Eine Journalistin des Blattes „Strana Kaliningrad“ besuchte Insterburg und berichtet von der Reparatur der Brücke im Stadtpark und der Untersuchung der Scharoun-Häuser in der Bunten Reihe: ein Grund zum jubeln und frohlocken, denn nun wisse die Provinzhauptstadt von uns?
Wohl kaum.
Macht nichts, daß Olga Sajapina weder „insterJAHR“ noch die „Bunte Reihe“-Genossenschaft erwähne — seis drum, uns gehe es Arbeit, nicht um Ehr. Doch auch die Arbeit könne man so beschreiben, daß man es lieber ganz ließe!
Vom ersten Tag an wird das „insterJAHR“ nicht müde zu wiederholen: wir seien keine Archivzuträger, auch keine Schnörkel-Aktivisten, geschweige denn Freunde der Käseglocken! Uns gehe es um mehr, um die Zukunft:
- darum, die Bewohner in die Geschichte einbeziehen, und zwar nicht in irgendwelche, sondern in die Geschichte ihrer eigenen Häuser. Statt stummer Zuschauer von jenseits des Vitrinenglases sollten sie Sammler und Chronisten werden, besser noch: Pfleger, wahre Bürger sein!..
davon im Artikel keine Spur - darum, daß der Wert der Bunten Reihe mitnichten darin liege, daß sie „das getreue Abbild der europäischen Stadt der Jahrhundertwende“ sei — dies war sie nie, und „reich am Dekor“ war sie noch weniger. Es ist des Architekten kleiner Verdienst, aus Vollem zu schöpfen — hier meisterte es einer, die Tradition mit der Gegebenheiten und Fertigkeiten seiner Zeit zu vermengen und daraus ausdrucksreich zu sein. Die Zeit gab ihm recht, die Siedlung steht und lehrt bis heute…
davon im Artikel auch nur ein Wort - darum, aus dem bestehenden Nichts etwas Werteres zu schaffen. Will wer höher hinaus, so ist er hier wilkommen: Details und Lösungen der Jahrhunderte, die Lehrwerkstätten, der Rückgrat des Handwerkertums — sie seien die Zukunft Insterburgs, sie sind der Grund, weswegen so mancher von auswärts nach der «Kleinstadt von Staatsformat» schaue!..
davon sagt im Artikel keine Silbe mir: warum?..
Einer Zeitung Wort ist ein mächtig‘ Werkzeug: auf ihr Geheiß vertauschen die Tschernuppe und die Angerapp ihre Plätze, aus eine Kaffeehandlung werde kurzehand ein Café, der Abriß der Promenadenbrücke unmittelbar vor der Ankunft der Planergruppe, sie sich just dieser Promenade widmen wollte verkomme zu einer Randnotiz. Wenn hier aber etwas am Rande vermerkt gehörte, so die Feststellung, daß unsereins ersteinmal lernen sollte, so tüchtig zu bauen wie einst, und dann erst zum Abriß schreiten.
| Daran arbeiten wir gerade. |
| Es gelinge schon recht gut, Studentenpraktika durchzuführen, |
| mit den Auslandskollegen zu arbeiten, |
| die Werkstätten allerdings gerieten ins Hintertreffen — |
| hier ist ein gedrucktes Wort vonnöten! |