Entwurf von Anastasia Eremina, Universität St. Petersburg, Philosophische Fakultät, Abteilung Design, Hauptprogramm „Umweltdesign“, 2013
Der Neue Friedhof Insterburgs entstand Anfang des 20. Jahrhunderts am östlichen Stadtrand aufgrund der Überfüllung der bisherigen städtischen und kirchlichen Friedhöfe. Der Entwerfer war Hugo Kaufmann, Gartendirektor von der Stadt Insterburg. Während seiner Dienstjahre prägte Kaufman das Stadtbild entscheidend, er widmete sich der Straßenbegrünung, gestaltete den Stadtpark neu und seine Teiche gleich mit, legte einen Sport- und Jugendpark an sowie das ein Turnierfeld.
Mit dem Krieg kam die Friedhofsnutzung zum Ende. Die Grabsteine wurden umgepflugt und ein Kultur- und Erholungspark angelegt, mit Fahrgeschäften usw. Dann wurde auch dieses geschlossen, das ehemalige Friedhofsland verödete, die Pflanzen wucherten über und über, die wenigen verbliebenen Grabstätten wurden fast restlos geplündert.
Einzig die Planungs- und Ausstattungsreste künden heute noch von der Vergangenheit des Quartiers.

Gegenwärtiger Zustand der Grünanlage


Parksicht von der Gagarin-Straße






Erhaltene Architekturelemente






Elemente der „französischen“ Parks




Elemente der Landschaftsparks
Grundlinien eines Poesie-Parks
Der Gedanke, aus dem einstigen Neuen Friedhof von Insterburg einen „Poesiepark“ zu entwickeln, ruht auf mehreren Prämissen, die miteinander eng verbunden sind.
- Erstens ist das Bild eines verwilderten Parks voller Geschichtsbrüche und Spuren verblichener Planung bereits an sich sehr poetisch. Hier läßt sich an die Vergänglichkeit denken, an die faszinierende Macht der Natur in all ihrer Vielfalt, und wie sie jedes Menschenwerk gierig verschlingt, zu etwas anderem entstellt.
- Zweitens ist jeder Friedhof mit seinen nicht selten gereimten Zeilen auf den Grabsteinen, ihrer Liebe und Trauer, bereits ein Poesiepark.
- Drittens war ausgerechnet hier auf dem neuen Friedhof von Insterburg die Dichterin Frieda Jung beigesetzt, eine nicht nur für die Stadt, sondern für ganz Ostpreußen bedeutende Persönlichkeit.


Zonierung
1 — Laden, Café, WC; 2 — Dichterclub, Verwaltung; 3 — Baumschule, WC;
Parkgrenze;
Eingangsbereich;
Poesieunterricht, Versammlungen;
Gedenkstätte;
Baumschule;
Sport und Fitneß;
Freiluft-Bibliothek;
Spielplätze;
Hundeauslauf;
Parken.

Wanderrouten
„Poesie im Wandel der Zeit“: 1.1, 1.2, 1.3 – Bereiche zur Poesie Insterburgs; 1.4 – Pavillon und Denkzeichen auf dem Platz der Kapelle. „Kulturen im Dialog“; 1.5, 1.6, 1.7 – Bereiche zur Poesie von Tschernjachowsk; 1.8 – Kinderspielplatz. „Hoffmanns Erzählungen“; 1.9 – „Grüne Bücherei“ unterm freien Himmel; 1.10 – Denkmal für Frieda Jung; 1.11 – Poesie-Club, Café
„Gedenk-Route“, bietet einen Überblick über die erhaltenen historischen Elemente des Parks und seines Erinnerungsbereiches.
„Öko-Route“, zeigt die Artenvielfalt der Pflanzen, die Unterschiede in der Pflanzenentwicklung je nach Alter und Umweltbedingungen.
„Rad-Route“, ein Abschnitt des regionalen Fernradweges, durch den Park verlaufend.
„Spazieren mit einem Freund“, eine Route für Hunde und ihre Herrechen.

Baumartenplan
Wald (zumeist Linden, Ahorne, Eichen, Bergahorne und Ulmen);
Winterlinde Tilia cordata;
Roteiche Quercus rubra;
Stieleiche Quercus robur;
Weißbirke Betala pendula;
Rotbuche Fagus sylvatica;
Spitzahorn Acer platanoides;
Spitzahorn, Kugelform (veredelt) Acer platanoides;
Hainbuche Carpinus betulus;
Berg-Ahorn Acer pseudoplatanus;
Sieleiche säulenförmig Quercus robur forma fastigiata;
Waldkiefer Pinus sylvestris;
Europäische Lärche Larix decidua;
Ulme rau Ulmus glabra

Parkblicke nach der Sanierung
























