Von den Bürgersteigen im Bereich des Bundesdenkmals „Bunte Reihe“ (Kamswyker Allee, Bunte Reihe)

Eine Eingabe bei der Stadtverwaltung von Insterburg

Die Gegend östlich der Bahnlinie Insterburg-Tilsit, die Kamswyker Allee (Gagarin-Straße), der Ziethenweg (Ippodromnaja-Straße) und die Bunte Reihe (Elewatornaja-Straße) wurden 1924 mit der Fertigstellung des gleichnamigen Siedlung eingemeindet. Als erste erhielten die Gehwege der Bunten Reihe einen festen Belag, die Fahrbahn ließ man solange sein. Darauf folgten die Kasernenstraße und die Kamswyker Allee 1926, Bürgersteige und Fahrbahn in einem Zug. Die Fahrbahn der Bunten Reihe wird spätestens Mitte der 1930er Jahrenachgeholt worden sein, als man die Straße bis zur Gumbinner Chaussee verlängerte.

Einfahrt zur Siedlung, 1923. Fester Straßenbelag fehlt, das letzte Haus der Siedlung (heute Gagarin-Straße 40) ist noch im Bau
Vorgarten am hinteren Ende des abgängigen „Schiffshauses“ und am Beginn der heutigen Elewatornaja-Straße, 1923. Gehwegbelag fehlt
Erster Bauabschnitt der Bunten Reihe, 1923. Im Hintergrund ist das abgängige „Schiffshaus“ zu erkennen, im Vordergrund die fehlende Fahrbahn-Pflasterung der Bunten Reihe, dazu die Gehwegplatten und ein Rasentrennstreifen
Luftaufnahme, 1933–1936. Erkennbar ist die Pflasterung von der Pestalozzi-Schule bis hin zum abgängigen Schiffshaus und über diesen hinaus

Solcher Umgang mit Straßenausbau war typisch für diese Zeit.
Es wird bei der Verlängerung der Bunten Reihe in den 1930ern gewesen sein, daß die Gehwege auf Kosten der Rasenstreifen verbreitert wurden. Die Platten wurden dabei um 45° gedreht, aus Rauten wurden Quadrate. In den 1990ern waren der Neubau der Wehrsport-Anlage in der Seydlitz Straße (Rostowskaja-Straße) und die zunehmende Motorisierung eine Herausforderung. Man stelle sich ihr, indem man die Fahrbahn der Bunten Reihe verbreitete; aus unbekannten Gründen blieben die Arbeiten auf die Westseite der Straße beschränkt, und dort auch nur von der Kamswyker Allee bis zum Haus 8. Der betroffene Gehweg wurde asphaltiert, darunter ein Fernmeldekabel verlegt mitsamt den Revisionsschächten.
Seit den 1990ern erfolgten keine Ausbesserungen mehr.
Das Schicksal der Laternen ist gänzlich schleierhaft.

Schon in den späten 1940ern verloren die Häuser an der Kamswyker Allee ihre Zäune. An den Häusern Bunte Reihe 2, 3 stehen sie noch. Im weiteren Verlauf der Straße gab es bestenfalls Hecken. Den Bewohnern der Häuser 4–18 wurden Lattenzäune zur Selbstmontage ausgegeben, zuletzt in 1986. Mit der erfolgten Grundbuch-Erfassung gelten die Vorgärten als Hausgrundstücke.

Per Verordnung des Kulturministeriums vom 03.02.2017 wurde die Siedlung Bunte Reihe zum Kulturerbe von gesamtstaatlicher Bedeutung erklärt, inklusive eines Teils der Straße. Ein Übergangsbereich nach §34.1 Absatz 3 Unterabsatz 1 des Bundesgesetzes Nr. 73-FZ vom 25.06.2002 erstreckt sich nochmals 150 m weiter. Gemäß §5.1 Absatz 2 denselben Gesetzes sind hier nur solche Arbeiten statthaft, die zur Erhaltung des Denkmals und „Wiederherstellung der verlorenen städtischen Umgebung“ dienen. Gewerbliche Tätigkeiten sind nach Absatz 3 zulässig, wenn sie „den Erhaltungsanforderungen des Kulturerbes nicht widersprichen und dessen Funktionieren unter modernen Bedingungen ermöglichen“.

Bereits am 23.06.2017 wies der amtierende stellvertretende Ministerpräsident Kaliningrads und Minister für Bau- und Wohnungswesen M.V. Fedosejew die Insterburger Stadtverwaltung an, die Straße im Bereich der Wohnanalage Bunte Reihe zu sanieren. All zu offensichtlich entsprechen die Schlaglöcher kein „Funktionieren“ eines Kulturdenkmals, weder „unter modernen Bedingungen“ noch sonst wie. Doch was sind diese „Bedingungen“?

  • Die verkehrsarme Straße, fast schon eine Spielstraße, ist zur Hauptzufahrt der Wehrsportanlage geworden, die zwar von ihr versetzt liegt, sie aber als Hausanschrift führt (Elevatornaya-Straße 43a). Es gibt keine Verkehrberuhigungs-Anordnungen.
  • Aus Angst um ihre Autos parken die Bewohner in den Vorgärten statt am Bordstein. Dies ist nach Landes-Bau- und Sanitätvorschriften ausdrücklich untersagt (SP 113.13330.2012, Anhang B; SP 42.13330.2011, Tabelle 10; SanPiN 2.2.1-2.1.1.1200-03, Tabelle 4.4.1), und auch die Satzungen der Stadt Insterburg besagen dasselbe („Zur Stadtverschönerung, Fassadenreparatur und Grünanlagenpflege“ vom 26.12.2006, §16.8; „Zur Anlage der KFZ-Parkplätze“ vom 31.05.2007, §8). Im Ergebnis verstößt man gegen das Bundesgesetz 73-FZ, §§5, 7, was nicht ohne Folgen bleiben kann.

Im kommenden Jahr 2021 feiert die Wohnsiedlung „Bunte Reihe“ ihr hundertjähriges Bestehen. Da wäre es äußerst schicklich, die vorgesehenen Straßenbaumaßnahmen nicht nur zum Ausbessern der Bürgersteige zu verwenden, sondern auch um

  • die Pflasterung wieder dem historischen Vorbild anzupassen
  • den Verkehr insgesamt zu beruhigen
  • ordentliche Parkplätze einzurichten.
Ursprüngliche Pflasterung, schematisch: Kopfsteinpflaster der Fahrbahn, Rasenstreifen ca. 50 cm, darauf eine Laterne, Gehweg aus Betonplatten 35 x 35 cm, 4 Platten in einer Reihe, dahinter der Vorgarten

Die geplanten Bauarbeiten laden ein, das historische Bürgersteig-Profil wiederaufleben zu lassen — aber auch, Verbesserungen daran vorzunehmen. Wo einst der Rasen war, kann heute ein Mosaikpflasterstreifen kommen. Vor einer Wiederverengung der Fahrbahn raten wir ausdrücklich ab.

  1. Die Fahrbahn der Bunten Reihe wird in der ganzen Länge aufs breitere Maß gebracht. Das Kopfsteinpflaster wird ausgebessert.
  2. An den Bordsteinen werden auf der Fahrbahn Parallel-Parkplätze angelegt. Kleine quadratische „Inseln“ oder Vorstreckungen trennen die Parkplatz-Gruppen voneinander, sie reichen bis zum einstigen Fahrbahnrand. Auf ihnen stehen neue nach alten Vorbildern gemachte Laternen.
  3. Der Bürgersteig setzt sich aus Streifen nach historischem Vorbild: Mosaikpflaster — Diagonalplatten — wieder Mosaikpflaster.
  4. Im Mosaikpflaster-Streifen an den Bordsteinen können Poller aufgestellt werden.
Neue Pflasterung, schematisch: Kopfsteinpflaster der Fahrbah, Laterneninsel, Bordstein, Mosaikpflasterstreifen mit Poller, Gehweg, Mosaikpflasterstreifen, Vorgarten

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