„insterJAHR“ steht für alte, vielleicht schon abgegriffene, doch unveränderlich wahre Wahrheit: geistiges und materielles Erbe vergangener Generationen ist mehr als bloßes Museumskram, Arbeiten an ihm — mehr als Realitätsverweigerung. Unendliche Schätze liegen hier verborgen und können — ja sollen! — zur Verbesserung des jetzigen Lebens, zur Quelle neuer Ideen, zum Einsatzort fleißiger Hände werden.

Durch Zufall, Schicksal, Einsatz selbstloser Enthusiasten behielten die Städte Nordostpreußens eine einmalige Sammlung architeltonischen Erbes von wahrlich internationalem Rang, und zudem noch eine weitestgehend unbekannte Sammlung. Hier kann man ab Objekt Theorien und Schulen kennenlernen, die sonst reinste Retortenkinder geblieben wären, hier kann man entdecken, erforschen und weiterführen. Weit besser als ein wiederholtes Praxisseminar auf dem Schulhof — sommerliche Praxen in Tschernjachowsk!

Bauen in Ostpreußen zeichnete sich schon seit dem Mittelalter durch einen erhöhten Fertigungsgrad aus: fertig ausgearbeitet wurden hier jeweils neuste Architektur- und Städtebautheorien verpflanzt, angewandt — und vergessen. Andernorts wurden sie weitergeführt, hier hingegen blieb man bei der Urform, und hing den Vorjahresmoden nach, die dann Moden des vorigen und vorvergangenen Jahrhunderts wurden — bis letztlich die neue Zeitenwende sie nicht wieder neust und modernst erscheinen ließ.
So erging es im 18., 19., und auch im angehenden 20. Jahrhundert: damals zogen die einen in die Provinz, um sich von den Ordensburgen inspirieren zu lassen, die anderen sahen Neues aus den paternalistischen Dorfkolonien Friedrichs den Großen kommen, die dritten begeisterten sich für die anonymen Architekturen kleiner Provinzstädte. Am Beginn des 21. Jahrhunderts lädt Tschernjachowsk Architektur- und Bau(hoch)schulen ein, sich an den drei Pilotbereichen zu versuchen: zum Erforschen, Erlernen, Dokumentieren, Erfassen und Besprechen —
- an der Bunten Reihe Hans Scharouns, erbaut 1921—1924
- am Stadtpark Hugo Kaufmanns, angelegt 1925—1928
- am Bleichepark Sergej Röhrichs und Oxana Melüschkos, aus den Jahren 1999—2000
Ihnen stehen örtliche und über-örtliche Fachleute mit Rat und Tat bei.
Sommerliche Praxisseminare bringen mehr, als bloße Erfüllung gängiger Lehrpläne, die Stadt, ihre drei Pilotobjekte des ersten Jahres (weitere kommen später hinzu) werden zum Forschungslabor und ins Stein gemeißelten Lehrbuch. Ihnen zur Hilfe werden die von den Bewohnern und Heimatkundlern „Hausbiographien“ gereicht; Lehrwerkstätten nehmen mit ihren Lehrlingen an den Seminaren teil, Lehren und Lernen gegenseitig, Schulter an Schulter mit den Bewohnern, Studenten und Fachkräften aller Coleur, brechen die Fachschranken auf.
Durchgearbeitete Praxisthemen können zu Seminar- und Diplomaufgaben werden, eventuelle Ausführung freigestellt. Bleibt das letztere auch eine ferne Perspektive, übernimmt den Stafettenstab des ersten Jahres — der SESAM.
Erforderliche Plan- und Lehrunterlagen werden den Teilnehmern der Seminare auf dieser Seite bereitgestellt (siehe „Lehrtexte“, „preußische Bauart“, „Karten“, „Bilddokumentation“ und weitere).