„9. Deutsch-Russisches Forum: Landsmannschaft Ostpreußen kann auf Erfolge zurückblicken“, titelt die „Preussische Allgemeine“ am 26. Oktober 2018. Und weiter:
Mit Spannung erwartet: LO-Sprecher Stephan Grigat eröffnet das 9. Deutsch-Russische Forum
Am vergangenem Wochenende veranstaltete die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) in Insterburg ihr 9. Deutsch-Russisches Forum „Zukunft braucht Vergangenheit 2018“… Genau vor zehn Jahren veranstaltete die LO ihr erstes Forum in Königsberg, als sich erstmals deutsche Kreisvertreter und russische Museumsleiter, Bibliothekare, Heimatforscher und Deutschlehrer trafen, um sich über das deutsche Kulturgut und Möglichkeiten zu dessen Erhalt auszutauschen. Inzwischen hat das Forum eine bewährte Tradition, aus Fremden sind Freunde geworden, was in freudigen Umarmungen zur Begrüßung Ausdruck fand… zwei langjährige russische Forumsteilnehmer [wurden] für ihren unermüdlichen Einsatz zum Erhalt des deutschen Kulturerbes ausgezeichnet.
Am 2. November heißt es:
„Ein Treffen, das Zeichen setzt. 9. Deutsch-Russisches Forum »Zukunft braucht Vergangenheit«: In Insterburg präsentierten Teilnehmer vorzeigbare Ergebnisse“
…LO-Sprecher Stephan Grigat eröffnete die Tagung mit der Versicherung, dass es sich bei der Veranstaltung um eine kulturelle handele und sich niemand – wie zuweilen durch Re-Germanisierungsphobien Einzelner propagiert wird – in die Politik im Königsberger Gebiet einmischen wolle… Die Administration der Stadt Insterburg [Tschernjachowsk] unterstützte das DRF. Ihr offizieller Vertreter Igor Jerofejew hielt eine Grußrede… Mit ihrer Teilnahme am DRF setzten die deutschen und russischen Partner ein Zeichen, dass sie am friedlichen Umgang miteinander – allen politischen Störfeuern zum Trotz – auch zukünftig festhalten wollen.
Auf der selben Seite geht es weiter:
Der Berliner Architekt Dimitri Suchin erhielt das Silberne Ehrenzeichen der LO
…In der Laudatio, die LO-Sprecher Stephan Grigat hielt, heißt es:
„Der in Berlin lebende Ingenieur und Architekt Dimitri B. Suchin hat es sich auf die Fahnen geschrieben, deutsche Kulturdenkmäler in Ostpreußen vor dem Verfall zu retten. In diesem Zusammenhang sind zum Beispiel seine vielfältigen Initiativen in Insterburg und Umgebung zu nennen. Suchins ,Insterjahr’, und die Bestrebungen zum Erhalt des Bismarckturms in Insterburg sind nur einige seiner zahlreichen Vorhaben in der Region. Es ist der Initiative von Dimitri Suchin zu verdanken, dass das Projekt zum Erhalt des ehemaligen, von Johann Wilhelm Schwedler in den 1870er Jahren erbauten, Rundlokschuppens in Insterburg vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz in das laufende Denkmalschutzjahr 2018 aufgenommen worden ist.
Dimitri Suchin und die von ihm ins Leben gerufene deutsch-russische Gesellschaft ,Kamswyker Kreis’ haben es erreicht, dass nicht nur in Königsberg, sondern auch im fernen Moskau eine Ausstellung über den bedeutenden, aber weitgehend in Vergessenheit geratenen Architekten Hans Scharoun gezeigt werden konnte. Suchin setzt sich mit Nachdruck und großem Engagement für den Erhalt der Siedlung der Scharoun’schen Häuser in der Insterstadt ein. Auf sein Betreiben hin wurden die Bauten dieser sogenannten ,Bunten Reihe’, 2014 von der Denkmalschutzvereinigung Europa Nostra in die Liste der sieben meistgefährdeten Denkmale aufgenommen.
Dimitri B. Suchin ist Mitglied der Kreisgemeinschaft Insterburg sowie im Vorstand der Berliner Scharoun-Gesellschaft. Die Landsmannschaft Ostpreußen verleiht Herrn Dimitri B. Suchin in Würdigung des langjährigen Einsatzes für Heimat und Vaterland ihr Ehrenzeichen.“
Am 9. November geht es um die
„Visuelle Nachlese in Insterburg. Deutsche Teilnehmer des 9. Deutsch-Russischen Forums auf Spurensuche deutscher Geschichte“
…Dimitri Suchin […] übernahm die Führung zum teilweise noch erhaltenen Insterburger Rundlokschuppen aus dem 19. Jahrhundert. Der heutige Besitzer betreibt dort eine Kfz-Werkstatt und zeigt sich bereit, erhaltende Maßnahmen – bislang nur geringe – zu ergreifen.
Als Höhepunkt der Stadtbesichtigung darf der Besuch der 1921 bis 1924 errichteten „Siedlung Kamswykus“ gelten, das Erstlingswerk des späteren Meisterarchitekten Hans Scharoun. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau nach dem Konzept des „bunten Bauens“: Die Fassaden erhielten Anstriche in den Grundfarben Rot, Blau und Gelb, die Fensterwangen bildeten farbige Kontraste dazu. Keine Fassade glich der anderen, Ornamente, Vorsprünge und Glaseinsätze brachen das Sonnenlicht. Jedes dieser Reihenhäuser erhielt einen Garten mit Schuppen, von denen noch einer erhalten ist. Der gemeinnützige Verein Kamswyker Kreis plant die Einrichtung eines „offenen Zimmers“ in einer der Wohnungen, die der Verein in diesem Jahr erwerben konnte. Drei tatkräftige Männer halfen Suchin, das tags zuvor auf dem Forum gezeigte Schrankfragment Scharouns in die Wohnung zu tragen. Die Anwohner unterstützen den Verein nach Kräften. Suchin und die deutschen Besucher wurden mit offenen Armen empfangen und mit frisch geernteten, herrlich duftenden Äpfeln beschenkt. Eine Anwohnerin lockte die Gruppe zum ehemaligen Neuen Friedhof an der Kamswyker Allee, auf dem die Dichterin Frieda Jung beerdigt wurde. Die Gräber existieren zwar nicht mehr, aber Enthusiasten haben hier einen „Frieda-Jung-und-Paul-Gretschischnikow-Poesie-Park“ eingerichtet. In Eigenregie haben die Bewohner Bänke mit Gedichten der Schriftsteller angelegt. Ihre weiteren Pläne sehen vor, alte Gartenpartien wiederzubeleben sowie einen Skulpturenpark und eine Baumschule anzulegen.
Am 23. November schließlich folgte der Endbericht vom Forum:
„Friedhöfe gegen das Vergessen. Die Stadt Insterburg fördert Gedenkstätten: Besuche des Poesie-Parks und des Soldatenfriedhofs“
…Die Verehrung, auch für deutsche Dichter, hält bei vielen Russen ungebrochen an. Deshalb verwundert es nicht, dass eine Gruppe russischer Enthusiasten in Insterburg auf dem ehemaligen Neuen Friedhof an der Kamswyker Allee, auf dem die ostpreußische Dichterin Frieda Jung beerdigt wurde, einen Poesie-Park, genannt „Frieda-Jung-und-Paul-Gretschischnikow-Poesie-Park“, angelegt hat, den sie in Eigenregie weiter ausbaut und pflegt.
Anstelle der nicht mehr existierenden Gräber haben sie selbst gehobelte Bänke aufgestellt, auf deren Lehnen Gedichte des jeweiligen Schriftstellers eingebrannt sind, leider bislang nur auf Russisch. Neben Frieda Jung wurde auf diese Weise der ostpreußischen Dichter Simon Dach bedacht, aber auch russische wie Anatolij Lunin und Pjotr Schukow.
Vom ehemaligen evangelischen Friedhof sind nur noch Reste des Haupteingangtors geblieben, die Hauptallee ist noch erahnbar. Ein findiger „Investor“ hat das erhalten gebliebene Friedhofsgebäude erworben, angebaut und das erhaltene Stück der Eingangsmauer in das neue Tor, das sein Grundstück schützt, integriert. Laut Dimitri Suchin, Mitbegründer des Vereins Kamswyker Kreis e.V., muss der Hauseigentümer seinen Anbau bald wieder abreißen, da er ohne Genehmigung gebaut habe und das Friedhofsgebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde. Es sei für eine andere Nutzung vorgesehen.
…Ein weiterer Programmpunkt führte sie zum Soldatenfriedhof von Insterburg, den der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1996 der Öffentlichkeit übergeben konnte… In seiner Ansprache erinnerte Buslaps an die hohen Opferzahlen, die beide Weltkriege gefordert hatten, die junge Männer, die kaum die Gelgenheit hatten, erwachsen zu werden, ihrer Zukunft beraubten.