Kaliningrader Ausgabe der „Komsomolskaja prawda“ widmet sich am 26.10.2009 den Möglichkeiten des Umgangs mit den Bauten Hans Scharouns im Osten des jetzigen Kaliningrader Gebietes, sowie den Quellen der „insterJAHR“-Idee. Leider haben sich auch in diesen Bericht einige Fehler eingeschlichen.
So fing der ostpreußische Wiederaufbau nicht etwa nach dem Ersten Weltkriege an, sondern schon während der Kämpfe. Diesem und keinem anderen Umstand ist auch zu verdanken, daß diese „deusche Wertarbeit“ von den Händen geleistet wurde, denen man solche Qualitäten gemeinhin nicht zutraue, von den bei jenen Kämpfen gefangengenommenen, nicht qualifizierten, ziweilen gar schreibunfähigen russischen Soldaten.
Folglich kamen die 500 Bauanwälte nicht etwa 1918 in der Provinz an, sondern schon 1915. Richtig liege das Blatt in der Einschätzung, jenen Bauanwälten sei freie Hand gewährt worden — freie Hand des luftleeren Raumes, Freiheit der Not. Das Land wartete sehnlichst auf die Kriegsernte aus Ostpreußen, in der Provinz suchte man indessen händeringend nach Tier und Machine, nach Stall und Stalljungen, nach Stein und Mörtel. Freiheit und Not waren der Quell des ostpreußischen Wiederaufbaues.
Anzumakeln ist auch eine weitere Aussage, die so verkürzt wiedergegeben wurde, daß ihr Sinn verloren ging: weder der Ur-Entwurf, noch das beschlossene „instrerJAHR“-Konzept wenden sich an die Touristen, die Stadtbewohner sind ihre erste Zuschauer, Mitmacher und Nitznießer. Wenn dann noch die Touristen kommen, weise sie keiner weg, doch sind sie nie im Vordergund. Nur durch die Hinwendung an die Lokalkräfte kann die zitierte „russisch-preußische oder preußisch-russische Architekturschule“ etwas mehr werden, als bloße Ansammlung gefälliger Formalia.