Am Vorabend des Siegestages saß man am Freitag dem 6. Mai in Insterburg zur Rate. Es ging um die Grünanlage am Barclay-de-Tolly-Denkmal, zwischen dem Alten Markt, der Rathausstraße, der Reformierten Kirchenstraße und der Generalstraße; um die Alternativen zum anfänglichen Entwurf von der insterburger Abteilung des „Kaliningradpromprojektes“. Dieser erstere war dem Rat für Geschichts- und Kulturerbe beim Kreisamtsleiter bereits am 18. April vorgelegt worden.
Mit der Einweihung des Reiterdenkmals Barclay de Tollys in 2007 (Bildhauer Wladimir Surowtzew, Architekt Viktor Pasenko) machte Insterburg den ersten Schritt, die Helden der Befreiungskriege anläßlich des 200. Jahrestages von 1812—14 zu gedenken. Schon damals keimte der Wunsch, ihnen auch die gesamte Grünanlage hinter dem Denkmal zu widmen — die Idee ist in der Stadt als allgemein bekannt anzunehmen. Der Erstentwurf ensprach ihr in keinster Weise.
Statt eines zusammenhängenden Ganzen — eine Vorlage, die Roß wie Reiter ignoriere, und deren Autoren mit dazu. Nicht nur wurde deren Meinung nicht eingeholt, die Statue wird im Entwurf nichteinmal dargestellt: man begnügt sich mit dem lapidarischen Unterbau. Wie bei einer solchen Herangehensweise ein harmonisches Zusammenspiel des Denkmals und des Säulenrunds hergestellt werden solle, blieb rätselhaft; weswegen die zum Postament hin ausbuchtende Kolonnade ausgerechnet neun Säulen zählen sollte — auch.
Statt eines stadtbezogenen Ganzen — eine Vorlage wider Bürger und Edelmann: weder das Kulturamt noch die Bauverwaltung oder die Heimatkundler, geschweige denn die örtlichen Künstler fanden Gehör. Die in der Ausschreibung verlangten Geschichtstafeln fehlen, und auch das Grün, wo jetzt die Kleinkinder sich austoben unter der Augen ihrer im Kreis spaziergehender Eltern — auf ihre Kosten machen sich ein Sportplatz und eine Eisbahn breit, beide mit festem Steinbelag. Dazu die sich griechisch geziemende neunsäulige Pergola und eine Nierentisch-Fontäne unklarer Provenienz: im Übermaß an Schönheit gehe die kleine Anlage unter!
Das Längliche zusammenhanglos zerstückelnd, richtet der Entwurf nichts auf, dafür aber vieles zugrunde, sich selbste und die Umgebung inklusive. Dies umsomehr, da die Stadt diese 25-Millionen-Platzgestaltung zur Förderung anmelden wollte: bei solchen Vorlagen nimmt es wenig Wunder, daß alle städtische Anträge bisher abgewiesen wurden — doch was wenn sie doch durchginge? Technisch einmwandfrei ist der Entwurf schon; einmal zu Förderung beschlossen, konnte der nie mehr korrigiert, nur umgesetzt werden.
Bei der ersten Sitzung beschloß man im Rate, die Vorlage zurückzuziehen und die Hauptsachbearbeiterin Anna Mamajewa von der städtischen Bauabteilung mit der neuen Skizze zu beauftragen. Zwei Wochen später war diese bereits besprechungsreif.
Das neue Konzept erntete in der Runde ungeteilte Zustimmung, einzig den Brunnen lehnte man ab, aus technischen Gründen. An seiner Stelle sollen jetzt die Kanonen aus den Befreiungskriegen ihre Aufstellung finden, mitsamt den passenden Texten zu den Napoleon-Feldzügen und den Kriegernamen.
Wo nach dem Urentwurf die neue Anlage der alten den ersten Rang am Platze streitig machen wollte, treten jetzt die Sammlung und die gegenseitige Unterstützung ein. Im gleichen Geiste wird auch die Neugestaltung des Schützentales zu erwarten sein: auch sie übertrug man nach der gelungenen Platzkorrektur derselben Anna Mamajewa.
Durchaus ein Auftakt für die kommenden Siege im Grünen, oder?




