Tausend Jahre Rußland zu Insterburg

Mitten im Nowgoroder Kreml steht seit 1862 der Denkmal „1000 Jahre Rußlands“. Solche Nationaldenkmäler waren typisch für das XIX Jahrhundert — man denke nur an die Münchner Bavaria von 1850, an Hermann im Teutoburger Wald von 1875, an Germania in Niederwald 1883. Das Nowgoroder Denkmal ist auch heute noch dort — war aber kurz davor, umzuziehen. Der Grund dafür war der Artillerie-General Kurt Herzog.

Noch als ein Oberst kommandierte Herzog ab 1938 in Insterburg, wo er den städtischen Beamten Dr. Gert Wander kennenlernte. Im Jahre 1941 wurde der erstere Kommandant von Nowgorod, während der zweite zum Bürgermeister von Insterburg aufstieg. Warum auch immer wollte der erstere dem zweiteren ein Geschenk machen — und fand keinen besseren als das Tausend-Jahr-Denkmal.

Beschlusse hierzu sind bisher keine gefunden worden, geschweige denn wie man so eine Neuaufstellung ideologisch verbrämen wollte. Das Denkmal ist nicht gerade klein. Baut man es auf irgendeinem Platz neu auf, herrscht es; zerlegt man es, bevölkern seine Figuren ganze Straßenzüge. Im Winter 1943-1944 schritt man zur Tat, kam aber nicht weit: bereits am 20. Januar 1944 wurde Nowgorod wieder befreit. Ein Jahr später, am 22. Januar 1945, war auch Insterburg in sowjetischer Hand.

Die Restaurierung des Nowgoroder Denkmals erfolgte bereits 1944. 30 Jahre später, 1974, stellte man zu Königsberg eine Mutter-Rußland-Statue auf. Die Vorlage von 1943 blieb ungenutzt.

Dieser Tage wünschen wir uns den Insterburger Friedhofspark zurück. Hugo Kaufmanns Entwurf sah am Ende der Mittelallee, wo das Plateau zum Angerapp-Tal abbricht, eine überkuppelte Kapelle und Krematorium vor — erbaut wurden sie nicht. Der Ort verlangt nach einer Silhouette, und die Mikeschin-Figur könnte so eine sein. Kein Nachguß, eine Nachpflanzung, ein kugelkroniger Baum inmitten eines Reigens von spitzkronigen kleineren Bäumen, dazu die Bänke samt Erläuterungstafeln.
Genaue Arten mögen die Botaniker bestimmen.

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