Geschichte zum Lesen

Der Grünanlage an der Ecke Forchestr./Bahnhofstr. gab man den Namen „Bibliotheken-Grün“. Naheliegend, angesichts der Stadtbibliothek im 3. Rathaus nebenan. Stellte Pavillons auf, die als „Lesezimmer im Grünen“ fungieren sollten… doch der Erfolg stellte sich nicht ein, die Carrels mußten gesperrt werden.

Mitten in der besagten Grünanlage steht vor dem Stadtgericht, dem ehemaligen Parteikommittee, eine Lenin-Büste auf profilierten Sockel: einst war da eine Germania darauf, ein Denkmal der Dänen- und Franzosen-Kriege. Leicht vorstellbar in den lauen Nächten, wie sie, oder ihr Schatten, das fremdgewordene Granit umkreist und ihre Basis vermißt. Sie hätte Gesellschaft: Constanze etwa, immer wieder für den Nachguß oder eine Rückholung im Gespräch. Scheitert immer wieder daran, daß dies den Reitfreunden zu teuer sei, den Heimatkundlern erst recht, und den normalen Bürgern schlichtweg uninteressant. Dabei hätten beide Figuren durchaus was zu erzählen — wenn man sie nur ließe!

Wir — nehmen uns diese naheliegende Idee. Sammeln die verblichenen Stadt-Silhouetten — nebst Germania und Constanze könnten es auch der Hindenburg von vorm alten Kreishaus sein und der Bürgermeister Korn samt Obelisk, der zweite Tschernjachowski und andere mehr, aber auch die dekorativen Skulpturen wie die Knaben vom ersten Brunnen am Neuen Lichtspielhaus, der Bogenschütze vom Stadion, die Ballspielerin und die Jungpionierin aus dem Stadtpark, aber auch andere mehr — und bringen sie in Form. Als ebene Platten, vorne glatt und rückseitig mit eingefrästen Erläuterungen, umkreisen sie des Lenin-Germania-Denkmals Stufen, können geschoben und umgangen, ja „geblättert“ werden.

 

Der Vorschlag wurde von der Stadtverwaltung leider nicht angenommen.

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