Eines der Berichte der Wochenumschau von Artem Pawlow ist heute dem Treffen europäischer Architekturstudenten zu Insterburg gewidmet. Was bringe sie, die schon Danzig, Marienburg, Allenstein und Elbing hinter sich haben, ins triste Insterburg? Schlägt etwa hier das architektonische Herz Nordostpreußens?
Wohl folgte es in diesem Jahr Schlag auf Schlag: im Mai, die öffentliche Vorstellung der Programme vor Ort und in Moskau; im Juni (nicht etwa April!) das internationale Fachkolloquium zur Denkmalpflege, darauf ein Zweimonats-Praktikum Kasaner Architekturstudenten, aus deren Feder der erste Sanierungsentwurf der Scharounschen «Bunten Reihe» stammt, im Juli, die Raumexperimente des „Insterfestes“, im August standen mit den Petersburger Landschaftsarchitekten die Grünanlagen an der Reihe, die zeitweilig letzten in demselben August waren die Gesellschaftsplaner der „Lokalisierung“-Werkstatt.
Wohl sind es die ersten Schritte: wo bringen sie uns hin?
Leicht ist es, einen Schutzantrag an die UNESCO zu stellen — wird sowieso angelehnt.
Leicht ist es, Studenten aus halb Europa zu sich ins Haus zu laden — man brauche sie nur zu füttern.
Schwieriger, aber auch richtiger ist es, sich selbst zu fragen, wie man eine Stadt wie Insterburg zum neuen Leben erwecke, wie die klaffenden Lücken in Stadtganzen schließen, wie die alte Vorkriegsbebauung mit der nunmehr auch in die Jahre gekommenen alten Sowjetbebauung und der neusten Einfügseln versöhnen. Die eigenen und die fremden Augen weit aufgerissen, erkennen wir erst, welche Schätze wir mit den Füßen treten, packen an — das ist die Lösung, auch wenn wir vielleicht anfänglich nur an den ausgewählten Versuchsplätzen wirksam sind.
Denn sind diese recht gewöhnt und einmal gelöst, werden sie ihrerseits die ihnen benachbarten Häuser und Flächen und Plätze „befallen“, und letztlich die ganze Stadt mit dem Selbsthilfe-Bazillus infizieren.
„Doch warum ausgerechnet Insterburg zum Brennpunkt solcher Architektenbewegungen wurde?“, trat man an den Königsberger Kulturologen Alexander Popadin heran.
„Es liege an den Leuten, die die Stadt ausmachen“, so seine Antwort. „An ihren Initiativen, an ihren tätigen Wunsch, ihr Leben eigenhändig zu verbessern, an ihrer Bereitschaft, mit den Ämtern zu arbeiten, denn gegen die Ämter schaffe man derlei kaum. Vom Orte selbst müsse ein Wunsch ausgehen, Gewesenes wieder in Gebrauch zu setzen, sonst stünde es auch heute noch brach da, und wagte es nichteinmal zu träumen, wie schön es doch wäre, wieder zu leben, wieder zu sein.“
Hier wird Insterburg den anderen Städten Nordostpreußens in der Tat ein wenig voraus sein.
Wird die Stadt ihre Führung ausbauen können und den anderen, gar der Provinzhauptstadt als Muster dienen? — es liege an allen Beteiligten, ob zu Insterburg geboren oder mit Insterburg verbunden, an allen Zuschauern des Senders „Rußland 1“ und allen Lesern dieser Zeilen.