Im Moskauer Anti-Café „Ziffernblatt“ an der Twerskaja-Straße wurde am 6. April 2014 ein Architektur-Krimi serviert.
„Der selbständige Architekt soll sich nicht durch Sensationen, sondern durch Reflexionen leiten lassen“, überlegte sich ein 17-jähriger Gymnasiast an der Schwelle seiner künftigen Hochschule. Bald darauf der Krieg, mit Musterung und vaterländischer Pflicht; unser Student meldet sich freiwillig und findet sich in einer fernen Provinz wieder. Zeichnet Schuppen, Landhäuser und Gutsanlagen, gefolgt von Stadtvierteln und Wohnsiedlungen, führt Stadterweiterungen durch. Sorgt dafür, daß die heimischen Alleskönner aus lauter Heimatverbundenheit ihre eigenen Wiesen und Heiden nicht in den Grund und Boden verbauen. Zehn Jahre später zieht es ihn weiter. Ee hinterläßt etwa 50 Bauten, zwei städtebauliche Entwürfe, eine Platzgestaltung, sowie mehrere Vereinsgründungen. Verheiratet wird es sich in der Zeit auch noch haben. Ein Diplom wird ihm nicht vergönnt — man holt ihn trotzdem als Professor an eine Kunstakademie.
20 Jahre vergehen, man sieht ihn als Baustadtrat, als Institutsdirektor und als Präsident einer (anderen) Akademie der Künste, als Ehrendoktor und Ehrenbürger, Träger mehrerer Preise und eines Verdienstordens. Seine Werkliste umfaßt über 300 Bauwerke oder Bauwerkskomplexe (nicht alle verwirklicht), mehrere davon als Höhepunkte der Weltarchitektur anerkannt. All´ das ohhe je einen Hochschulabschluß erlangt zu haben.
Er hatte, wenn man so will, ein Rußlanddiplom. Sein erstes eigene Werk, zugleich das früheste erhaltene Werk, ist die „Bunte Reihe“ in Tschernjachowsk, Provinz Kaliningrad. Was brachte ihn hierhin? Wie bekommt man ein Insterburger Diplom?
Es ging selbstverständlich um Hans Scharoun, ein Panorama seines Lebens und Schaffens wurde geboten, von den späten Höhepunkten bis hin zu einfachen Anfängen. Zumal gerade diese mit Rußland verbunden sind. Mit Zehntausenden russischen Soldaten aus den geschlagenen Armeen Samsonows und von Rennekampfs. Deren unfreiwilliges Zusammenwirken brachte Erstaunliches zutage:
Deutschland gelang es damals, ganz Ostpreußen wiederaufzubauen. Etwas auch nur annähernd Vergleichbares gelang es ihm nie wieder. Als ob es ohne russische Hände nicht ging.
Jene Hände wiederum schafften hier sehenswerte Qualitätsarbeit – doch wie ausnehmend häßlich sind die heutigen russischen Wände! Als ob es ohne deutsche Köpfe nicht geht. Peter dem Großen war vor Zeiten bereits etwas ähnliches aufgefallen.

Wie ging es weiter? Wie wurden Scharouns Räume? Was hat es mit dem „geheimen Lehrplan“ an sich? Die Vorträge des Kamswyker Kreises sind wiederholbar und dienen einem Zweck: wir sammeln für ein Scharoun-Haus in der Bunten Reihe. Auf daß 2014/2015 die Lehrwerkstätten anlaufen und die Lehrbaustellen. Der „Expreß“ hält auch vor Ihrer Tür!