„BI: Bankinformation und Genossenschaftsforum“, eine Zeitschrift der Volksbanken/Raiffeisenbanken, beruft sich auf Martin Luther, die Denkmäler als „Gedächtnisstützen“ unserer Gesellschaft, und unternimmt eine Reise von Ostpreußen nach Österreich, um nachzuspüren, wie die Genossenschaften ihre Gründerväter ehrten.
…Die Uliza Pionerskaja im russischen Tschernjachowsk ist von Häusern gesäumt, die durch in die Jahre gekommene, aber erkennbar prächtige Jugendstilfassaden verziert sind. Fast übersieht man einen polierten Natursteinsockel, der vor dem Garten eines repräsentativen ehemaligen Bankgebäudes steht. Auf dem dreigliedrigen Sockel kann man links in deutscher Sprache lesen „Tüchtige Bürger machen erst einen tüchtigen Staat, nicht umgekehrt“. Die rechte Seite schmückt das Grundgesetz des deutschen Genossenschaftswesens: „Was Du nicht alleine vermagst, dazu verbinde Dich mit Anderen, die das Gleiche wollen“. Die Sockelmitte weist auf die Stifter des Denkmals hin: „Vom Vorschuss-Verein zu Insterburg errichtet am 11. Juni 1911“ steht darauf zu lesen.
Diese klugen Gedanken stammen von Hermann Schulze-Delitzsch, dem die deutschen Volksbanken ihre Existenz verdanken. Das Denkmal ist ein Zeugnis aus der Zeit, als die Uliza noch Wilhelmstraße genannt wurde, die Stadt Insterburg hieß und zu Ostpreußen gehörte. Tschernjachowsk ist heute eine knapp 40.000 Einwohner zählende Stadt in der russischen Exklave Kaliningrad, die von der Ostsee, Polen und Litauen umschlossen wird.
„Heimatkunde ist mehr als bloß Museumswissen, sie ist Befähigungsmittel“, erklärt Dimitri B. Suchin vom Kamswyker Kreis in Berlin. Die Organisation möchte mit ihrem Projekt „Menschen machen die Stadt“ die deutsche Geschichte in Ostpreußen dem Vergessen entreißen, was angesichts der aktuellen politischen Großwetterlage beachtlich ist.
Sie erarbeitet für Tschernjachowsk ein Stadtinformationssystem, das deutsche und russische Spuren gleichberechtigt nebeneinander stellt. Suchin ist Architekt und er möchte den Menschen im ehemaligen, heute zu Russland gehörenden Ostpreußen die Selbsthilfe und den Bürgersinn nahebringen. Er glaubt, dass diese Werte nicht nur prägend für das Gemeinwesen, sondern auch für das architektonische Stadtbild sind. Durch die didaktische Aufbereitung des Schulze-DelitzschDenkmals gelingt es der Geschichte, eine positive Identität zwischen Menschen und der Heimatregion zu schaffen.
Im ehemaligen Ostpreußen befand sich ein weiteres Denkmal in Allenstein, das heute Olsztyn heißt, 175.000 Einwohner zählt und zu Polen gehört…
Die Reise Dr. Peter Glebers geht weiter nach Berlin, Delitzsch, Potsdam, Wien, Neuwied, Darmstadt, Weyerbusch, Hamm, Egestorf und Landau.