„Am Freitag den 4. April besuchte Insterburg Dimitri Suchin, ein russischer Architekt der in Europa arbeitet. Auf seinem Terminkalender stand ein Treffen mit der Direktorin des Insterburger Pädagogikums Elena Komarnitskaya. Lehrer des Instituts nahmen Teil, sowie der stellvertretender Leiters der Kreisverwaltung Wladimir Golubzow“, schreibt Galina Gorbunowa in der letzten Ausgabe der Stadtzeitung „Polus“.
Sie fährt fort:
Es ging um die Vermittlung neuer Reparaturtechniken historischer Bauten, wobei insbesondere moderne Baumaterialien zum Einsatz kommen sollten. „Was haben wir in Ostpreußen einzigartiges? Es sind die Bauten, inzwischen zu Baudenkmälern gereift. In einer jeden Stadt der Provinz findet man sie. Insterburg sticht da zahlenmäßig besonders hervor. Leider sind die meisten von ihnen inzwischen im vernachlässigten Stand, es fehlt an Meistern, die wußten, wie man sie bei Wahrung alter Technik zuverlässig restauriert. Unsere ganze Provinz hat sie nicht, und auch die anderen Provinzen Rußlands nicht. Schön wäre es, am Pädagogikum eine Lehrwerkstatt anzusiedeln, wo junge Leute notwendige Sanierungsfertigkeiten erlernen, als Zimmerer, Tischler, Maurer, Putzer usw., und ihr erlerntes Können gleich an einer Lehrbaustelle einsetzen“, erläuterte Suchin.
Elena Komarnitskaja begrüßte die Idee, führte jedoch aus, wie das von ihr geleitete Pädagogikum ihr Statut und den Schwerpunkt änderte, und somit als Basis solcher Angliederungen ausscheide. Dennoch sei der Gedanke nicht abwegig und nicht verloren: jüngst erst gründete sich in der Provinz ein Verband der Berufsbildung, mit den Fachschulen aus Tilsit, Gumbinnen, Labiau, Darkehmen u.a. als Mitgliedern. Dort werden die Handwerke wie Gipser, Maurer, Stuckateure und andere unterrichtet. Wladimir Golubzow war derselben Meinung und erinnerte die Anwesenden an das amtliche Sanierungsprogramm, in den allein in diesem Jahr mehrere Mehrfamilienhäuser aufgenommen wurden, auch solche vom historischen Wert. Es bestehe dringender Bedarf an Fachkräften, die mit solcherlei Architekturdenkmälern umzugehen wissen.
Weiter ging es am Stadttheater. Dort übergab Dimitri Suchin dem Theaterdirektor feierlich eine Originalurkunde, mit der 1887 das Gesellschaftshaus, die Vorgängereinrichtung des Theaters, die Verdienste eines Dr. Schrader würdigte. Man dankte dem Herrn Doktor für die Ausrichtung eines Festes, durch den andere Städte von Insterburg erfuhren.
Der Architekt Suchin erwarb diese Urkunde bei einer Versteigerung vor wenigen Monaten. „Mein Ziel war es, sie zurück nach Insterburg zu bringen; ich mag es, solche Fäden wieder zu verknüpfen. Dies scheint hier auch zu gelingen: jeder Insterburger kennt das Stadttheater, und sei es noch als Haus der Offiziere, wie es bis zuletzt hieß. Von seiner Periode als Gesellschaftshaus weiß man hingegen wenig. Das Auftauchen einer solchen Urkunde wird die Heimatkundler veranlassen können, sich dieser Epoche zu widmen, Neues zu entdecken“, hoffte Dimitri Borissowitsch.
