAHR“ aus dem kommunalen Haushalt bereitstellte? Beim internationalen Architekturkolloquium des vergangenen Jahres präsentierte der Projektbeauftragte Dimitri Suchin die ganze Schönheit des architektonischen Erbes der „Bunten Reihe“ in der Elevatorenstraße, eines Werks des bekannten Architekten Hans Scharoun.

Gemeint ist wohl sein Geschichtsvortrag — die Rekonstruktion des einstigen Antlitzes der Häuser erfolgte erst später.
Den 2010-Finanzbericht des „insterJAHRes“ finde man im Netz.

Seit einigen Monaten schon hängen im Erdgeschoss der Stadtverwaltung die Arbeiten der Architektur-Studenten, die das Projekt in diese Straße schickte. Jeder kann sehen, wie schön es wäre, die Häuser in der Elevatorenstraße einmal restaurtiert zu bekommen. Dieselben Studenten haben für jedes Haus Projektdokumentationen erstellt, eine kostspielige Aktion, die unsere Stadt, dem „insterJAHR“ sei gedankt, kaum einen Pfennig kostete. Doch um das Erbe Hans Scharouns tatsächlich wiederherzustellen bedarf es mehr an Geld, und dieses sei im Stadthaushalt weder Heute noch Morgen zu finden. Zeitens des Kolloquiums bekam ich übrigens von einer der Bewohner derselben Straße zu hören, daß es doch am Besten wäre, wenn die Deutschen der „Bunten Reihe“ wieder ihr altes Äußere verpaßten — und das auf eigene Kosten.

Weder die „Bunte Reihe“, noch irgendetwas anderes werde vom „insterJAHR“ dem Stadthaushalt aufgebürdet: alles Arbeiten sollten die Bürger erledigen und sogar einen Gewinn davon ziehen! Vertrauen auf fremde Philanthropen schade hingegen nur: für solche Wohntat werde der Beschenkte keine Eigenverantwortlichkeit entwickeln können, keinen — Bürgersinn?
Und ist dieses jemandem noch nicht ganz klar, so ist dies etwa keine Herausforderung an einen wahren Journalisten? Der Autor selbst spreche wenig später darüber.

Die Tage bekam ich gar von einer vertrauenswürdigen Quelle zu hören, die Bewohner der Elevatorenstraße warten stets noch aufs Kommen eines Erlösers, der ihnen nicht nur Geld spende, sondern auch die Restaurierungsarbeiten an der „Bunten Reihe“ in den Weg leite. Das sei es, was wir am Ende bekommen: einerseits, etwas Positive sei da, doch andererseirs habe man allen Grund zu glauben, daß dies alles nur Papier bleibe. Dafür spreche auch dieses: im Rahmen des „insterJAHRes“ gab es auf der Elevatorenstraße eine Weile lang einen Kinderclub der jungen Architekten. Die Jungs waren mit Freude kreativ, bastelten an den Häusermodellen. Leider ging die gute Idee kläglich zu Grunde: der Klub war eine Basisinitiative, die Lehrerin bezahlte für die Materialien aus eigener Tasche, und diese war nicht bodenlos. Wo sich keine weiteren Sponsoren fanden, hörte der Klub auf.

Eine seltsame Folgerung, als ob das Kommen russischer wie ausländischer Fachkräfte zum Erstlingsprojekten des „insterJAHRes“ kein Beleg dafür wäre, daß man durchaus vorzeigbar am Werke sei? So fand man auch den Hausmodellen und Zeichnungen junger Architekten ein neues Zuhause im geplanten „Offenen Zimmer“; dort werden sie auch nicht so jämmerlich frieren wie im letzten Jahr.
Wie sollen alle diese Schritte etwa belegen, daß „alles nur Papier bleibe“?

Desweiteren konnte das „insterJAHR“ ein paar Häuser in der Goldaper Straße aufmessen, auch dies durch Studenten. Diese sind die Grundlage für Projektdokumentationen. Noch fehlen die Aufmaße, doch sind die Studenten ein verbindlich Völkchen und werden dies bestimmt nachholen und die Dokumentationen erstellen. Auf einem anderen Blatt stehe, ob es zu einer Restaurierung komme, denn auch dafür brauche man wieder Geld, und dieses, wie bereits erwähnt, gebe es weder in naher, noch in ferner Zukunft. Unlängst habe Andrej Demin, als er noch Stadtdirektor war, bei der Stadtratssitzung noch stolz verkündet, einen ganzen Tisch habe er mit studentischen Projekten voll, die ihm das „insterJAHR“ einbrachte. So mag es auch sein, doch ist ein Projekt eines und seine Verwirklichung etwas ganz anderes. Den Stadtbewohnern ist es doch egal, wieviele Projekte der Stadtdirektor auf seinem Tisch stapele, sie bewerten sein Tun und greifbare Ergebnisse. Vielleicht wäre es für die Amtsleute an der Zeit, einmal die Ärmel hochzukrempeln und dasjenige aus dem gesammelten Papiermeer herauszuholen, was bei niedrigsten Kosten und Bürgerbeteiligung sich umsetzen lasse? Statt Beamte besenbewappnet zum Subbotnik zu hetzen, einmal mit den Bürgern gemeinsam ein Studentenentwurf Realität zu machen? Der Sauberkeit in der Stadt mache dies keinen Abbruch: fürs Fegen gebe es schließlich die Stadtreinigung und die Hausverwaltungen.

Wohl sind die Dokumentationen aus diesem Jahr bereits eingereicht, und auch die letztjährigen haben schon ihren Weg ins wahre Leben gefunden, so an der Goldaper oder der Forchestraße, und es ist durchaus so gemeint, daß es an den Dokumentatiossätzen mehr gebe, als der tägliche Bedarf es erfordere. So kann ein Aufmaß erst in Erstellung sein, ein weiteres in der Warteschleife und ein drittes schon in der Umsetzung begriffen…
Dabei sind die Dokumentationen nie Projekte. Auch den „Bunte Reihe“-Konzepten, dem Park, der Schwedler-Kuppel, dem Kanal und so einigem mehr stehe diese Phase noch bevor.

Ein weiteres Plus fürs „insterJAHR“ ist der Entwurf zur Wiederherstellung eines gebauten Symbols für Stadt und Kreis, des berühmten Bismarckturmes. Alle Papiere, auch diese von den „insterJAHR“-Studenten vorbereitet, sind bereits auf Sponsorensuche… und auch diese betreiben sie im Ausland. Das kann ja Gründe haben, wo doch wir keinen Geld haben, doch auch dieses habe einen Haken. Wiederaufbau hin oder her, doch ohne geregelten Landbesitz könne sie nicht. Dies ist eine unmittelbare Aufgabe für die Stadtverwaltung, doch in ihren Büros regt sich nichts. So komme es, daß auch wenn die Finanziers sich fänden, die Umsetzung des Sanierungsprojektes aufgrund dieser Technikalie nicht stattdinden kann.

Der Turm vermöge es, die Leute um sich eigenhändig zu scharen — da ist es ohne jeglichen Belang, daß die ersten Interessierten keine Nordostpreußen waren. Ein jeder arbeite mit — so und nicht anders werde aus dem Turm ein „Wahrzeichen der Stadt und des Kreises“!
Kein Wunder, daß die Stadtoberen keine Regung erkennen ließen: der Turm stehe nicht auf städtischen Grund. Seine amtlich richtige Ordnung habe der Kreisleiter Juri Kowylkin uns hocheitlich versprochen.

Nahezu alles, was die Medien herbringen, spricht davon, daß das „insterJAHR“ von der Stadtverwaltung unterstützt werde, doch überspitzt gesagt zeige sich bisher diese Unterstützung nur in der Größe des Auftretens. Vieles wurde in Auftrag gegeben, doch mit der Umsetzung hapere es, die Arbeitsergebnisse wandern bestenfalls in die Ablage.

Was die Stadt beauftrage, setze sie auch um; alles weitere, und das sind die schwierigsten Fälle, wähle das „insterJAHR“ selbste aus. Und werden die Zeichnungen nicht umgehend umgesetzt, so geschehe das mit Sinn. Was die amtliche Unterstützung anbetrifft, so ist die wohl dokumentiert, wenn auch nicht bis auf den letzten Telephonat und letzte Eingabe — dabei sind es diese, die den gros der amtlchen Unterstützung ausmachen.

Wenn im Oktober auf der Burg die traditionelle Forschungskonferenz steige, werden die Landschaftsgestalter ihr Entwurf für die Stadtpark-Sanierung vorlegen. Hoffen wir, daß diese Burgveranstaltung mehr Zuhörer und Teilnehmer anziehe als sonst, daß alle interessierten Insterburger kommen, um was zu sehen und zu hören. Vielleicht werde ihr Auftreten die Beamten animieren, das vorgelegte umzusetzen. Dann wird der Parksanierung das Ablagen-Dasein erspart.

Eile schade, wie die Parkgegenwart es belege: war nicht die Firma „WestStyleInvest“ eilig, schon in 2008 die Baureife ihres Parkentwurfes zu verkünden? Mit äußersten Mühen gelinge es uns nun, ihre Eile wieder ins Lot zu bringen.
Kommen die „interessierten Insterburger“, wirklich alle, fasse sie weder die Burg noch die Bibliotheksaula. Mit der letzteren hatten die Münchner und Dorpater Landschaftsarchitekten bereits Erfahrung, denn bei der Vorstellung ihrer Konzepte war die Aula gut gefüllt.

Eine merkwürdige Veranstaltung gab es im „insterJAHR“ im Juli, eine Ausstellung des neuen Denkmals für Iwan Tschernjachowskij. Ich bin wirklich im Grübeln, ob dies auf die Positiv- oder die Negativliste gehöre. Gut sei wohl nur, daß die Veranstaltung nunmehr vorbei sei. Vom Rest mache sich jeder selbst die Meinung, den Sinn der vorgestellten Projekte eines neuen Denkmals begreife, wer will und kann. Gewisse Substanzen werden da förderlich sein, bei all diesen schwarzflügeligen Engeln, die über der Stadt schweben; den gepanzerten Zentauren, reif für ein Computerspiel — wenn sie ein Ausdruck der Phantasieflüge sein sollten, so einer äußerst krankhafter Form ihrer. Der Arme Iwan Danilowitsch wäre ganz außer sich, hätte er sich selbst in so bunten Blättchen wiedererkennen sollen! Da lohne es such, auf einen „insterJAHR“-Teilnehmer zu hören, der an diesen Projekten nicht mit von der Partie zwar: „Schön, daß diese Ideen die Burgmauern nicht verlassen“, meinte er, und zwar wörtlich.
Ich glaube, ich schließe mich diesem Urteil an.

Eine wahre Geschichte:
Bei der Sitzung des Denkmalrates stand die Frage nach der Gestaltung der Stadteinfahrten auf dem Programm. Schnell flogen die Wörter „Triumphbogen“, „Wappenobelisk“ und andere mehr in den Raum, ganz wie die Sowjettradition der Monumentalistik es vorgab — wollen wir es wirklich mit denen annehmen? Vor der Stadt ein Protztoraufbauen, wie jüngst in Grosnyj, die granitenen städtischen Auszeichnungen oder einfach den Stadtnamen — aber in meterhohen Betonbuchstaben: wäre ein Symbol am fernen Horizont nicht viel besser als all dies?..

Gehen wir nun zum Praxisforum für Regionalentwicklung über. Er begann seine Arbeiten am 9. August und dauerte 10 Tage. Die Ausrichter waren die internationale „Progressor“-Gemeinschaft, die Minsker „ArchDepot“-Schule, das Zentrum für angewandte Kulturwissenschaft und die Burgstiftung (beide Insterburg). Die eigentliche Arbeit lag den „Progression“ ob, den Menschen, die den anderen helfen, ihre Ideen in Projekte zu formen und einzuordnen. Soll heißen, daß ein jeder, beschwingt und willig, seine Stadt besser zu machen, unter der Anleitung erfahrener Berater seine formlose Idee in ein Projekt verwandeln konnte. Solcher Projekte gab es während des Forums ganze fünfzehn. Sie aufzuzählen ist hier mußig, lassen Sie uns von etwas anderem reden.
Unmittelbar nach der Video-Präsentation der Projekte hatten das Publikum Gelegenheit, diese zu Bewerten und seine Interesse an einem oder anderen zu bekunden.
Das Ergebnis dieser Abstimmung blieb mir, um es milde auszudrücken, rätselhaft: die meisten Stimmen fielen auf den Segel-Flotten-Projekt, vorgestellt vom «Royal Clipper»-Kapitän Sergej Tunikow. Offenbar zog die sagenhafte Romantik der Hochseefahrten die Anwesenden kräftig in ihre Bahn, und raus aus dem Alltag.

Falsch: die Urabstimmung hatte folgende drei Sieger, in absteigender Reihenfolge:

  • „Zentrum lebendiger Geschichte“ mit den Jugendwerkstätten
  • „Stadt der Kinder“ mit den neuen Spielplätzen
  • „Offenes Zimmer“, Klub und Künstlerresidenz
  • Die Aufzählung mit dem Clipper vornedran wiederhole übrigens den Aufbau des „Polüs+TV“-Artikels einige drei Tage eher, nur daß bei Marina Deneschkina die Abstimmung nicht vorkomme.

    Mag ja sein, daß irgendwann in der fernen Zukunft Insterburg einen Werft bekomme, wo Brigantinen und Schaluppen zu Wasser gelassen werden, mag ja sein… Doch bald wird es nicht!

    Inmitten der Königsberger Juwelierschule, des Tilsiter Wandertheaters, des Georgenburger Kinderlagers und der Insterburger Werkstätten steche ein Projekt wirklich hervor — da ist es ein Leichtes, sich über ihn lustig zu machen. Unschwer ist es auch, sich auszumalen, was passiere, wenn einmal der letzte „Krusenstern“, „Sedov“ und „Mir“ außer Dienst gestellt werde.
    Einen Werft schlug übrigens keiner für Insterburg vor.

    In der Zwischenzeit könne man wenig mehr Aufmerksamkeit den erdverbundeneren Idee widmen, so zum Beispiel dem Wandertheater „Art-Mission“, von Juri Kusnetzow und Irina Salajewa vorgestellt. Es gehe um den Bau eines mobilen Theaters zwecks Kulturarbeit in den abgelegenen und schwerzugänglichen Kreisen im Osten der Provinz. Die Skeptiker mögen zweifeln, wozu ein Dorf ein Theater brauche, und ob überhaupt, doch man brauche ihn wirklich! Nicht zum ersten Mal ziehe das experimentelle Tilsiter Studiotheater „Eine andere Möglichkeit“ durch die Lande, und stets ist der Erfolg seiner: in den Dörfern wartet man auf die Truppe und genießt ihr Werk.
    Doch bei der Abstimmung kam das Wanderprojekt auf magere zwei Stimmen.

    Jeweils zehn Stimmen bekam Anna Mamajewas „Stadt der Kinder zu Insterburg“ und Alexej Jalowojs „Georgenburg-Zentrum für lebendige Geschichte“. Meiner Auffassung nach sind die beiden Projekte keineswegs schwärmerisch, sondern bieten genügend Raum für praktische Umsetzung des Potenzials sowohl der Autoren wie auch der weiten Bevölkerungskreise. Anna Mamajewa schlage vor, unter Heranziehung der Insterburger Bewohner einen Kinderspielplatz neuen Formats auszudenken und zu bauen.

    Die „Kinderstadt“ Anna Mamajewas beschränke sich keineswegs auf einen einzelnen Spielplatz, nicht weniger als ein Dutzend sollte es sein, flächendeckend in ganz Insterburg!

    Alexej Jalowojs Vorhaben ist ganz ausgeprägt gemeinnützig: ihm gehe es um die Hanwerksausbildung der Jugend in den Werkstätten der Burg Georgenburg. Wirklich beklagenswert, daß sie nicht zu den Siegern der Abstimmung wurden. Offenbar hatte das Publikum mehr Spaß daran, den Wolkenkuckucksheimen nachzulaufen — wirklich Schade!

    Doch im Groben und Ganzen kann das Praxisforum sicher zu den Erfolgen des „insterJAHR“-Projekts gezählt werden. Wenn nur die Bürger mehr Interesse daran zeigten! So aber müsse man mit dem haushalten, was da sei.

    Was haben wir nun in den Bilanzen. Ja, das „insterJAHR“ rechne sich.
    Es funktioniert und bringe Ergebnisse hervor.
    Nicht alle von ihnen sind sofort sichtbar, doch derer gebe es, und das zählt. Die Tatsache, daß die Mehrzahl der „insterJAHR“-Projekte unverwirklicht sei, ist nicht der Veranstalter Schuld. Warten wir nur ab, vielleicht greift in fünf oder zehn oder zwanzig Jahren eines von ihnen doch: auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Dabei ist es durchaus möglich, diese Wartefrist zu verkürzen, nötig sei nur, daß die Bürger weniger abwartend wären und ihr Warten aufs kommende Schlaraffia ablegten. Mit „insterJAHRes“ Hilfe ist es im Grunde jedem möglich, in seiner Stadt etwas zum Besseren zu wandeln, anstatt zu warten, bis es ein jemand anders für einen tue. Selbstredend sollte die Stadtverwaltung alles tun um sicherzustellen, daß die „insterJAHR“-Ergebnisse von bloßen Imponiergeprotze ob der vielen Plankilometer, die man besitze, für die Bewohner und Besucher greifbare Realität werden.

    Gemeinsam an einem Strang: einfacher Bürger und nicht-so-einfacher Bürger auch, Reporter, Experte und Interessierter — bauet auf!

    Antwort schreiben

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert