Warum Biennale?

Die  Oktober-Ausgabe von „Project Russia“ beginnt mit dem Nachrichtenblock und geht auf die im Mai stattgefundene Moskauer Architekturbiennale ein. Anatolij Below schreibt:

„…In der Sektion „Stadtumbau“ hätte man Sotschi zeigen können, oder das Moskauer Chodynskoje-Feld, oder die zu sanierenden Industrieareale im Süden von Moskau, oder die Erneuerung der Moskauer Ringbahn. Stattdessen gab es dort M010, eine Arbeit der Achtsemestler (?) der Architekturhochschule im Auftrag der Glamour-Seite lookatme.ru, dazu noch Leute, die aus welchen Gründen auch immer russisches Preußen in Tschernjachowsk suchen, und weiteres von diesem Schlage. Nichts gegen die Jugend, die muß gefördert werden, doch was hatte sie hier zu suchen? Hier wo Fachleute gefragt sind?
Vielleicht lag es daran, daß Sanierungen und Erneuerung der Moderne bei uns stets in den öffentlichkeitsscheuen Händen vom Forschungsinstitut Genplan oder einem der Mosprojekte liegen. Zu modischen Ausstellungen werden sie selten eingeladen und sind auch von sich aus nicht gewillt, an derlei teilzunehmen. Bekanntere Architekturbüros bearbeoten diese Themen nicht. Da hatten die Ausrichter der Biennale wohl Mühe, die Ausstellungshallen überhaupt erst zu füllen…“

In der Netzausgabe wird er noch deutlicher:

Der Biennale-Kurator hatte offensichtlich keine Ahnung, was noch auszustellen wäre. Auf irgendeine Krise sei dies nicht zu schieben.

Schönzureden ist es nicht. Warum hatten die Biennale-Macher solche Themen zu wählen, wo Rußland nichts zu zeigen hat? Sonst hätte man nicht zum Notbehelf greifen müssen, die Jugend einzuladen, statt sich mit den großen Tieren zu beschäftigen.

Mit leichter Feder richtet Anatolij Below alle: den untauglichen Kurator, die unfähigen Hochschulen, die halbwissenden Teilnehmer — er, der allwissende Rezensent, hätte es gewiß viel besser gekonnt. Seltsam, daß die beste Architekturzeitschrift des Landes solcherlei als „Architekturkritik“ durchgehen läßt. Eine Fachdebatte kommt auf diese eigenhändig vergiftete Weise allerdings nicht zustande: wir werden uns dieser auch enthalten.

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