"Maß und Pathos"

Auf den „Prawo snat“-Seiten schreibt Sergej Nedosekin von der Abschlußkonferenz des „insterJAHRes“-2011. Er tat es bereits zum Abschluß des J-Forums; dem Leser sei überlassen, die Erwartungen mit dem Eingetroffenem abzugleichen. Wir beschränken uns auf ein Paar Notizen:


  • Wilfried Wolff sprach mitnichten von den „20 einmaligen Schwedlerkuppeln“, der scheinbare Widerspruch ist vom Blatt herbeigeredet. Auch die „Schwebeillusion“ sei im Vortragstext nicht enthalten: die Schwedler’schen Kuppeln schweben wirklich! Hauchdünn, kühn und fest, suchen sie auch heute noch ihresgleichen. An der Ostbahn gebe es ihrer heute noch vier, in polnischen Schneidemühl, Bromberg und Dirschau, sowie im russischen Insterburg; die beiden Berliner Depots (Pankow, Rummelsburg) zählten zu den anderen Bahnen.
    Insgesamt sind es ihrer also sechs.
    Eines wird durch Einwirken Herrn Wolffs und Kollegen inzwischen gerettet und für die Umsetzung nach Wittenberge vorbereitet; fünf bleiben zu tun.
  • Das Dach des Insterburger Rundschuppens ist keineswegs „komplett eingestürzt“: seit Jahren schon fehlen in der Kuppel 7 Segmente, neu ist ein Schaden im äußeren Ring. Dem Besitzer war dies ein Anlaß, die Garage aus dem Rund herauszubekommen. Sachlichsein zahle sich selten aus für ein Blatt aus, doch hier ist das Maß überschritten — das Dachwerk steht, und sorge man sich, daß es ohne die Deckung Schaden nehme, so lehrt uns der Blick über den Tellerrand etwas anderes. In Rummelsburg stehe das schwedler’sche Gerippe seit etwa einem Jahr blank, in der Berliner Fichtestraße wurden es bereits über fünf Jahrzehnte!
    Doch besser wäre es sicherlich mit dem Dach.
  • Professor Czeczot hatte sicherlich Recht: Ebenmaß und Schwung, wovon die Schwedlerkuppel genauso ein Kind sei wie der Dnepr-Staudamm, ersetze die heutige Welt durch den hohlen Pathetismus. „Pathetic“ ist das Heute bestenfalls im Englischen Sinne; dem Korrespondenten Nedosekin gelte dies für ein Lobeswort, was allerdings nicht stimmt.
  • Insterburger Ämterzwist war kein Gegenstand Professor Wenzels Parkplanungen, weswegen auch? An der Kreis-und-Stadt-Trennung sei an sich nichts verkehrt. Vormals saßen die einen am Alten Markt und die anderen in der Albrechtstraße, und führten sogar unterschiedliche Wappenschilder.
    Studenten waren am Gegenentwurf zum Freilufttheater „Insterburger Bär“ nicht beteiligt: seit 2004 schon geisterte die Vorlage durch die Ämterstuben, Professor Wenzel erlegte sie in seinem Berliner Büro.

Bei all‘ diesen Bemerkungen solle nicht untergehen, daß Stadt und Kreis etwas erhielten, worum sich andere lange abmühen müßten. Schade, daß von der Stadtführung niemand auf die Burg kam, um die Arbeiten förmlich entgegenzunehmen… — vielleicht kommen die im Frühjahr umso zahlreicher, mit Spaten, Harke, Kelle, Hammer und Pinsel in der Hand den Beginn der Umsetzung der Pläne einzuläuten.

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